Drückjagd am Samstag

Jagden finden trotz Corona statt - Infos für Waldbesucher

Drückjagd, Halver, Schrot, Jagd
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Eine Drückjagd findet in Halver statt.

Veranstaltungen und Versammlungen sind bis in den Dezember hinein verboten. Doch keine Regel ohne Ausnahmen. Eine davon: Gesellschaftsjagden bleiben – unter Auflagen – weiterhin zugelassen.

Halver – Denn die Seuchenvorbeugung gegen die Afrikanische Schweinepest und der Schutz der wieder aufzuforstenden Flächen sind in Zeiten von Corona weiterhin notwendig. Daher dürfen die Jäger auch in Halver gemeinsam auf die Jagd gehen.

„Nur Drückjagden auf Schalenwild sind derzeit erlaubt“, erklärt Thomas Bette, Presseobmann des Hegerings Halver. Das Jagdrecht unterscheidet zwischen Treib- und Drückjagd. Bei der Treibjagd wird überwiegend im offenen Feld mit der Schrotflinte auf Niederwild gejagt, also etwa Hasen oder Fasane. Bei der Drückjagd dagegen wird mit dem Kugelgewehr auf Schalenwild gejagt, also etwa Rehwild und Wildschweine. Sie findet zumeist im Wald statt – und häufig revier-übergreifend.

Auch Jäger müssen Abstand halten

Dabei gilt in Zeiten von Corona auch unter den Jägern der Mindestabstand von 1,5 Metern, außer beim gemeinsamen Transport auf dem offenen Anhänger. „In der Regel wird dieser Abstand während der Jagd ohnehin eingehalten“, sagt Thomas Bette. Denn die Jäger positionieren sich mit reichlich Abstand zueinander rund um ein Waldstück. Die Treiber, die das Wild gemeinsam mit ihren Hunden aus ihren Verstecken treiben sollen, sind während der Drückjagd auf Rufweite voneinander entfernt.

Nur zu Beginn und zum Ende der Jagd müssen sich die Jäger versammeln. „Das ist schon allein deshalb wichtig, weil der Jagdleiter anfangs genau angibt, welche Tierarten bejagt werden und die Jäger in Gruppen aufteilt“, sagt Thomas Bette. Zudem werden bei dieser Gelegenheit die Jagdausweise und der „Nachweis der Schießfertigkeit“ der Jagdteilnehmer überprüft. In Zeiten von Corona müssen die Jäger bei dieser Gelegenheit auch im Freien Masken tragen, wenn dabei mehr als 25 Personen aufeinander treffen.

Die sogenannte Nachverfolgbarkeit, bei der Kontakte untereinander dokumentiert werden müssen, ist bei der Jagd von vornherein gegeben, informiert Thomas Bette. „Der zuständige Jagdleiter lädt die entsprechenden Teilnehmer ja zuvor schriftlich ein. Da steht bereits fest, wer teilnimmt. Alle Daten liegen so vor.“

Wildschweine und Rehwild werden derzeit bejagt

Derzeit bejagt werden vor allem Wildschweine und Rehwild. Die Rehe haben großen Einfluss auf den neuen Wald, der wieder aufgeforstet werden muss. Borkenkäfer und das zu warme, zu trockene Wetter der vergangenen Jahre haben insbesondere den Fichten in den heimischen Wäldern zugesetzt. Um für die Zukunft auf einen gesunden Mischwald setzen zu können, wird unter anderem mit verschiedenen Laubbäumen wieder aufgeforstet. Doch die jungen Baumtriebe sind wahre Leckerbissen für Rot- und Rehwild. Dieser sogenannte Wildverbiss ist ein großes Problem auf dem Weg zu einem Mischwald, der Schädlingen und Klimawandel trotzen kann. Daher wird während der Drückjagden auch Rehwild bejagt. „Wenn wir in 20, 30 Jahren einen widerstandsfähigen, gemischten Wald haben wollen, geht das nicht ohne den Einsatz der Jäger“, ist sich Bette sicher.

Wenn wir in 20, 30 Jahren einen widerstandsfähigen, gemischten Wald haben wollen, geht das nicht ohne den Einsatz der Jäger.

Thomas Bette, Presseobmann des Hegerings Halver

Bei den Wildschweinen sieht die Lage noch anders aus: Kürzlich wurde die Beschränkung der Jagdzeit auf die Tiere aufgehoben. Muttertiere und ihre Frischlinge werden dennoch geschont. Der Grund für die verstärkte Jagd ist die Afrikanische Schweinepest, die auch in Deutschland ein immer größeres Problem darstellt. In Brandenburg etwa werden immer wieder infizierte Wildschweine registriert. Noch ist die Seuche im Märkischen Kreis nicht angekommen. Aber Vorsicht ist trotzdem geboten. So gibt es auch für die Jäger in Halver bestimmte Regelungen für den Umgang mit den Wildschweinen. Die Mitglieder des Hegerings achten schon bei der Jagd auf Auffälligkeiten: Ist das Tier weniger fluchtbereit? Bewegt es sich weniger? Solche Verhaltensweisen könnten ein Zeichen für die Schweinepest sein. Auch wenn das erlegte Wild aufgebrochen wird, nehmen die Jäger das Tier bereits genau in Augenschein, bevor der zuständige Amtsveterinär das tote Tier untersucht.

Appell an Waldbesucher - Jagd am Samstag

Thomas Bette appelliert in diesem Zusammenhang auch an Spaziergänger, die eventuell auf tote Wildschweine treffen. „Das Tier muss auf jeden Fall vor Ort gelassen und darf nicht angefasst werden. Zudem müssen Hunde vom Kadaver fern gehalten werden, um die extrem widerstandsfähigen ASP-Viren nicht zu verbreiten.“ Spaziergänger sollten in einem solchen Fall unbedingt den zuständigen Jagdpächter benachrichtigen, der sich dann mit den zuständigen Behörden um das tote Tier kümmert.

Die diesjährige revierübergreifende Drückjagd des Hegerings findet an diesem Samstag, 28. November, statt. Thomas Bette appelliert im Namen des Hegerings an alle Waldbesucher, zumindest an diesem Tag ihre Hunde an der Leine zu halten, auf den Wegen zu bleiben und – wer alles richtig machen will – beim Waldspaziergang helle oder bunte Kleidung zu tragen. Denn selbst die Hunde der Jäger werden mit gelben Schutzwesten bekleidet, um schmerzhaften Missverständnissen vorzubeugen.

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