Mit Zuversicht in das neue Jahr

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Bahngelände, Juli 2016. Das ehemalige Lieder-Gebäude im Abriss. An dieser Stelle hat am 30. November dieses Jahres Kaufland die Türen geöffnet.

Halver - Fachmarktzentrum, Villa Wippermann, Abschluss der Regionale. Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter Halver. Bürgermeister Michael Brosch sprach mit Anzeiger-Redakteur Florian Hesse über Stärken und Schwächen, Chancen und Bedrohungen für die Stadt.

Herr Brosch, was fällt Ihnen ein, wenn sie die Stärken der Stadt beschreiben wollten? 

Michael Brosch: (lacht) Eine ganze Menge. Anfangen würde ich am liebsten mit dem Ehrenamt. Halver kann stolz sein, auf eine gut aufgestellte Feuerwehr, auch im Jugendbereich. Das ist nicht selbstverständlich, und da steckt viel Arbeit drin… 

...nur die Feuerwehr?

Brosch: Ich fange ja gerade erst an. THW, DRK, Flüchtlingshilfe, auch im Sport- und Kulturbereich. Das hört sich in der Aufzählung abstrakt an. Aber wenn man überlegt, wie viele Stunden da zusammenkommen, das kann man gar nicht beziffern. Und das reicht hinein bis in die Aufgaben kommunaler Daseinsfürsorge, wenn man zum Beispiel auf die Betreuung von Flüchtlingen guckt. Die Stadt allein kann so was nicht. 

Worauf sollten die Halveraner noch stolz sein? 

Brosch: Die Stadt bietet mir ihrer Schulstruktur nach wie vor alle Möglichkeiten. Mit der Humboldtschule und dem AFG ist alles abgedeckt, und der Ruf der Schulen ist nicht nur in Halver gut. Das hat auch zu tun mit einem anderen Merkmal. Wir haben Firmen, kleine und große, zum Teil mit Weltruf, die darauf angewiesen sind, hier Personal zu finden. In diesem Zusammenhang sind Schulen harter Standortfaktor. Kein junger Halveraner ist gezwungen, woanders hinzugehen. 

Was zählt noch zu diesen Standortfaktoren? 

Brosch: Dass wir nach Jahren Stillstand mehr als vorzeigbare Einkaufsmöglichkeiten haben. Das Fachmarktzentrum wird von vielen auch kritisch betrachtet. Aber die Möglichkeiten zuvor waren eher eingeschränkt, um das mal vorsichtig zu formulieren. Und ein weiterer Faktor ist das Sport- und Kulturangebot, das die Stadt bietet – was wiederum sehr viel mit Ehrenamt zu tun hat. 

Welche Schwächen sehen Sie in Halver? 

Brosch: Auf jeden Fall weniger als Stärken. Wir haben Schwierigkeiten beim Einzelhandel an der Frankfurter Straße, aber als Stadt allein keinen direkten Zugriff. Da müssen wir sehen, wie wir als Mittler auftreten können. Solche Überlegungen laufen. Ich persönlich wünschte mir, dass neben klassischen frequenzstarke Dienstleister ihren Platz dort fänden. Das würde allen helfen. 

Können Sie expansionswilligen Unternehmen eigentlich noch Flächen anbieten? 

Brosch: Also, zumindest nicht in dem Maß, wie wir es gerne hätten. Markus Tempelmann (Kämmerer/d. Red.) weist schon länger darauf hin, dass wir in Halver Nachholbedarf haben. Da sind wir ganz auf einer Linie. Das hat auch etwas mit sozialem Frieden zu tun, dass Halveraner Bürgerinnen und Bürger Arbeitsplätze in der Stadt und in der nahen Umgebung vorfinden. Es hat nicht jeder die Möglichkeit, zig Kilometer an die Arbeitsstelle zu fahren. Übrigens auch mit Blick auf die Vereinbarkeit von Job und Familie. Gewerbesteuereinnahmen spielen für mich hier nur eine untergeordnete Rolle. 

