Mit 50 Jahren: die "Halver" fliegt wieder

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50 Jahre alt ist das Flugzeug. Der Halveraner Jürgen Kraja bringt es wieder in die Luft.

Halver - „Halver“ fliegt wieder. 18 Jahre hat das Segelflugzeug in Teilen im Dornröschenschlaf gelegen. Am Samstag geht es nach einjähriger Restaurierung über Radevormwald an den Himmel.

Auf den Namen „Halver“ hatte vor 50 Jahren der damalige Bürgermeister Klaus Tweer den Flieger getauft. Danach war es das Standardgerät, mit dem 30 Jahre lang Luftsportler aus Halver auf dem Flugplatz am Heede das Fliegen lernten. 

Am Samstag geht Jürgen Kraja damit wieder in die Luft. Auf dem Flugplatz Radevormwald-Leye hat sich für 10 Uhr beim Luftsportclub Wuppertal viel Prominenz angesagt, wenn der 71-Jährige ins Cockpit klettert. Die Wuppertaler haben das Flugzeug aus dem Bestand des Luftsportvereins Halver übernommen. „Und irgendwann landete die ,Ka-6er’ als Oldtimer auf dem Abstellgleis“. 

Als Pensionär hatte Kraja, früher Lehrer für Sport, Werken und Kunst an der Realschule Halver, die Zeit, um den Einsitzer wieder instand zu setzen, auf dem er als damals junger Mann den Einstieg in den Luftsport gefunden hatte. Dass die Ka-6er, so die Typenbezeichnung, nur in der Ecke herumstand, „das konnte ich nicht mitansehen“, sagt er. Es ging um „technische Mängel durchs Rumstehen und durch Umwelteinflüsse“, sagt er. Und so ging es an die Restaurierung durch den Fachmann. 

Sieben Segelflieger hat er im Laufe seines Lebens selbst gebaut, erzählt er ganz nebenbei. Nach Bauplänen, aus Holz und bis hin zur Lackierung. Und wie ein Flugzeug konstruiert ist, das wissen jetzt auch die Jugendlichen des LSC Wuppertal, die dabei zuschauen und anpacken durften. Der Adler auf dem Bug des Seglers mit genau 15 Metern Spannweite war ihr Wunsch. 

Kraja beim zweiten Jungfernflug selbst am Steuer

An das Steuer des Seglers setzt er sich beim zweiten Jungfernflug natürlich selbst. Das sei wie bei der Restaurierung eines Autos, sagt er. Und das ist auch der Vergleich, den Kraja zieht, wenn er auf die Unterschiede der Flieger von heute und vor einem halben Jahrhundert zu sprechen kommt: „Wie ein schöner, alter Mercedes gegen einen Porsche von heute.“ Dabei seien die Oldtimer, traditionell aus Holz gefertigt, gegenüber den Glasfaser-Kunststoff-Gleitern von heute sogar einfacher zu fliegen. Und was Staunen macht: Die Sperrholz-Flugzeuge von damals waren meist leichter als die aktuellen Modelle, die sogar zusätzlich mit Wasser beschwert werden, um besser Strecke zu machen. Nur wenn die Thermik schlecht ist, werden die Tanks abgepumpt. 

Wenn Segelflug-Veteranen aus Halver am Samstag nach Rade fahren, werden sie also ihren alten Flieger sehen und nicht nur an der Silhouette wiedererkennen. Denn ihr Kennzeichen hat die Ka-6er behalten: D-5245. Da ist ihr Name, bis sie in ferner Zukunft vielleicht doch noch das Fliegen verlernt.

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