Halver: Spannungsfeld Wohnungsbau

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Halver - Die anhaltende Phase niedriger Zinsen bremst die Schaffung preiswerten Wohnraums. So lange Geld billig ist, gibt es kaum Anreize, eine öffentliche Förderung in Anspruch zu nehmen, dafür aber auf Jahre an Mietobergrenzen gebunden zu sein.

Wie viel sozialen Wohnungsbau brauchen Halver und das Land NRW? Welche Rolle spielt der Zuzug von Flüchtlingen für den Wohnungsmarkt? Und greift die öffentliche Förderung von preiswertem Wohnraum überhaupt?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich die SPD Halver am Montag bei ihrer Jahreshauptversammlung. Welche Bedeutung erschwinglicher Wohnraum hat, machte Andrea Craen, Geschäftsführerin der Wohnungsgesellschaft Halver-Schalksmühle deutlich. Allein in Halver bietet die WHS 1286 Wohnungen an. 374 davon unterliegen zurzeit noch einer Mietpreisbindung durch öffentliche Fördermittel aus der Vergangenheit. Für mehr als 100 Wohneinheiten laufe diese Bindung im kommenden Jahr aus. Damit gelten die Wohnungen offiziell als frei finanziert – was sich aber auf die Mieten nicht niederschlage, erläuterte Craen den Sozialdemokraten.

Leerstände rückläufig

Bedingt durch einen allgemeinen Zuzug nach Halver und auch die Belegung durch zugewiesene Flüchtlinge sei aber für die WHS die Leerstandsquote von ehemals vier bis fünf Prozent des Bestandes gesunken.

Er sehe in Halver „keine angespannte Situation“, sagte dazu Bürgermeister Michael Brosch als weiterer Gesprächspartner in der Runde. Einig war er sich allerdings mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Gordan Dudas, dass erschwinglicher Wohnraum für breite Gruppen der Bevölkerung vorgehalten werden müsse. Es dürfe nicht zu der Situation kommen, dass in dieser Frage Einheimische und Zugezogene gegeneinander ausgespielt würden, sagte Dudas. Die laufenden Förderprogramme des Landes NRW hätten das Ziel, Versäumnisse aus der Vergangenheit zu beseitigen und Wohnraum für wirtschaftlich Schwächere zu schaffen. Dabei gebe es durchaus Druck, insbesondere in den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr. Schätzungen gingen von rund 400 000 Wohnungen aus, die bis 2020 zu errichten seien.

Stadt mit begrenzter Handhabe

Die Steuerungsmöglichkeiten aus städtischer Sicht seien allerdings begrenzt, machte wiederum Brosch deutlich. Halver setze bei der Unterbringung von Flüchtlingen weiter auf die funktionierende Kooperation mit der WHS, verfüge letztlich als Werkzeug aber nur über die Satzungshoheit. Das bedeute, dass die Stadt nicht als Bauherr auftrete, aber über das Planungsrecht und die Ausweisung von Baugebieten mittelbar für Entlastung auf dem Wohnungsmarkt der Stadt sorge. Durch den Umzug von Senioren, von häufig überdimensionierten Wohnungen in innenstadtnahe, entstehe ein zusätzliches Angebot an Wohnraum auf dem freien Markt.

Appell an Bürgerschaft

Mit Blick auf die Flüchtlingssituation erneuerte der Bürgermeister seinen Appell an die Öffentlichkeit, die Stadt bei der Unterbringung durch das Angebot von geeignetem Wohnraum zu unterstützen. Das sei in der Vergangenheit geschehen, doch angesichts der Entwicklung unter anderem an der Susannenhöhe blieben weitere Anstrengungen erforderlich. Allein durch die Schließung der Notunterkunft stehe die Stadt in der Pflicht, binnen fünf Monaten 150 Plätze in Halver zu schaffen.

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