Konzert der Cellistin und Sängerin Johanna Stein

Kunstwerk aus Musik und Licht

+
Cellistin und Sängerin Johanna Stein aus Köln, von Lichtkünstler Jörg Rost kunstvoll in farbiges Licht getaucht, durchreiste am Samstag in der Villa Wippermann Raum und Zeit.

Halver - „Das habe ich mir schon gedacht und euch zwei Zugaben mitgebracht.“ Nicht lange bitten ließ sich die Kölner Cellistin und Sängerin Johanna Stein, die am Samstag mit ihrem Soloprogramm „Eine Frau, ein Cello und 500 Jahre Musik“ im Regionalmuseum Villa Wippermann Furore machte, Zugabenwünsche des begeisterten Publikums zu erfüllen.

Von Lichtkünstler Jörg Rost (Schwerte) in farbiges Licht getaucht, geriet das Programm der jungen, mit stehenden Ovationen gefeierten Künstlerin zu einer faszinierenden Reise durch Raum und Zeit. Nicht genug bekamen die Zuhörer im voll besetzten Saal von den virtuosen Klängen und der warmen, ausdrucksvollen Stimme der Künstlerin, die zu wechselnden Farbeffekten das Gestern mit dem Heute, Renaissance- und Barockmusik mit Pop und Jazz verband. Musik und Licht vereinten sich zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk.

Nichts war geprobt, alle Farbspiele entstanden passend zu den Stimmungen der Musik aus dem Augenblick heraus. Charmant, humorvoll und manchmal auch ein wenig nachdenklich führte Johanna Stein durch einen Abend, der die spieltechnischen Möglichkeiten des Cellos und die Ausdrucksvielfalt des tiefen Streichinstruments in den Fokus rückte. Aus dem Vollen schöpfte die Kölnerin, um ihrem Publikum die Vorzüge ihres Instruments zu zeigen.

Multistilistisch unterwegs, war ihr keine Stilrichtung, keine Epoche, weder das Minnelied noch die keltische Folklore, weder der Flamenco noch der Jazzstandard fremd. Abseits ausgetretener Pfade entdeckte sie mit ihrem Publikum faszinierende Klangwelten, teilweise selbst komponiert oder arrangiert, teilweise großen Komponisten entliehen. Zu letzteren gehört der weltberühmte Cellist Pablo Casals, der sich selbst vom Exil aus unermüdlich für Frieden und Demokratie einsetzte, mit seinem Friedenslied „Song of the Birds“ und Barockmeister Johann Sebastian Bach, aus dessen 2. Suite für Solocello die Kölnerin bei ihrem Zugabenreigen die Sarabande spielte.

Zu all ihren emotionalen, mit Hingabe und großer Leidenschaft gespielten Stücken gab Johanna Stein ihren Zuhörern reichlich Hintergrundinformationen an die Hand. Dass ihr Faible für keltische Musik aus ihrer Studienzeit in Schottland rührt, dass sie in der Mongolei eine einzigartige, auch auf die Musik abfärbende Weite kennengelernt hat und ein großer Fan von Pop-Musik aller Zeiten ist, erfuhr das in entfernteste Winkel begeistert mitreisende Publikum. Mal wendig, mal beseelt, rein instrumental oder mit Gesang, konventionell und unkonventionell zog Johanna Stein alle Register, um die schillernden Ausdruckswelten des Cellos bildhaft vor Augen zu führen und das Publikum in ferne Länder und Epochen zu versetzen.

Ob gezupft oder gestrichen, das klassische Repertoire unterschiedlichster Stricharten abrufend oder zu ungewöhnlichen Spieltechniken greifend: Die Kölnerin verstand ihr Metier. Sei’s, dass sie mit Randy Newmans „Short People“ augenzwinkernd auf ihre eigene Größe anspielte („Passt zu einer kleinen Frau“), sei’s, dass sie mit den Halveranern ein unbekanntes Stück von Jean Sibelius entdeckte: Mit jedem Song eröffnete sich ein neuer Kosmos, eine neue Klangwelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare