Jagd auf schlaue Vögel im MK

Schüsse im Wald verängstigen Anwohner: Jäger "feiern" Krähensilvester

Auch junge Hasen und Rehkitze bleiben von den Krähen nicht verschont.
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Auch junge Hasen und Rehkitze bleiben von den Krähen nicht verschont.

Halver - Was war da los? An einem Samstag fielen Schüsse im Wald. Einer nach dem anderen. Der Halveraner Hegeringleiter Thomas Bette klärt auf und erklärt das sogenannte Krähensilvester.

„Was sich hier abgespielt hat, glich einem Krieg. Wirklich unheimlich. Das hörte sich nach einem grausamen Gemetzel an.“ Die Kommentare in den sozialen Medien ließen Schlimmes erahnen. Schüsse, die aus Halveraner Wäldern zu hören waren, erregten die Gemüter und lösten die wildesten Spekulationen aus.

„Am 1. August hat das Krähensilvester begonnen“, klärt der Presseobmann des Halveraner Hegerings, Thomas Bette, auf. Krähensilvester nennen die Jäger den Beginn der Jagdsaison auf die Rabenvögel. Dass gleich zu Anfang der Freigabe etwas häufiger Schüsse aus dem Wald schallen, hat auch seinen Grund: „Die Tiere sind zu Beginn der Jagdzeit noch am wenigsten vorsichtig“, hebt der Jäger die Intelligenz der Krähen hervor. „Wenn sie mitbekommen, dass ein Kumpel von ihnen beim Anflug auf einen Siloballen das Leben gelassen hat, dann umkreisen die den Siloballen nur noch in einer Höhe, in der kein Jäger sie erreichen kann“. Extrem lernfähig und extrem schlau seien die schwarzen Vögel. Und genau das mache sie auch so problematisch. „Es gibt sehr viele von ihnen. Deshalb können sie auch keine Chance auslassen, um satt zu werden.“

Krähen sind intelligent: Thomas Bette erklärt, warum die Jagdsaison auf die Vögel eröffnet ist.

Der Speiseplan reicht von der Eidechse bis zum Regenwurm. Als sogenannte Kulturfolger haben sich die Allesfresser auch perfekt an uns Menschen angepasst. Unzählige von ihnen belagern die Müllkippen, und in den Städten warten sie auf weggeworfenes Brot oder Pommes. Bedenklich wird ihr Hunger in anderen Bereichen: „Wenn sie keine Fritten mehr finden, was vielleicht auch durch die Corona-Zeit begünstigt wurde, bleibt der Hunger“, erklärt Bette. Dann picken sie gerne die Siloballen auf, wodurch das Gras verdirbt und ein beträchtlicher Schaden entstehe.

Auch junge Hasen oder Rehkitze bleiben nicht von den Rabenvögeln verschont. „Krähen machen Suchflüge über den Feldern, bis sie einen Junghasen oder Kitze entdecken“, weiß der Jäger. „Die Tiere können noch nicht flüchten, sondern verstecken sich nur. Ich habe selbst schon lebende Kitze gesehen, denen die Augen ausgehackt wurden. Die Krähen fangen halt da an, wo es weich ist“. Das hört sich grausam an, doch der Halveraner verweist auf die Gesetze der Natur. Bevor die Krähen verhungern, müssen sie essen, was sich ihnen anbietet. „Die haben halt keinen Aldi oder Penny“.

Waldbesitzer müssen für Schäden aufkommen

Je mehr Krähen es gibt, umso mehr Probleme ergeben sich. Genau deshalb hallen derzeit auch die Schüsse aus Wald und Feldern. Das wiederum stößt besonders bei Halveranern, die in Wald- und Feldnähe wohnen oder sich gerne in der Natur erholen, nicht unbedingt auf Verständnis. Schließlich stören die lauten Schüsse. Auch, dass die Jagd nicht vorher angekündigt wird, wurde oft im Internet angeprangert. „Nur weil sie ein Waldbetretungsrecht haben, haben die Leute kein Mitbestimmungsrecht im Wald“, stellt Bette klar. „Die Waldbesitzer müssen es laut Gesetzgeber schon hinnehmen, dass ihr Eigentum kostenfrei von anderen betreten werden darf und müssen auch für die Schäden aufkommen, die durch zertrampelte Böschungen, ausgerissene Pilze oder weggeworfenen Müll entstehen.“

Einen Anspruch, auf Nutzungen des Waldes hingewiesen zu werden, bestehe nicht: „Wer in Waldnähe leben möchte, muss auch damit leben, dass die Rehe ihm die Rosen abfressen, gelegentlich die Motorsägen kreischen oder die Flächen jagdlich bewirtschaftet werden.“ Angst, von umherfliegenden Geschossen verletzt zu werden, muss niemand haben. Bei der Krähenjagd wird mit Schrot in den Himmel geschossen. Wenn die Körner zurück zur Erde fallen, richten sie keinen Schaden an.

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