Kabarett: Robert Griess überzeugt nicht alle

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Der Kölner Kabarettist Robert Griess trat im Kulturbahnhof auf. ▪

HALVER ▪ Es war ein Aufruf zur Revolte. Wogegen? Na gegen alles: Gegen die Politik, die Banken und nicht zuletzt gegen Vorurteile und soziale Klischees. Der Kölner Kabarettist Robert Griess nutzte am Freitagabend im Kulturbahnhof Witz, Sarkasmus und eine gehörige Portion Ironie, um lautstark Kritik zu äußern. Mit seinem Programm „Revolte“ begeisterte er jedoch nicht alle 60 Besucher.

Der Abend begann stark. Geschickt nutzte Griess sein offensichtlich fundiertes politisches Wissen. Schlug die Politiker mit ihren eigenen Waffen, indem er ihre Reden zitierte und die teils ausdruckslosen, grotesken und widersprüchlichen Aussagen auseinander nahm. Es war ein politischer Rundumschlag, der nicht nur die Bundespolitiker traf.

Griess selber bezeichnete sich zu Beginn des Abends als beruflicher Netzbeschmutzer und das, obwohl er zugeben musste, dass es auch in Deutschland schöne Ecken gibt. Windparks haben es ihm da besonders angetan. „Da steckt soviel Potenzial drin, man könnte sie viel schöner schmücken, man könnte beispielsweise Westerwelle daran hängen.“ Zudem sei zu vermuten, dass es bereits bald eine neue Europa-Hymne geben werde: „Je t’aime.“ Während das Publikum die Melodie summte, spielte der Kabarettist eine Liebesszene zwischen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Angela Merkel.

Der Kölner nahm kein Blatt vor den Mund. Neben der Politik, traf es auch die Wirtschaft, insbesondere die Banker: „Die können Trümmer schaffen ohne Waffen. Ich würde sagen, da bricht ein neues Zeitalter an. Die Banken verdienen dafür den Friedensnobelpreis.“

Doch ganz so anspruchsvoll-komisch blieb das Programm nicht. Der Ausflug zu einem gesellschaftlichen Diskurs am Spielplatz kam eher flach daher. Zwar sorgte Griess, der zwischenzeitlich bis zu drei Personen spielte, für einige Lacher, doch waren viele Witze und Pointen vorhersehbar und bekannt. Da kochten beispielsweise „Töchter nicht wie ihre Mütter, sondern soffen wie die Väter“. Und „Kevin“ und „Jakkeline“ aus der Hartz-IV-Familie waren in der Schule benachteiligt. Die großen Lachanfälle blieben zumindest dort eher aus. ▪ lm

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