Solga bietet „Interna“ aus dem Kanzleramt

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Simone Solga hatte das Publikum schnell für sich gewonnnen. ▪

HALVER ▪ Simone Solga steht offensichtlich gerne auf der Bühne – das hatte die Kabarettistin am Freitag rund zwei Stunden lang in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums bewiesen, bevor sie selbst ein Lob an das Publikum los wurde: „Was soll ich mich mit Fernsehredakteuren für zwei Minuten dreißig herumstreiten, wenn ich hier einen entspannten Abend verbringen kann?“

Entsprechend locker war sie zuvor durch ihr Programm „Bei Merkels unterm Sofa“ galoppiert, hatte mit den Zuschauern gescherzt und vor allem mit brillantem Wortwitz und Wortspielereien gepunktet.

Dabei versäumte sie es nicht, aktuelle Ereignisse der vergangenen Woche einzuarbeiten, schließlich geht es der „Kanzlersouffleuse“ darum, einen Besuch von Angela Merkel in der sauerländischen Provinz vorzubereiten – das war der rote Faden des Abends, mit dem Simone Solga auch Gespür für Lokalkolorit bewies und einige Scherze auf Kosten der Nachbarn mit dem „EN“-Kfz-Kennzeichen einzubauen. Zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. meinte sie: „Da kündigt er wie eine Büroschlampe zum Monatsende seinen Rücktritt an.“ Der Nachfolgevorschlag von Simone Solga: „Eine verheiratete Mutter um die 40.“ Der Fleischskandal und die Verabschiedung von Annette Schavan blieben ebenfalls nicht unerwähnt. Die perfekte Öko-Leberwurst stammt laut Simone Solga „von freilaufenden Schweinen, die sich nach Zureden für den Freitod entschieden haben.“

Aber das waren am Freitagabend die Randnotizen. Der Kern drehte sich um „Interna“ aus dem Kanzleramt – wie den Inhalt von Angela Merkels Handtasche. Die sympathische Art von Simone Solga, die ihr Publikum schon gewonnen hatte, kaum das sie die Bühne betreten hatte, war nur eine Fassade: Treffsicher schoss sie ihre Pointen völlig unerwartet regelrecht aus der Hüfte ab. Dabei hatte sie für so manchen Berliner Politiker einen Seitenhieb parat. Aber brutale Boshaftigkeit lag Simone Solga fern, vielmehr analysierte sie Sachverhalte spitzfindig und beeindruckte mit intelligenten, zum Teil gereimten Wortspielereien, die den Zuhörern Konzentration abverlangten – nur kurz, denn das Fazit lautete: „Haben Sie das verstanden? - Ich auch nicht.“

Ganz egal, ob sie ein Butterbrot als I-Phone nutzte oder ihre ganz eigene Statistik offenbarte - „Ich halte neun von zehn Menschen für Brutzelblöde – und jeder hält sich für den Zehnten.“ - : Simone Solga ließ zwischen Bildung, Doping und internationalen Beziehungen kaum ein Thema aus. Und überraschte auch mit Nachdenklichem, wie dem Gedicht auf „den armen unbekannten Soldaten“, das das Publikum schweigend in sich aufnahm. Aber das gefiel Simone Solga dann auch nicht – und sie legte mit ihrer mit Wortpatronen geladenen Waffe erneut an.

Von Bettina Görlitzer

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