Halver? Gegenüber Metropolen klar im Vorteil!

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Waldfreibad Herpine: Ein echtes Alleinstellungsmerkmal Halvers.

Halver - 16 661 Menschen leben aktuell in Halver. Folgt man der Einschätzung des Statistischen Landesamtes IT.NRW, werden es im Jahr 2040 rund 3000 weniger sein. Rund 13 000 Menschen in Halver – das wäre kaum mehr als 1946. Wie geht man damit um?

Unter anderem in „Werkstattgesprächen“ im Regierungspräsidium Arnsberg werden zurzeit die kommunalen Bedarfe für die nächsten Jahrzehnte ausgelotet. In einem Interview mit Bürgermeister Michael Brosch erfuhr AA-Redakteur Florian Hesse mehr darüber. 

Herr Bürgermeister, wie gehen sie mit einer solchen Bevölkerungsprognose um? 

Eher mit Skepsis. Dass jedes Jahr 160 Menschen verloren gehen, kann ich mir nicht vorstellen. Und auch die jüngsten Daten sehen deutlich anders aus. 

Inwiefern? 

Wir hatten 2015 und 2016 zuwanderungsbedingt sogar ein Plus. Richtig ist aber, dass die Geburten-Sterbebilanz in den vergangenen Jahren immer negativ ausgefallen ist. 

Das heißt, ohne Zuwanderer verliert die Stadt an Einwohnern? 

Genau das ist ja auch Thema bei den Gesprächen in Arnsberg. Wir wollen uns als Stadt nicht in ein solches Schicksal ergeben. Dem entgegenzusteuern, ist die Aufgabe der nächsten Jahre. Das hört sich nach einer etwas verspäteten Erkenntnis an... ...was aber so nicht stimmt. In den vergangenen Jahren sind allein am Bahngelände 70 neue Wohneinheiten entstanden, dazu das Projekt von Steinbach & Dahlhaus an der Hermann-Köhler-Straße. Weitere Projekte werden folgen. Und es gibt kaum noch Leerstände. Nicht zuletzt mit der Nahversorgung am Bahngelände kann man sagen, Halver ist attraktiver geworden. 

Wie kann Ihnen denn die Bezirksregierung Arnsberg helfen?

Wir müssen es erklären können, dass wir bei der Flächenbevorratung handlungsfähig bleiben müssen. Mit dem Neubaugebiet Schmittenkamp sind wir auf einem guten Weg in diese Richtung. 

Das werden aber durchweg Einfamilienhäuser? 

Das ist noch nicht ganz klar. Natürlich brauchen wir aber diese Angebote für junge Familien.

Michael Brosch im Gespräch.

Was ist mit den anderen, die ein Eigenheim nicht finanzieren können?

Geschosswohnungsbau mit bezahlbaren Mieten ist unumgänglich. Das ist meine feste Überzeugung. Der Anteil an Gewerbe liegt hier bei 68 Prozent. Viele dieser Beschäftigten aus der Produktion sind finanziell nicht auf Rosen gebettet. Das kann man nicht ignorieren. 

Wenn die Zahlen insgesamt aber zurückgehen, wird es schwierig sein, weiteren Flächenverbrauch anzumelden? 

Wir sind doch selbst an einer maßvollen Entwicklung interessiert. Und genauso wenig haben wir Interesse, uns als Kommunen gegenseitig zu kannibalisieren... 

...wieso kannibalisieren? 

Halver ist nicht Monheim, das als Gewerbesteuerparadies die Firmen anzieht und sie gleichzeitig von anderswo abwirbt. Das halte ich im interkommunalen Umgang für alles andere als fair. Aber wenn Halveraner Unternehmen ihren Standort sichern möchten, dann müssen sie diese Chance auch haben. Die zahlen hier ihre Steuern und die Menschen haben hier ihre Arbeitsplätze. Aber um noch einmal auf ihre Ausgangsfrage zurückzukommen... ...immer gerne. Ich sehe diesen Schrumpfungsprozess überhaupt nicht in einer solchen Dramatik kommen. Halver als Stadt hat viele Pfunde, mit dem es wuchern kann. Jetzt sind wir gespannt. Die Leute wollen und können sich beispielsweise die Mieten in den Ballungszentren immer weniger leisten. Eine junge Familie kann sich in Düsseldorf in den seltensten Fällen ein Haus bauen. Das ist zu teuer. In Halver geht das aber. Wir haben hier weniger als eine Stunde Fahrzeit in den Kölner und Düsseldorfer Raum. 

Köln und Düsseldorf haben aber auch gewisse Vorzüge, oder?

Wenn eine junge Familie sieht, dass es in Halver ein Rundum-Schulangebot gibt, dass Kinder hier viel behüteter aufwachsen können als in Riesenstädten, dann ist das schon ein Argument. Und auch in Halver gibt es starke Unternehmen. Hier entstehen seit Jahren sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. 6500 sind das übrigens aktuell. 

Was ist mit Jobs in zukunftsfähigen Bereichen?

Da bin ich ausgesprochen zuversichtlich. Im Jahr 2025 wird auch der letzte Weiler mit schnellem Internet versorgt sein. Für viele kann das bedeuten, dass sie sich den Weg in die Firma komplett oder teilweise sparen können. Das Internet ist die Schlüsseldisziplin. Man lebt in Halver besser als in einer anonymen, umweltbelasteten Großstadt. Und man hat die gleichen Voraussetzungen zum Arbeiten. Das werden die Menschen zunehmend merken. Und noch etwas... 

Ja, bitte? 

Nur wir haben die Herpine!

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