Israelin Netanel Yarden erlebt Halver statt Haifa

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Netanel Yarden (Dritte von rechts) bei der Überraschungsparty im Hause Knitter mit Gasteltern und Austausch-Freunden. Nach dem Fest ging es nach Seeboden in Kärnten. Ihren ersten Schnee sah die junge Frau als 16-Jährige in der Skihalle in Neuss.

Halver - Sie strahlt, wenn sie von ihrem ersten Weihnachtsbaum spricht. Schön gewachsen und liebevoll geschmückt, verbreitet der Baum im Hause Knitter weihnachtliches Flair. „Wir haben uns bewusst zurückgehalten“, erzählen Arnd und Ulla Knitter, die über Weihnachten Besuch aus Israel hatten.

„Es war Netanels größter Wunsch, einmal einen Weihnachtsbaum zu schmücken.“ Mit Netanel ist die 22-jährige Israelin Netanel Yarden aus Pardes Hanna-Karkur, zwischen Tel Aviv und Haifa gelegen, gemeint. Als sie vor sechs Jahren als Mitglied der Tanzgruppe Hora Aviv Pardes Hanna-Karkur, mit der Halver seit 25 Jahren freundschaftliche Beziehungen unterhält, ins Sauerland kam, waren die Knitters ihre ersten Gasteltern.

Seither besteht zwischen der jungen Israelin – Tochter von Tanzgruppen-Managerin Gazit Yarden Sela – und den Halveranern eine enge, innige Freundschaft. Über Facebook und andere Medien besteht ein intensiver Kontakt. „Meine Familie in Deutschland“, nennt Netanel ihre Gasteltern. Kendra (25) und Tessa (22), die beiden ältesten Töchter der Halveraner Familie, genossen im Gegenzug im Rahmen des Jugendaustausches bereits mehrfach die Gastfreundschaft israelischer Familien.

Mayte (7), die Jüngste, kennt Netanel von Babytagen an. Zur Überraschungsparty, die die Knitters am Dienstag vor dem Fest spontan für die 22-Jährige organisierten, fanden sich Austauschfreunde – unter ihnen Jugendaustausch-Organisatorin Andrea Reich – und ihre zweite Gastfamilie, Angela und Günter Künzl aus Kreuzberg, ein. Groß war bei allen die Wiedersehensfreude.

Über Austausch kennen gelernt

Im Vorjahr, als Netanel als Begleiterin der Tanzgruppe erneut Halver besuchte, war sie bei den Künzls zu Gast. Auch sie schwärmen in höchsten Tönen von der offenen, herzlichen Art der 22-Jährigen. „Sie ist schon etwas Besonderes“, so Angela Künzl. Die Idee, Netanel über Weihnachten einzuladen, wurde vor sechs Jahren im Hause Knitter „geboren“.

„Wir waren in der Skihalle in Bottrop“, erzählen die Halveraner, die der jungen Tänzerin bei dieser Gelegenheit das Ruhrgebiet und seine Sehenswürdigkeiten zeigten. Vom Schnee, den sie aus Israel nicht kennt, war die damals 16-Jährige vollkommen fasziniert. An ihren begeisterten Ausruf: „Schnee!“, erinnert sich Arnd Knitter, der erster Vorsitzender des Halveraner Skiclubs ist, noch heute. Das Bild der mit leuchtenden Augen Schnee ertastenden und erfühlenden Netanel ist ihm noch immer deutlich vor Augen. „Damals entstand die Idee, Netanel zum Skifahren einzuladen.“

Über die Jahre lebte die Idee weiter, bis es in diesem Jahr endlich „passte“. Zusammen mit 45 Skibegeisterten aus dem Club starteten die Knitters und ihr israelischer Gast am zweiten Weihnachtsfeiertag mit einem großen Bus Richtung Seeboden in Kärnten. „Wir haben einen Skilehrer dabei, so dass sie auch Praxis mitbekommt.“ Skibekleidung, die sie dafür braucht, ist im Hause Knitter reichlich vorhanden. „Wir mussten nur das Passende heraussuchen.“

Da Seeboden in Gletschernähe liegt, machten sich die Halveraner trotz der derzeit milden Temperaturen um Schnee keine Sorgen. Bevor die Familie Richtung Österreich startete, erlebte Netanel überdies erstmals eine deutsche Weihnachtsfeier mit allem Drum und Dran mit. Das Aussuchen und Schmücken des Tannenbaums mit der kleinen Mayte war dabei ein erster Höhepunkt.

„I’m very happy“, sagte die angehende Studentin, die im kommenden Jahr ein Studium der Sozialarbeit in Be’er Scheva aufnehmen möchte. „I was very exited!“ Für alles, was Weihnachten an Bräuchen und Traditionen mit sich bringt, sei sie offen. Ihre erste Bratwurst hat sie bereits probiert und für gut befunden. Beim großen Familienfest kostete sie erstmalig ein Wildgericht. „Wir haben vorher nachgefragt“, so die Knitters. Ein „echter“ Weihnachtsmann, eigens bestellt, war eine weitere große Überraschung. Den Heiligabend erlebte Netanel im engsten Familienkreis – mit Kirchgang und Bescherung.

Gegenbesuch für Mai geplant

Dass sich der Austausch zwischen Halveranern und Israelis durch gewachsene Freundschaftsbande verselbstständigt, freut Jugendaustausch-Organisatorin Andrea Reich sehr. „Ein anderes Mädchen, das zu Besuch bei seinem Onkel in Düsseldorf war, hat bei dieser Gelegenheit auch seine Gasteltern in Halver besucht.“

Schön findet sie, dass es auch ohne sie läuft. Am 7. Januar kehrt Netanel, der vor dem Hintergrund der Geschichte das Miteinander wichtig ist, mit einem Sack voll neuer, aufregender Erfahrungen nach Israel zurück. Lange auf ein Wiedersehen mit ihrer Gastfamilie muss sie nicht.

„You visit me“, verriet sie – sich vorsichtshalber bei Arnd Knitter rückversichernd – ihrer Gastmutter. Ende Mai fliegt das Paar erstmals nach Israel – diesmal für Ulla Knitter eine riesige Weihnachtsüberraschung.

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