Jung, Boucke will sich in Planinsolvenz neu aufstellen

Hans Ulrich Volz, Geschäftsführer der Jung, Boucke GmbH & Co.

HALVER ▪ Die Geschäftsführung der Halveraner Jung, Boucke GmbH & Co. hat am Montag „nach reiflicher Prüfung und Überlegung“ ein Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Hagen beantragt.

Das teilte der geschäftsführende Gesellschafter Hans Ulrich Volz am Montagabend mit, nachdem die Belegschaft in einer Informationsveranstaltung in Kenntnis gesetzt worden war. Eine Betriebsversammlung soll heute folgen. Das 1892 gegründete Unternehmen beschäftigt an den Standorten Langenscheid und Herpiner Weg in Halver insgesamt 235 Mitarbeiter und beliefert schwerpunktmäßig namhafte Kunden in der Automobilindustrie. Nach Auskunft der Unternehmensleitung hat das Krisenjahr 2009 tiefe Spuren in der Liquidität hinterlassen „und gerade der positive, sprunghafte Anstieg der Auftragssituation in 2010 hat diese angespannte Liquiditätslage noch verschärft“. Das Insolvenzgericht Hagen habe den im Bereich der Automobilzulieferer versierten Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt.

„Natürlich machen sich nun viele Beteiligte, nicht zuletzt die Arbeitnehmer und deren Familien Sorgen“, erklärte Hans Ulrich Volz. Das Verfahren der Planinsolvenz in Eigenverwaltung diene aber gerade „dazu, um gestärkt und als langfristig stabiler Arbeitgeber und Geschäftspartner aus der Krise hervorzugehen“.

Insofern bedeute der Insolvenzantrag nicht das Ende der Geschäftstätigkeit. Vielmehr soll dieser Schritt dazu genutzt werden, um das Unternehmen im Rahmen eines sogenannten Insolvenzplanverfahrens (Planinsolvenz) in Eigenverwaltung zu sanieren und neu aufzustellen.

„Wir haben mit der auf Sanierungen und Planinsolvenzen spezialisierten Unternehmensberatung mbb Consult GmbH aus Düsseldorf eine kompetente Unterstützung und mit Herrn Rechtsanwalt Dr. Andres einen vorläufigen Insolvenzverwalter, der mit der Durchführung derartiger Verfahren bestens vertraut ist“, so Volz weiter. Nach Auskunft der Unternehmensleitung gibt es bereits erste positive Signale von Banken, Lieferanten und Kunden, die auch weiterhin an einer stabilen und verlässlichen Partnerschaft interessiert sind.

„Die Situation bei der Jung, Boucke GmbH & Co. ist kein Einzelfall im Bereich der mittelständischen deutschen Industrie. Viele dieser Unternehmen haben im Krisenjahr 2009 Verluste gemacht. Dies hat Eigenkapital und Liquidität stark beansprucht“, erklärte Robert Buchalik, geschäftsführender Gesellschafter der mbb Consult GmbH.

„Die Planinsolvenz in Kombination mit einer Eigenverwaltung ist ein bisher noch unterschätztes Verfahren“, so Buchalik, der laut der Pressemitteilung auf erfolgreiche Verfahren der Glasid AG in Essen, der Boos GmbH in Wuppertal und der Otto Kind AG in Gummersbach/ Marienheide verweisen kann.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Andres führte 2010 erfolgreich Insolvenzplanverfahren bei Firmen wie Hänsel Textil, EVC Rheinland GmbH und der Accente Einrichtungs GmbH durch. „Ich konnte mir heute einen ersten Überblick über die Situation bei der Jung, Boucke GmbH & Co. verschaffen und gehe davon aus, dass das Unternehmen fortgeführt werden kann“, erklärte Andres.

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