Jahreskarte zu einem Ausweis umfunktioniert

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So sieht die Rückseite der Herpine-Jahreskarte aus, die sich noch im Besitz von Ursula Frevel befindet.

HALVER ▪ Da wurden bei Ursula Frevel wieder zahlreiche Erinnerungen wach, als sie am Sonntag ins Freibad zur Eröffnung der Saison (wir berichteten) gekommen war. Schließlich gehörte ihr Vater Heinrich Lieder zu denjenigen, die Anfang der 1930er Jahre Zement und andere Materialien für den Bau des Freibads geliefert hatten. Dafür gab es dann Jahreskarten, die auch von Ehefrauen und den Kindern genutzt werden durften.

Solch eine Jahreskarte für 1943 war sozusagen das einzige Dokument, das die Halveranerin bei sich hatte, als sie Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Kriegshilfsdienst im Osten entlassen wurde. „Von einen Tag auf den anderen“, erinnert sich Ursula Frevel, als sie damals an Lungen-TB erkrankt war. Es habe sogar zwei Tage gedauert, bis sie in einen Zug kam, der Richtung Westen fuhr. „Und an diesen beiden Tagen war ich natürlich von der Verpflegungsliste gestrichen worden und bekam nichts zu essen.“

Doch der Zug kam wegen der Kriegswirren gar nicht bis nach Halver. Vielmehr landete sie bei Hannover, erlebte auf dem Weg dorthin noch eine Bombardierung, und fand Unterstützung bei einem Großonkel. Jedoch gab es keine Möglichkeit, die Familienangehörigen in Halver zu benachrichtigen. „Keiner wusste, wo ich war!“, erinnert sich die Halveranerin.

Ursula Frevel hatte zwar die Entlassungspapiere vom Kriegshilfsdienst erhalten, und, wie schon gesagt, nur noch die Herpine-Jahreskarte und – glücklicherweise – ein Passbild. Sie nahm also das Foto, klebte es auf die Rückseite der Jahreskarte und ließ sich dies im Rathaus von Groß-Lobke zu einem amtlichen Ausweis machen.

Mit Hilfe dieses zweifellos einmaligen „Herpine-Ausweises“ konnte Ursula Frevel dann endlich den Heimweg nach Halver antreten – keine Frage, dass die Halveranerin sich diesen Ausweis mit Jahreskarte aufgehoben und in ein Erinnerungsalbum geklebt hat. ▪ Det Ruthmann

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