Jagdjahr von Corona geprägt

Mehr Unfälle mit Rehen im MK - Jäger ziehen Bilanz    

Jagd
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Die Arbeit im Revier wurde durch Corona nicht weniger.

Den vertrauten Wald räumen die Harvester Hektar für Hektar ab. Und in den Halveraner Jagdrevieren sind Menschen unterwegs, die vor Corona eigentlich nie in den Wäldern zu sehen waren. Für Bernd Volkenrath, der nach 30 Jahren an der Spitze des Hegerings Halver den Vorsitz vor Kurzem niederlegte, war das Jagdjahr 2020/2021 ein denkwürdiges.

Halver - „Es war durch Corona geprägt“, sagt Volkenrath, „auch wenn wir Jäger nicht so viele Einschränkungen hatten“. Denn was in den Revieren passiert, „kann man nicht einfach wegschubsen“. Ob es Maßnahmen der Hege sind, der Reparaturen an den Hochsitzen oder die freiwillige Verpflichtung der Jägerschaft, sich um „Fallwild“ zu kümmern. Das ist der jagdliche Begriff für verunfalltes oder verendetes Wild, das von den zuständigen Jägern des jeweiligen Reviers entsorgt werden muss. Und die Größenordnung ist nennenswert: 394 Stück Rehwild (Vorjahr 346) betrug die gesamte Strecke des Jagdjahres, das immer vom 1. April eines Jahres bis zum 31. März des Folgejahres reicht. Fallwild waren 76 Tiere, neun mehr als im Jahr zuvor. Aber 49 Stück Rehwild fielen dem Auto zum Opfer. 45 waren es im Jagdjahr zuvor. „Die Rehwildstrecke ist erheblich gestiegen“, sagt Volkenrath. 14 Prozent mehr Rehwild kam im Vorjahresvergleich zur Strecke. Im Jahr zuvor lag das Plus bei 18 Prozent.

Wild stark verstört

Gleichzeitig ändert sich der Lebensraum Wald. Die ständige Beunruhigung durch die Holzerntemaschinen, die die vom Borkenkäfer befallenen Fichten abräumen, verstört das Wild. Rückzugsräume werden knapp. Mehr als 1000 Hektar – jeweils 10 000 Quadratmeter, etwa ein Fußballfeld. Und ein Ende dieses Prozesses sei nicht in Sicht, weiß Volkenrath, der selbst im Bereich Schwenke jagt.

Weniger Wildschweine erlegt

Eine bemerkenswerte Entwicklung nennt er im Gespräch mit Blick auf die Entwicklung beim Schwarzwild. Die Abschusszahlen bei Wildschweinen, die aufgrund der Bedrohung durch die Afrikanische Schweinepest in den vergangenen Jahren besonders im Visier der Jäger standen, sind auf weniger als die Hälfte zurückgegangen von 242 auf 94 Stücke. Es gebe mehrere Faktoren, die dabei eine Rolle spielen könnten, vermutet der ausgeschiedene Hegeringsleiter. So könnte die Entnahme aus dem Bestand in den Vorjahren zum Rückgang geführt haben und auch die Tatsache, dass schwerpunktmäßig weibliche Tiere (64 Prozent) geschossen worden sein. Allerdings gelte auch hier der jagdliche Grundsatz des Muttertierschutzes, das heißt, dass führende Bachen mit Frischlingen und Leitbachen nicht geschossen werden. Weiterer Punkt könnte sein, dass die Jagdbedingungen den nachtaktiven Tieren, aber nicht den Jägern entgegengekommen seien. Die idealen Bedingungen zum An sitz – Mondlicht und Schnee – seien im Jagdjahr kaum zu verzeichnen gewesen. Und auch die revierübergreifenden Gemeinschaftsjagden waren aufgrund von Corona und den entsprechenden Bestimmungen nicht in gewohnter Form möglich.

Zur Strecke kamen außerdem 19 Dachse, die aber mit einem hohen Anteil an Verkehrsverlusten, wie die Statistik ausweist. 13 Feldhasen, 36 Stockenten, 36 Ringeltauben und 132 Rabenkrähen und Elstern kamen den Jägern in der Saison vor die Läufe.

Waschbär fühlt sich wohl

Außerdem spielen zwei exotische Arten eine zunehmende Rollen und dürften inzwischen auch nicht mehr als exotisch gelten. 32 Waschbären wurden geschossen, die sich im Sauerland offenbar bestens etabliert haben und stellenweise auch schon in Hausdächer eingezogen seien. Die Bestände seien „in stabilem Zustand mit steigender Tendenz“, sagt Volkenrath , denn einen natürlichen Feind hätten die Tiere hier nicht.

Und bejagt werden auch Wildgänse, von denen 55 zum Abschuss kamen. Die große Zahl erklärt der Jäger mit der Tatsache, dass sie in Deutschland, bevorzugt am Niederrhein überwintern und dort auch der Landwirtschaft Probleme machen, weil sie die Felder verkoten. Graugans, Kanadagans und Nilgans gehörten auch im Bereich des Hegerings Halver inzwischen zum Alltag.

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