Interview

Andrea Reich über den Jugendaustausch in Israel

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Nach einer Buspanne in den Golanhöhen möglichst gefahrlos los zu einem Restaurant zu laufen ist nicht ganz so einfach: Auf der einen Seite eine stark befahrene Landstraße ohne Leitplanke, auf der anderen Seite Minenfelder.

Halver - Sie hat es wieder getan! Mit einer Gruppe junger Menschen aus Halver, aber auch aus Lüdenscheid, Breckerfeld und Kierspe war Andrea Reich zwei Wochen im Rahmen des Jugendaustauschs in Israel zu Gast.

Mit AA-Redakteur Florian Hesse spricht sie über die Geschichte des Programms und ihre Erfahrungen. 

Wie lange und warum gibt es überhaupt diesen Austausch? 

Andrea Reich: Angefangen hat es eigentlich 1989 im Zusammenhang mit einem Austausch der DLRG in NRW. Eine Teilnehmerin war bei mir untergebracht. Das passte irgendwie alles fast von allein. Zwei der Israelis haben hinterher bei Turck gearbeitet. 1990 war ich mit der DLRG das erste Mal in Israel. Klaus Böcker und Hans Peeck übernahmen die Organisation ab 1991.

Wie viel Stress ist mit der Organisation verbunden? 

Reich: Wenn die Israelis hierher kommen, steckt schon organisatorischer Aufwand dahinter. Gastfamilien müssen gefunden, das Programm zusammengestellt werden. Eine Riesenunterstützung habe ich durch Beate Turck. Aber es macht Spaß, weil ich vorher weiß, was am Ende herauskommt... 

...was kommt denn heraus? 

Reich: Wenn man zugucken kann, wie aus Fremden Freunde werden. Das ist unbezahlbar! Ich sage das auch vorher den Gastfamilien. Es ist Stress. Aber am Ende sind alle müde – und glücklich. 

Was war denn das schönste Erlebnis? 

Reich: (lange Pause) Also dieses Mal war es der erste Abend, das Wiedersehen. Alle sitzen sofort durcheinander am Tisch und quatschen. Und am letzten Abend fließen Tränen, wenn sie wissen, dass sie nach Hause müssen. Aber auch, als der Bus die Panne hatte auf den Golanhöhen. Da moppert keiner rum. Die sitzen da entspannt und fangen an zu singen... 

Wie ist die gegenseitige Wahrnehmung von Israelis und Deutschen? 

Reich: Die sind völlig unbefangen. Das hat sich in den letzten Jahren immer positiver entwickelt. Es ist eine große Vertrauensbasis gewachsen. Meine erste Gastschwester war verstört, wenn sie auf der Straße einen Türken sah. Die hat jeden Abend aus der Telefonzelle nach Hause angerufen. Eine meiner Gastmütter hatte sich eigentlich geschworen, keinen Fuß mehr nach Deutschland zu setzen...

...und später? 

Reich: Im folgenden Jahr habe ich sie in Frankfurt vom Flughafen abgeholt. Sie hatten ihre Einschätzung für ihre Kinder geändert. Auch das ist das Tolle an dem Austausch. 

Gibt es Vorurteile, mit denen man im Vorfeld aufräumen muss? 

Reich: Bei den Teilnehmern und ihren Eltern nicht. Da geht es mehr um Großeltern und Verwandte, die ein Israel-Bild haben, das mit der Wirklichkeit überhaupt nicht übereinstimmt. Das Fernsehen zeigt ja nicht die Blumen auf der Wiese, sondern Situationen, wo es knallt. Knallt es denn? Reich: Ich würde nicht mit Jugendlichen nach Israel fliegen, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass es sicher ist. 

Und wie beruhigt man die Verwandten? 

Reich: Ich schreibe jeden Tag den Blog. Da steht dann drin, was wir alles gemacht haben. Ich weiß, dass da viele in Deutschland sitzen und warten, dass ich Enter drücke. Gibt es einen Unterschied in der Mentalität zwischen Deutschen und Israelis? Reich: Die Israelis sind mehr auf Spaß gepolt. Wir bringen unsere deutschen Tugenden mit. Aber am Ende: Das sind junge Leute. Die wollen Party machen und an den Strand. Alles gut!

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