Irrfahrt durch die Welt der Behörden

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Hermann Schmidt ärgert sich über die wilde Müllkippe in seinem Wald.

HALVER - Wenn Umweltsünder ihren Müll in den Wald kippen, dann ist das nicht nur eine verbotene Verschmutzung, sondern auch ein großes Ärgernis. Vor allem für den Besitzer des Grundstücks, denn er hat das Pech, sich darum kümmern zu müssen, dass der Müll auch wieder entsorgt wird.

Dass dabei längst nicht immer geklärt ist, welche Behörde eigentlich zuständig ist, das bekam jetzt der Halveraner Hermann Schmidt zu spüren. Er erlebte eine wahre Odyssee, als es darum ging, den Müll aus seinem Wald in Hagebüchen abholen zu lassen. Dort hatten Unbekannte den Waldweg genutzt, um mit ihrem Fahrzeug zurückzusetzen und ihren Müll abzuladen. „Ich wurde von einem Amt zum nächsten verwiesen, mit dem Hinweis, man sei nicht zuständig“, ärgert sich Schmidt über die vielen Telefonate, die er seit mittlerweile mehr als vier Wochen geführt hat. Mit dem Ergebnis, dass die wilde Müllkippe, genauer gesagt Dachdecker-Abfall, nach wie vor an seinem Waldweg liegt. „Es muss doch jemand dafür Sorge tragen, dass das abgeholt wird.“

Nach einem ersten Gespräch mit der Stadt Halver wurde der Landwirt zunächst an den Märkischen Kreis, genauer gesagt, die Untere Abfallbehörde, verwiesen. Doch weil „keine Gefahr im Verzuge war“, verwies man Schmidt weiter an die Forstbehörde. Wie Hendrik Klein, Pressesprecher beim Kreis, auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, berufe man sich dabei auf das Landesforstgesetz NRW (siehe Info-Kasten).

INFO:

Forstgesetz

Im Landesforstgesetz heißt es im Paragraph 6a (3) zur Abfallverwertung und Abfallbeseitigung: „Abfälle im Wald werden auf Kosten des Landes durch die Forstbehörde oder deren Veranlassung eingesammelt und den einsammlungspflichtigen Entsorgungsträgern übergeben (...).“

Darin sei alles eindeutig geregelt, nicht zuletzt als Absicherung für die Waldbesitzer, die ihre Flächen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen müssen. „Sie dürfen ihren Wald ja nicht einfach einzäunen“, verweist Klein auf das Waldbetretungsrecht. Doch auch bei der Forstbehörde in Lüdenscheid konnte man Schmidt nicht weiterhelfen: Wie Peter Müller im Gespräch erklärte, müsste die Forstbehörde in Absprache mit dem zuständigen Forstbeamten zwar dafür Sorge tragen, dass der wild abgeladene Müll aus dem Wald geholt und an die Straße gebracht werde. Entsorgt werden müsste er jedoch vom Entsorgungsträger – also der Stadt. Warum dies im Fall Schmidt nicht passiert sei, konnte sich Müller nicht erklären. Dieter Neubauer, zuständiger Mitarbeiter der Stadt Halver, machte auf Anfrage deutlich, dass der Müll seiner Meinung nach noch zu weit im Wald, also zu weit weg von der Straße liege. Auch eine geringe Entfernung sowie die Tatsache, dass der wilde Müllberg am Wegesrand liege, lasse keine Ausnahme zu. „Sobald der zuständige Forstbeamte signalisiert, dass der Müll an der Straße liegt, kommt ein Auto von uns vorbei.“ - Kerstin Zacharias

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