„Jung, Boucke“ erneut in „Umsatzkrise“

Die Firma Jung, Boucke am Herpiner Weg.

Halver - Nur drei Jahre nachdem der Halveraner Automobilzulieferer Jung, Boucke ein Insolvenzverfahren durchlaufen hat, scheint das Unternehmen nun erneut vor großen Herausforderungen zu stehen. „Die Rückführungsquoten aus dem Insolvenzverfahren in 2011 belasten das Unternehmen.

Von Friederike Domke

Die Zahlungen wurden sehr optimistisch geplant, damit wir die Gläubiger schnell befriedigen konnten. Aus heutiger Sicht fehlt uns diese Liquidität, um in notwendige Maschinen und Materialien investieren zu können“, wird der Geschäftsführer des Halveraner Unternehmens, Hans Ulrich Volz, in einer Pressemitteilung der Düsseldorfer Kanzlei „Buchalik Brömmekamp“ zitiert. „Auch aufgrund von Terminverschiebungen befinden wir uns derzeit in einer Umsatzkrise.“

Das hat nun zur Folge, dass das Unternehmen am Mittwoch erneut beim Amtsgericht in Hagen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt hat. In der Mitteilung heißt es, dass sich Jung, Boucke durch ein sogenanntes Eigenverwaltungsverfahren sanieren will. Geschäftsführer Hans Ulrich Volz bliebe damit im Amt und könnte die Geschicke des Unternehmens weiter lenken. Allerdings unter Aufsicht des Gerichts und eines Sachwalters, in diesem Falle der Bochumer Rechtsanwalt Dr. Markus Wischemeyer. Zudem soll die Unternehmensleitung durch einen sogenannten Rekrutierungsgeschäftsführer, den Wirtschaftsjuristen Nils Averbeck, unterstützt werden.

Die derzeit 215 beschäftigten Mitarbeiter des Unternehmens müssen sich laut Aussage von Volz keine Sorgen um ihre Jobs machen: „Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten.“ Ein Arbeitsplatzabbau sei nicht geplant. Die Mitarbeiter des Unternehmens wurden laut Volz im Rahmen einer Betriebsversammlung über die aktuelle Entwicklung informiert, Löhne und Gehälter seien in den ersten drei Monaten des Verfahrens über das Insolvenzgeld abgesichert, heißt es. Während des Verfahrens würden Produktion und die Logistik unvermindert weiterlaufen. Zudem seien 80 Prozent des noch zu erwartenden Umsatzes von den Kunden bereits zugesagt worden. Als Gründe für die wirtschaftliche Krise des Automobilzulieferers führt die Kanzlei jedoch nicht nur das Insolvenzverfahren vor drei Jahren an. Auch die politische Krise zwischen Russland und der Ukraine sowie der wirtschaftliche Abschwung in Brasilien habe „zu einem unerwarteten Umsatzrückgang“ geführt. Von Volz heißt es dazu: „Die Aufträge aus diesen Ländern wurden zwar bei uns platziert, sind jedoch aufgrund der Krisen weit nach hinten verschoben worden.“

Jung, Boucke wird nun in den kommenden Wochen gemeinsam mit der auf Sanierungen spezialisierten Kanzlei „Buchalik Brömmekamp“ ein tragfähiges Konzept erarbeiten müssen, in dem die Maßnahmen zur Fortführung des Unternehmens dargestellt sind und dem dann nicht nur die Gläubiger, sondern auch das Gericht zustimmen muss. Die Aussichten, dass Jung, Boucke bald wieder auf „wirtschaftlich gesunden Füßen steht“ und „zukunftsfähig bleibt“, stehen laut der Verantwortlichen gut.

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