Halveraner Kulturzeit

Standing Ovations für Kabarettistin Lisa Fitz in Halver

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Lisa Fitz macht klare Ansagen bei ihrem Auftritt in Halver: „Ich bin eine demokratisch denkende, liberale Feministin.“

Halver - Diese Frau macht klare Ansagen: „Ich bin eine demokratisch denkende, liberale Feministin“, bekannte die Kabarettistin Lisa Fitz am Samstagabend in der ausverkauften Aula des Anne-Frank-Gymnasiums. Mit ihrem Auftritt begeisterte sie die Halveraner. 

In ihrem Programm „Flüsterwitz“ machte sie reichen Gebrauch vom – in Deutschland – noch weitgehend unangefochtenen Prinzip freier Rede. Etwas sagen dürfen –„das nennt man Demokratie“, gab es elementaren Nachhilfeunterricht für all jene, die sich nicht trauen, ihre Meinung zu sagen. 

Lisa Fitz’ Bekenntnis zu den Frauenrechten schloss nicht aus, dass sie ihren Geschlechtsgenossinnen in dieser Hinsicht die Leviten las: „Frauen – wir sind oft so damn fucking unpolitisch“, schimpfte sie unter Zuhilfenahme zweier englischer Kraftausdrücke und warnte vor den Folgen solch unangemessener Zurückhaltung, die es nicht nur bei Frauen gibt: „Damit das Böse triumphieren kann, reicht es, wenn gute Menschen gar nichts tun.“ 

"Der Hintern und die Couch bilden eine Allianz"

Das Thema „politische Apathie“ sollte sich auch weiterhin durch den Abend ziehen: „Dann bilden der Hintern und die Couch eine Allianz“, spottete Lisa Fitz über all jene, die in einem helenefischerisierten Land auf der Suche nach „Germany’s next Top-Trottel“ in ihren Fernseher „hineinmaulen“, um nicht aktiv werden zu müssen. 

Eine kleine Umfrage unter den Besuchern ebnete den Weg in das Thema „Ängste“, das mit einem kleinen Wortspiel garniert wurde: Anglophobie meint die Angst vor Engländern, Angrophobie die Angst, wütend zu werden. Letzteres hatte Lisa Fitz vor allem bei Frauen beobachtet. 

Nach einem groben Schimpf über „keifende Weiber in hässlichen Klamotten“ war es Zeit für ein Bekenntnis: „Ja, das war frauenfeindlich, aber manchmal macht das Spaß.“ Der alte Westernheld John Wayne musste aushelfen, als es um die stärkste Waffe gegen die Angst ging: „Mut ist, wenn man Todesangst hat und sich trotzdem in den Sattel schwingt.“ Lisa Fitz variierte die berühmten Worte „Wage zu denken!“ des Aufklärungsphilosophen Immanuel Kant: „Was vielen Menschen fehlt, ist Mut. Mut ist das Feuer, aus dem sich Erfolge speisen. Mut ist es, zu sagen, was man denkt. Mut ist es, zu denken.“ 

Das Prinzip der Umkehrung

Und sie brachte noch ein weiteres Prinzip gegen angstbedingte Lähmungen ins Spiel – ein Prinzip der Umkehrung: Nicht sie habe Angst vor der Dunkelheit. „Die Dunkelheit hat Angst vor mir.“ Mut zum Lernen und Denken machte sie mit dem Gegenteil eines Warnhinweises: „Das Gehirn liebt lernen. Es ist keine Seife. Es wird nicht weniger, wenn man es benutzt.“ Schlimm sind hingegen die Folgen von Denkverzichten: „Das gewalttätigste Element der Gesellschaft ist die Unwissenheit.“ 

Seinen Titel „Flüsterwitz“ trug das Programm mit einer gewissen Ironie, denn der Begriff kommt bekanntlich aus Diktaturen. Noch gibt es in Deutschland keine zwei Monate Knast für einen neuen Witz, noch gilt das Prinzip der freien Rede. Das heißt aber nicht, dass politisch alles glattläuft: Angela Merkels Herrschaftsstil erntete gleich eine ganze Reihe von Begriffen: „postheroisches Regieren“ oder auch „Ruhe-Regiment mit Empörungsverweigerung“. 

Für Außenminister Heiko Maas hatte Fitz ein Geschenk auf Lager: „Ihm möchte ich Kunstdünger in die Schuhe kippen, damit er menschlich noch ein wenig wächst.“ Wehmütig ging ihr Blick zurück zu den Politdinosauriern Franz Josef Strauß und Herbert Wehner, deren Unterhaltungswert ihre politischen Taten noch weit überstrahlte: „Da sind wir Kabarettisten gar nicht gegen angekommen.“ 

Schlussbeifall im Stehen

Mit einer eindringlichen Warnung vor den „Gestalten an der Spitze, denen wir grundlos vertrauen“, verabschiedete sich Lisa Fitz vom Publikum in Halver, das sich für den Schlussbeifall von den Sitzen erhob: „Wenn das Fußvolk verreckt – das war denen in den Palästen schon immer egal.“ 

Kamel und Vogel Strauß waren die Helden in einer Zugabe, die zum i-Tüpfelchen eines Programms wurde, das neben klaren politischen Botschaften auch ordentliche Portionen Musik und Humor zu bieten hatte. Nach „40 Jahren in dieser Branche“ hatte Fitz wunderbar viel zu sagen und zu singen.

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