Ein bitterböser "Abwatscher"

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"Abwatscher" in Serie: Kabarettist Robert Griess.

Halver - Das gibt’s doch nicht! Das darf doch nicht wahr sein! „Ich glaub’, es hackt!“ Frech, zynisch und geradeheraus nahm der Kölner Kabarettist Robert Griess am Samstagabend im Kulturbahnhof Missstände im Land unter die Lupe.

Von Monika Salzmann

In kleinem, intimem Rahmen forderte der Domstädter, bundesweit erfolgreich in Sachen Kabarett unterwegs, sich und sein Publikum heraus. Zurücklehnen und sich bespaßen lassen? Nicht bei Griess! Nicht bei den Rollen, die er spielte. Nicht bei den Sichtweisen, aus denen er das, was die Nation bewegt, betrachtete. Von seichter, oberflächlicher Schenkelklopfer-Comedy war sein bitterböses Polit-Kabarett meilenweit entfernt. Gnadenlos bissig und schwarzhumorig forderte Griess den Intellekt und die geistige Mitarbeit heraus.

Sich selbst nahm er als Zielscheibe garstigen Spotts nicht aus. Eloquent schoss er gegen sich selbst, als er anmerkte, dass ein Kabarettist ja auch sehen muss, wo er bleibt, und überall auftritt. Die für die Veranstalter – egal ob Banker oder BWLer – unangenehmen Sachen lässt er dann einfach weg. So einfach ist das! Dass BWLer längst die Weltherrschaft übernommen haben, war für den Kölner mit der frechen Klappe keine Frage.

Dass Merkels „vollstes Vertrauen“ für die, die es trifft, einem Todesurteil gleichkommt, ebenso wenig. Man schaue sich nur an, wer alles das „vollste Vertrauen“ genoss und dann ein, zwei Tage später weg vom Fenster war. Apropos Angela Merkel, bei Griess die späte Rache Erich Honeckers an der BRD: „Wohin will die überhaupt? In ganz Europa gibt es keinen einzigen Regierungschef, der auf Augenhöhe mit ihr spricht?“ Wenn das nicht nach „Königin von Europa“ riecht!

"Abwatscher" durch die Reihe

Durch die Bank watschte der Domstädter die Politprominenz ab – von Alexander Dobrindt und seiner ungeliebten Maut bis zu Ursula von der Leyen mit ihrer „mit Goldlack blondierten Stahlhelm“-Frisur und ihren Plänen, Helikopter anzuschaffen, die für den Einsatz überm Meer nicht tauglich sind.

Als Vorbild für ein funktionierendes vereintes Europa empfahl der Kabarettist einen Blick auf den FC Bayern, wo ein Holländer, ein Franzose und der einzige schwarze Österreicher prächtig harmonieren. Jeder müsste in einem vereinten Europa das einbringen, was er am besten kann, lautete seine Schlussfolgerung – die Italiener das Essen, die Franzosen die Liebe und so fort. Mit wenigen Handgriffen – selbst gestrickter Mütze und Schal – verwandelte sich Griess in den grünsten aller Grünen, der eine Rückkehr zum Bajonett und von Soldaten „artgerechtes Töten“ einforderte.

Als Hartz IV-Empfänger blieb ihm das letzte Wort. Nicht China, sondern den Kollegen vom Schreibtisch nebenan erkannte seine zynische Manager-Figur, die den eigenen Sohn nur als Abbuchungsbeleg von der Bank kannte, als den größten Feind am Wirtschaftshorizont. Eine Anleitung zur Revolution gab’s gratis obendrauf. Tenor: Superreiche gegen das gemeine Volk.

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