Junge, drogensüchtige Diebe im Visier

HALVER ▪ Wie können junge, drogensüchtige Diebe, die relativ offen damit umgehen, dass sie keine Lust zu einer regulären Erwerbstätigkeit haben, auf den Weg zu gesellschaftskonformem Verhalten zurückgebracht werden? Diese Frage beschäftigte am Dienstag das Landgericht im Prozess gegen sechs junge Einbrecher aus Halver, Kierspe und Lüdenscheid.

Klar ist: Ein Teil von ihnen wird empfindliche Haftstrafen verbüßen müssen. Der 21-Jährige Haupttäter war nach mehr als vier Jahren gerade mal einen Monat in Freiheit, als er mit der Einbruchserie begann. Er habe keinen Bock gehabt, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen, gestand er dem psychiatrischen Gutachter Bernhard Bätz, der vor Gericht gestern zur Frage der Schuldfähigkeit der beiden Hauptangeklagten Stellung nahm. Auch der mit mittlerweile 25 Lebensjahren älteste Angeklagte wisse „wie es ist, arbeiten zu gehen, um an Geld zu kommen“ – und ließ es lieber bleiben, müsste hinzugefügt werden.

Einschränkungen der Schuldfähigkeit oder Steuerungsfähigkeit sah der Experte bei den beiden schwierigsten Fällen trotz ihrer Drogensucht nicht. Immerhin seien sie in der Lage gewesen, die Einbrüche „recht erfolgreich“ zu planen, die Objekte bewusst auszusuchen, per Handy die Kollegen innerhalb der Gebäude zu leiten. Auch die Vermarktung des Diebesgutes spreche gegen eine eingeschränkte Steuerungs- und Schuldfähigkeit.

Angesichts der auch durch die Drogensucht veranlassten Straftaten dachten Gericht, Jugendgerichtshelferinnen und Anwälte über die Erfolgsaussichten von Drogentherapien für die Angeklagten nach. Weiterer Diskussionspunkt war die Frage, wie die beiden – möglicherweise durch einen Maßregelvollzug – an gesellschaftliche Arbeit herangeführt werden können. Im Rahmen eines solchen Strafvollzuges würden Erziehungsaspekte ein stärkeres Gewicht gegenüber dem einfachen Wegschließen bekommen.

Am Mittwoch soll in Hagen nach den Plädoyers das Urteil verkündet werden. ▪ Thomas Krumm+#

Der Fall:

Sechs Angeklagte, einer davon aus Halver, müssen sich vor dem Landgericht Hagen wegen bandenmäßigen Einbruchsdiebstahls verantworten. Das Sextett brach in unterschiedlichen Besetzungen vor allem in Privatwohnungen und Häuser in Halver und Lüdenscheid ein. Der Gesamtschaden liegt bei etwa 200 000 Euro.

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