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Wie wohnt es sich in Halver?

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Von: Florian Hesse

Wohnprojekt auf der früheren Industriebrache HalverRollen von Steinbach & Dahlhaus.
Wohnprojekt auf der früheren Industriebrache HalverRollen von Steinbach & Dahlhaus. © Steinbach & Dahlhaus

Wenig Auswahl, wenn es um preiswerte Mietwohnungen geht. Geringe Chancen, Platz fürs eigene Bauvorhaben zu finden. Wenig Bestandsimmobilien, die zum Verkauf stehen. Das sind häufig geäußerte Kritikpunkte, wenn es ums Wohnen in Halver geht. Einblick in den Markt dürfte man in Halver und Umgebung bei Steinbach & Dahlhaus haben. Seit 20 Jahren kauft, verkauft, vermittelt und verwaltet das Immobilienunternehmen von der Hagener Straße aus Häuser, Wohnungen und Gewerbeimmobilien.

Halver - Wo steht Halver zurzeit, wo bewegt sich die Stadt hin, wollte Florian Hesse von Marcus Steinbach wissen. Steinbach ist geschäftsführender Gesellschafter mit Schwerpunkt Immobilienvermittlung, Projektentwicklung und Neubau.

Herr Steinbach, wonach werden Sie von Kunden schwerpunktmäßig gefragt? Mietwohnungen oder Eigentum?

Wir bedienen sowohl die Nachfrage nach Mietwohnungen als auch nach Wohneigentum. Mit aktuell neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kümmern wir uns um die Vermietung und laufende Bewirtschaftung von etwa 1200 Einheiten – davon der sehr überwiegende Teil Mietwohnungen, und wir vermitteln im Auftrag von Verkäufern eine Vielzahl von Eigentumswohnungen, Einfamilienwohnhäuser oder Mehrfamilienhäuser. Insoweit möchte ich die Frage zum Schwerpunkt eher so beantworten: Sowohl als auch!

Muss man sich diesen Markt eher konstant vorstellen, oder registrieren sie Schwankungen?

Der Markt für Kaufimmobilien spielt im Moment wirklich etwas verrückt. Wir verkaufen im Moment jede Immobilie in kürzester Zeit – die Nachfrage nach Eigentum ist im Moment sehr, sehr groß.

Kann man die Lage bei Mietwohnungen Ihrer Einschätzung nach als angespannt bezeichnen?

Halver erfreut sich nach unserer Erfahrung seit geraumer Zeit einer guten bis sehr guten Nachfrage nach Wohnraum – sowohl zur Miete als auch als Eigentum. Wenn wir in unseren Beständen in Halver etwas frei haben – oder absehbar etwas frei wird – dauert es nicht lange, bis die Wiedervermietung gelingt. Ich würde den Markt insbesondere in Halver, aber auch in sonstigen Städten des Märkischen Kreises, in denen wir als Vermieter oder Verwalter aktiv sind wie Kierspe, Meinerzhagen und Lüdenscheid, als weitgehend gesund und ausgewogen bezeichnen. Ich sehe da weder einen Angebots- noch einen Nachfrageüberhang – von einigen Mikrolagen einmal abgesehen. Allerdings findet natürlich eine gewisse Verdrängung von älteren Wohnraumbeständen durch neu geschaffenen Wohnraum statt.

Mietpreise werden vielfach als hoch empfunden, entspricht das Ihrer Wahrnehmung?

Interessant ist tatsächlich die Entwicklung der Mieten: Dass in Halver einmal rund 8 bis 10 Euro je Quadratmeter Wohnfläche gefordert und bezahlt werden würden, hätten wir vor zehn oder 15 Jahren nicht gedacht. Bei unserem letzten größeren Neubauprojekt an der Tauberstraße, das wir 2018/2019 bezugsfertig gestellt haben, konnten wir auch feststellen, dass neuer, hochwertiger Wohnraum auch für Zuzug nach Halver sorgt.

Ist dieses Angebot ein Grund, nach Halver zu ziehen?

Wir haben in Halver meines Erachtens drei stichhaltige Argumente, warum man hierher zieht: Das sind interessante Arbeitsplätze, außerdem eine – von einigen Problemen wie Digitalisierung, Raumplanung und Gebäudemanagement und Personaldecke mal abgesehen – hervorragende Schullandschaft mit engagierten Menschen an der Front und dann eben ein kind- und familiengerechtes Wohnumfeld. Wobei man zu den Themen Schule und Wohnumfeld sicherlich einen separaten, mehrseitigen Artikel verfassen könnte. Aber diese drei Punkte kommen immer wieder auf den Tisch, wenn wir die Menschen fragen, was sie nach Halver verschlägt.

Das heißt, einen massiven Druck auf dem Wohnungsmarkt sehen Sie nicht?

Angespannt ist der Markt meiner Meinung nach nicht. Er kann aber trotzdem noch neue Wohnungen vertragen, weil es nach unserer Auffassung weiterhin Bedarf an großzügigen und gerne auch schicken Wohnungen gibt. Sowohl hochpreisig im frei finanzierten Markt als auch günstig, eventuell auch im geförderten Wohnungsbau. Wobei ich beim Bauen im Augenblick einige schwer zu kalkulierende Risiken sehe, wenn ich die Preisentwicklungen an den Rohstoffmärkten beobachte. Ich hoffe, dass insbesondere alle privaten Bauherren, die oft nur einmal im Leben bauen, gut durch diese Zeit kommen.

Der Entwurf des neuen Regionalplans sieht für die Kommunen im ländlichen Raum nur wenig neue Siedlungsflächen vor. Wird das der realen Nachfragesituation gerecht?

