Nachfolger für Waldschule in Halver gesucht

Waldschule: Nach 30 Jahren ist Schluss - bisher kein Nachfolger gefunden

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Jürgen Schmidt vom Hegering Halver besucht Drittklässler der Grundschule Auf dem Dorfe mit der Rollenden Waldschule.

Halver - Seit 1998 rollt die Waldschule durch den Märkischen Kreis. Auch in Halver gibt es kaum ein Kind, das nicht bereits einen der ausgestopften Füchse, Dachse oder Igel gestreichelt hat. Doch damit könnte es bald vorbei sein.

Untrennbar mit der Waldschule verbunden ist Jürgen Schmidt vom Hegering Halver, der in den Schulen und auf vielen Veranstaltungen spannendes Wissen aus der Natur vermittelt und geduldig alle Fragen beantwortet. 

Auf dem Halveraner Herbst am 29. September wird der beliebte Waidmann zum letzten Mal sein Wissen über die Flora und Fauna weitergeben. „Ich werde jetzt 75 und mache schon seit 30 Jahren die Waldschule“, begründet Jürgen Schmidt seine Entscheidung. 

Seit 30 Jahren? Richtig gelesen: Der Landesjagdverband hat bereits eine eigene Waldschule betrieben, bevor das „grüne Klassenzimmer“ Ende des vorigen Jahrhunderts auch auf Kreisebene verwirklicht wurde. „Wir waren hier in Halver mit die ersten, die mit der Rollenden Waldschule im Märkischen Kreis unterwegs waren“, erinnert sich der passionierte Jäger. 

Nach 30 Jahren sucht Jürgen Schmidt einen Nachfolger für die Waldschule.

Wie es nach dem Halveraner Herbst weitergehen soll, weiß er auch nicht: „Ich war 38 Jahre lang Obmann für die Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering. Für diese Aufgabe gibt es bereits einen Nachfolger. Für die Waldschule wurde jedoch noch niemand gefunden.“ Sein Nachfolger sollte schon aus den Reihen des Hegerings kommen, wünscht sich der Halveraner. Er oder sie müsse etwas Zeit mitbringen und auch über eine gewisse körperliche Konstitution verfügen, denn die Waldschule befindet sich in Balve und muss jedes Mal abgeholt und vor Ort aufgebaut werden. „Ich kombiniere das deshalb immer mit mehreren Terminen in Halver“, so Schmidt. 

Sein Nachfolger muss nicht ins kalte Wasser springen, sondern darf auf die Hilfe des erfahrenen Naturpädagogen zählen: „Ich werde ihm in der ersten Zeit natürlich gerne zur Seite stehen.“ Den Kindern die Natur näher zu bringen war für ihn immer ein sehr wichtiges Anliegen. „Was man in der Jugend sät, erntet man im Alter“, gibt Jürgen Schmidt zu bedenken und verweist auf die Tatsache, dass die Halveraner Wälder weitestgehend verschont bleiben von den Folgen jugendlicher Randale. 

Heimische Wälder im Fokus

Wovon die heimischen Wälder nicht verschont bleiben, sind die Folgen der anhaltenden Hitze. Auch das ist für den Jäger natürlich ein Thema. „Die Tiere ziehen sich in die kühleren Regionen des Waldes zurück und sind geschwächt“, erklärt er. Durch die daraus resultierende Trägheit hätten sie große Nachteile, wenn sie etwa von freilaufenden Hunden gejagt würden. Hundehalter sollten deshalb ihre Tiere im Wald an der Leine führen. Auch der Wolf wird für die Jäger wieder zu einem Thema. 

Immer öfter wird der Isegrim in unseren Wäldern beobachtet. Besonders die Schäfer haben darunter zu leiden, wenn ein Wolf ihre Tiere als Nahrungsquelle entdeckt hat. „Wenn ein Wolf zu einem Problemwolf wird, muss man eingreifen“, bezieht Schmidt eine klare Stellung. „Man kann nicht alles nur auf die Schafhalter abwälzen. 

Besonders kritisch wird es, wenn es bei den Wölfen zu Rudelbildungen kommt.“ Wichtig sei jedoch, dass ein Vorgehen gegen den Wolf streng reglementiert wird. Auch wenn der beliebte „Onkel von der Waldschule“ bald nicht mehr in den Schulen zu Gast sein wird, müssen die Schüler doch nicht so ganz auf sein Wissen verzichten. Rund 700 Stundenpläne werden über den Hegering jährlich an Halvers Schulen verteilt, auf deren Rückseite die Wildtiere vorgestellt werden. Alle Texte darauf stammen von Jürgen Schmidt.

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