Corona und Jugend

Jugendcafé: Ein Ort des Ankommens für die Kinder in dieser Zeit 

Gesellschaft: Arndt Spielmann spielt mit einem zehnjährigen Besucher des Jugendcafés Aquarium ein Brettspiel. Der Junge ist direkt nach der Schule ins Café gekommen. Das macht er jeden Tag, wie er erzählt.
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Gesellschaft: Arndt Spielmann spielt mit einem zehnjährigen Besucher des Jugendcafés Aquarium ein Brettspiel. Der Junge ist direkt nach der Schule ins Café gekommen. Das macht er jeden Tag, wie er erzählt.

Wie läuft es eigentlich im Jugendzentrum Aquarium? Bei einem Besuch wird schnell klar, dass hier einige Jugendliche gerne vorbeikommen und hier ihre Zeit verbringen - und sie haben einen Geheimtipp.

Halver – Das Jugendcafé Aquarium ist bei so manchen Jugendlichen ein Geheimtipp –oder wird es gerade erst. Derzeit erlebt Arndt Spielmann wieder, wie sich das Angebot unter den Zehnjährigen herumspricht. Man könnte es Schneeballsystem nennen. Denn wenn der Leiter des Jugendzentrums auf der Straße einen Jugendlichen anspricht, bringt der meistens einen Freund mit, der wieder einen mitbringt – und so geht das immer weiter.

Alleine an einem Tag in der ersten Schulwoche kamen drei neue Besucher vorbei, die jetzt regelmäßig kommen. Sie wollen auch mal eine Runde am PC spielen oder die Kartentricks von Arndt Spielmann lernen. Wer von zu Hause ein bisschen Geld mit auf den Weg bekommen hat, kann sich für einen Euro zum Beispiel eine Pizza kaufen. Die ist auch nicht tiefgekühlt, sondern vom Hobbybäcker selbst gebacken und kommt sichtlich gut bei den Besuchern des Aquariums an.

20 Jugendliche können rein

Die Stimmung ist locker und ausgelassen. Maske müssen die Teenager nicht mehr tragen. Bis zu 20 können ins Café ohne vorherige Anmeldung. Wer gerade vorbeifährt, kann mit seinem Scooter halten und reinkommen. „So kann man arbeiten“, sagt Arndt Spielmann.

Viele Konzepte liegen hinter ihm und seiner Kollegin Saskia Hock. Das jetzige Konzept aber füllt das Café wieder. „Es läuft wieder an“, sagt der Sozialarbeiter. Die Ferien sind vorbei, so manch einen Jugendlichen hat Spielmann beim Ferienspaß dazugewinnen können. Jetzt kommen vor allem neue Fünftklässler. Max (dieser und folgender Name von der Redaktion geändert) zum Beispiel hat sich schon richtig gefreut, dass er endlich kommen darf, erzählt er. Die Kartentricks, die ihm Arndt Spielmann vergangene Woche beigebracht hat, brachten seine Klassenkameraden zum Staunen. Heute ist er da, weil er noch einen Trick lernen will.

Tobias kommt jeden Tag und bleibt bis zum Ende, erzählt der Zehnjährige. Heute ist er mit einem Freund zum Pizza essen verabredet, aber so lange er noch nicht da ist, erzählt er ein bisschen von der Schule. Die nerve schon jetzt, kurz nach Beginn nach den Sommerferien.

Kennenlernen im Aquarium

Mit Arndt Spielmann redet er offen darüber, und der Sozialarbeiter hört zu. Max und Tobias kennen sich noch nicht. Erst einmal wird gefragt, auf welcher Schule der jeweils andere ist. Vom Anne-Frank-Gymnasium kommen hier nur wenige hin, sagen die Jugendlichen. Max ist auf der Primusschule in Schalksmühle. Die beiden Jungen tauschen sich über ihre neuen Lehrer und fragwürdige Methoden im Matheunterricht aus. Bei manchen Gesprächen unter den Jugendlichen hört Arndt Spielmann mit einem zwinkernden Auge einfach nur zu. Manchmal muss er auch mal eingreifen und schlägt Spiele vor. Den Jugendlichen tut es sichtlich gut, sich mit anderen auszutauschen und die freie Zeit zu genießen. Corona ist zwischen den Sozialarbeitern und den Kindern sowie unter den Kindern selbst nur selten ein Thema.

Wer ins Café kommt, muss die drei Gs erfüllen. Manche sind bereits geimpft, Schüler gelten automatisch als getestet, alle älteren fragt er ab. Aber die kommen nur noch selten. Corona zieht sich jetzt schon eine lange Zeit. Ein Jugendlicher, der regelmäßig kam und 16 Jahre alt war, ist mittlerweile 18 geworden. Er winkt nur noch, wenn er am Café vorbeifährt. Die Zeit vergeht so schnell, sagt Arndt Spielmann. Aber das ist der klassische Wechsel in der Jugendarbeit. Die Älteren gehen, die Jüngeren kommen. Gerade die Älteren aber haben sich jetzt umorientiert. Er kennt die Treffpunkte einiger, die er schon länger kennt. Aber er ist sicher, dass mit schlechterem Wetter auch einige von ihnen wiederkommen werden.

Die Hoffnung bleibt, dass auch im Herbst und Winter die Regeln so bleiben und nicht mehr geändert werden. Corona wird dann wieder vermehrt Thema sein, vermutet der Sozialarbeiter und ahnt Schreckliches. Denn die Zielgruppe des Jugendcafés ist zum Großteil nicht geimpft oder kann sich mitunter noch nicht impfen lassen. Arnd Spielmann sorgt sich um die Altersgruppe und rät dazu, die Jugendlichen zu impfen. Für den Moment aber ist es für die Jungen und Mädchen auch einfach nur schön, nicht mit Corona konfrontiert zu sein und auch nicht darüber zu reden, sondern wie früher über die Schule – als gäbe es keine Pandemie.

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