Die Regierungswidersprecher

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Jung, dynamisch und mit flinker, spitzer Zunge: Florian Schroeder brillierte am Samstag.

HALVER -  Frech, hintergründig und gnadenlos komisch unterzogen die Kabarettisten Florian Schroeder und Volkmar Staub, Regierungswidersprecher aus Überzeugung, den „Patienten Deutschland“ in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums einer gründlichen Operation.

Alles, was die Nation im alten Jahr erhitzte, empörte, überraschte und beschäftigte, kam auf den Tisch bei der „Zugabe – der Jahresrückblick 2013“, bei der die beiden Spötter sprichwörtlich das Unterste nach oben kehrten. Ob Große Koalition oder Energiewende, Untergang der FDP oder Abhöraffäre: Alles wurde auf Herz und Nieren geprüft, seziert und aus einander genommen. In schrägen Spielszenen, witzigen Parodien, Texten mit doppeltem Boden und kernigen Songs legten Schroeder und Staub ihren Zuhörern, die sich köstlich amüsierten, eloquent und pointiert ihre Sicht der Dinge dar. Mal spielten sie hintergründig mit Worten: „Frau Merkel – kaum wiedergewählt, schon gestürzt.“ Mal hauten sie kräftig drauf: „Man kennt’s von der Käsetheke! Der Limburger stinkt immer am schlimmsten!“ Klar, dass es dabei um den Limburger Bischof Tebartz van Elst und seinen Unsummen verschlingenden Bischofssitz ging. Apropos van Elst, der für einen verschmitzten Parodisten wie Schroeder ein gefundenes Fressen war: „Ich wollte die Kirche doch nur so arm machen, wie Papst Franziskus sie immer haben wollte!“, bekam die Verschwendungssucht endlich einen Grund. Selbst wer wollte, hatte keine Chance, bei der schrägen Parodie mit Knick in der Optik, ernst zu bleiben und nicht mitzulachen. Es war die Mischung, die den Jahresrückblick der beiden Kabarettgrößen vor voll besetzten Rängen so erfrischend kurzweilig machte.

Mit Schroeder, jung und dynamisch und Staub, gesetzter und „weiser“, trafen sich hier zwei auf spiegelglattem Parkett, die sich gesucht und gefunden hatten. Stilistisch – angefangen bei zwerchfellerschütternden Ansprachen wie der von Winnetou an seine roten Brüder von der SPD bis hin zu Liedern mit zupackenden Texten – schöpften beide aus dem Vollen. Staub, der schwergewichtige Winnetou, brillierte als wortgewandter Philosoph und Liedermacher. Schröder, der scharfe Beobachter, setzte seine Hiebe flink mit spitzer Zunge an. Mit politischen Inhalten (Pkw-Maut), Wahl-Gewinnern und Verlierern, Whistleblowern (Edward Snowden) und Steuersündern (Uli Hoeneß), TV-Duellen (Slomka-Gabriel) und Armutsberichten setzten sich die beiden Spötter auseinander. Gern hätten sie eine Schwarz-Grüne Koalition gesehen. Angela Merkel und Winfried Kretschmann: Das hätte doch was! Sie „die Verführerin, er staubtrocken und gegen ihre Reize gefeit“. Köstlich, was Staub und Schroeder den beiden Protagonisten in den Mund legten.

Bei der Zugabe ließen sie sich zum Blick ins Ausland „überreden“, bevor es mit Worten von Sigmar Gabriel an Marietta Slomka vergnüglich hieß: „Lassen Sie uns diesen Quatsch jetzt beenden!“

Von Monika Salzmann

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