Das kann und möchte ich nicht beurteilen. Wie man anhand der Nachfrage nach den drei aktuellen städtischen Baugebieten Oberbrügge und Bereich Linger Weg/Mesenohl sieht, scheint es in Halver eine große Nachfrage bis hin zur Überzeichnung zu geben. Es wollen also mehr Leute bauen, als es Bauplätze gibt. Das ist für die Stadt Halver aus mehreren Gründen natürlich positiv. Es ist ja auch so, dass Angebot Nachfrage schafft – insbesondere wenn die benachbarten Kommunen nicht mit entsprechendem Angebot und gesuchter Infrastruktur aufwarten können. Halver scheint da einiges richtig zu machen.

Bedeutet das einen Konkurrenzkampf unter den Kommunen um Neubürger?

Jede Gemeinde muss zusehen, wo sie bleibt und wie sie sich bestmöglich entwickeln kann – und da sind wiederum die Mitarbeiter der Verwaltungen sowie die örtliche Politik gefordert, das Beste aus welchen Plänen und Vorgaben auch immer zu machen und/oder alles dafür zu tun, dass der rechtliche Rahmen dem Bedarf angepasst wird.

 Würde Sie die Entwicklung eines eigenen Baugebiets nicht reizen?

Ich muss gestehen, dass die Zeiten, in denen wir uns aktiv um allgemein verfügbare, ,normale’ Bauplätze bemüht haben, um dort eigene Projekte oder Baumaßnahmen für Kunden zu realisieren, vorbei sind. Das war früher anders und da war ich näher an dem Thema dran als heute. Wir würden uns sicherlich wieder speziellen Projekten wie dem damaligen Abbruch von Halver Rollen und der Umnutzung solcher Flächen zu Wohn- und Lebensraum widmen, aber auf der grünen Wiese bauen wir bis auf Weiteres nicht mehr.

Hat die Corona-Situation sich denn auf den Wohnungs- und Immobilienmarkt merkbar ausgewirkt, das heißt, gibt es einen Trend zum ländlichen Raum im Speckgürtel der großen Städte?

In der Branche scheint es eine derartige Wahrnehmung zu geben – insbesondere im Umfeld der Großstädte. Ich kann das aus unserem Kundenkreis nicht unbedingt herleiten. Halver war, ist und bleibt ländlich – daher haben wir es ohnehin immer schon mit Menschen zu tun gehabt, die aus den drei bereits genannten Gründen nach Halver kommen, dort bleiben oder wieder dorthin zurückkehren. Da spielte das Ländliche auch schon immer eine Rolle – mit oder ohne Corona.

Vielen Kommunen in der Region drohen zum Teil erhebliche Bevölkerungsverluste. Würde das den Wohnungs- und Immobilienmarkt nicht automatisch entspannen?

Rechnerisch bestimmt, sofern nicht auch in gleichem Umfang überalteter Wohnraumbestand abgerissen wird. Ich glaube aber auch nicht, dass es in unserer Region einen allgemeinen, erheblichen und nachhaltigen Exodus geben wird. Aber auch hier bei uns findet sicherlich ein gewisser Wettbewerb der Kommunen untereinander statt. Es gibt auch im Märkischen Kreis Städte, die es schwerer haben als andere, wahrscheinlich auch, weil in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden, die andere Städte oder Gemeinden nicht gemacht oder bereits wieder korrigiert haben. Das soll aber nicht heißen, dass sich irgendwer auf seinen Lorbeeren ausruhen sollte – jeder macht Fehler und Stillstand ist auch da Rückschritt.

Und andersherum die Frage: Macht ein ausreichendes Angebot an Wohnraum die kleinen Städte so attraktiv, dass ein solcher Trend gestoppt werden könnte?

Nein, das allein wird meiner Einschätzung nach nicht reichen – die Infrastruktur muss auch mitwachsen und attraktive Angebote machen. Da gehören eine bürgerfreundliche und effiziente Verwaltung, ein gutes Miteinander von Politik und Verwaltung, gute Bildungseinrichtungen, attraktive Arbeitsplätze, ein funktionierender ÖPNV, eine gute Nahversorgung, Ärzte, Fachärzte und Freizeitangebote auch dazu.

Welche Rolle spielt das Internet?

Das ist nicht zu vergessen: Superschnelles Internet ist Pflicht! Kunden entscheiden sich oft gegen einen Kauf oder Anmietung einer Immobilie, wenn die Bandbreite nicht stimmt. Das gilt noch mehr für die Ansiedlung von Betrieben, die wiederum Arbeitsplätze schaffen und neue Bürger nach Halver locken. Halver hat schon einiges davon erreicht oder begonnen – auch wenn es in den Schulen, beim ÖPNV und den Freizeitangeboten bestimmt noch Verbesserungspotenziale gibt. Aber es ist ja viel Gutes auf den Weg gebracht – manchmal auch aus privaten Initiativen angestoßen, wie zum Beispiel der Bürgerstiftung für Halver, in der wir auch aktiv sind, oder aus dem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement vieler Halveraner in verschiedenen Einrichtungen und Vereinen. Die Summe solcher Dinge bringt eine Trendumkehr – nicht nur die Schaffung von Wohnraum.

Was für ein Mietwohnungs- oder Eigentumsprojekt könnten Sie sich für unsere Region vorstellen, das Sie lieber heute als morgen angehen wollten?

Da habe ich schon eine Idee, die ich aber an dieser Stelle noch nicht verraten möchte.

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