Beim sozialen Frieden fällt uns spontan sozialer Wohnungsbau ein… 

Brosch: Das ist in der Tat ein Thema für mich. Mehrere Fraktionen im Rat haben das auch angemahnt. Halver ist kein sozialer Brennpunkt. Aber den Bedarf gibt es. Ich habe solche Anrufe von Bürgern, und wir müssen schauen, dass wir helfen, solche Angebote zu schaffen. Alleine als Stadt können wir das nicht. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir zu Lösungen kommen. 

Wie könnten die aussehen?

Brosch: Das kann ich noch nicht sagen. Das muss im Konsens passieren. Wir sprechen miteinander – und hinterher auch mit dem Allgemeinen Anzeiger. Verstanden. 

Können Sie etwas zu den Chancen der Stadt sagen?

Brosch: Es gibt ein paar Punkte, die würde ich nur stichpunktartig anreißen. Ich freue mich über die immer stärkere interkommunale Zusammenarbeit der vier Kommunen Oben an der Volme. Das ist mit der Regionale und mit dem Leader-Programm gewachsen. Und die Stadt kann durch die Kaufkraftbindung mit dem Fachmarktzentrum insgesamt profitieren. In Oberbrügge wird das Wohngebiet Schmittenkamp an den Start kommen. Das ist eine attraktive Lage. Aber es gibt noch eine interessante Ausgangssituation… 

...welche denn?

Brosch: Dass die Kassen von Bund und Land zurzeit gut gefüllt sind. Darauf sind wir als Stadt angewiesen, wenn wir uns städtebaulich weiterentwickeln wollen. 

Welche Art von Entwicklung wäre das?

Brosch: Die Fraktionschefs haben es in ihren Haushaltsbeiträgen gesagt. Wir sind zwar mit den Projekten der Regionale 2013 fertig, aber wir sollten auf diesem Weg nicht stehen bleiben. Ich habe da unter anderem die Aufenthaltsqualität an der vorderen Frankfurter Straße im Kopf und noch ein bisschen mehr. Das sind nicht nur Gedankenspiele. Mehr sage ich aber jetzt noch nicht.

Wo steht Halver beim Blick auf die Regionale 2025? 

Brosch: Im Startblock. Das ist eine Riesenchance, weil man sich unter der Rubrik Digitalisierung und Vernetzung tolle Sachen vorstellen kann. Wenn ich an die voranschreitende Digitalisierung in der Medizin denke, könnten da interessante Dinge passieren. Die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum wird zunehmend Thema. 

Was spricht dagegen, dass Fachärzte sich Praxen in einer Art Ärztehaus teilen, vernetzt mit Spezialisten in anderen Kliniken? Sie meinen die Polyklinik? 

Brosch: Wie das aussehen könnte, müssen wir prüfen. Und zwar schnell. Dazu brauchen wir fachliche Expertise von außen. Wenn wir gleich zum Begriff Bedrohungen kommen, fällt darunter vielleicht der Zeitdruck. Denn für ein wegweisendes Startprojekt brauchen wir Vorbereitungszeit. Eigentlich müssten wir im Herbst 2018 etwas vorweisen können. Das wird schon eng. 

Sie haben ja mit den Bedrohungen angefangen… 

Brosch: ...aber da sehe ich nicht so viele. Wir werden im ländlichen Raum langfristig Einwohner verlieren. Aber da kann man auch gegensteuern. Ich sehe den Trend nicht so für Halver. Das Thema Fachkräftemangel bewegt natürlich die Unternehmen am Ort. Aber wenn die Stadt attraktiv bleibt, bin ich zuversichtlich. 

Ein Wort zum Werkhof? 

Brosch: Der Werkhof ist hier verankert und genießt hohe Wertschätzung. Eine konkrete Lösung kann ich noch nicht nennen. Auch hier sitzen noch alle Beteiligten am Tisch und sprechen miteinander, anders als bei der Stagehalle. Das ist ein gutes Vorzeichen. Noch steht kein Lidl-Markt auf dem Wippermann-Gelände. Was sich 2018 ergibt, kann ich noch nicht sagen. 

Wünschen Sie sich etwas für das kommende Jahr?

Brosch: Wie im letzten Jahr: den sanierten Aussichtsturm im Jubiläumsjahr. Damit identifizieren sich die Bürger. Das müssen wir zu Ende bringen. Und es ist eindrucksvoll, wie viele dahinter stehen. Dieses Engagement macht für mich die Stadt aus.

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