Ingolf Lück begeistert 350 Besucher im AFG

Ingolf Lück trat am Samstag im Anne-Frank-Gymnasium auf. ▪

HALVER ▪ Es könnte eigentlich alles so schön sein: Eine Ehefrau, zwei Kinder, ein Haus in einem Vorort und drei beste Freunde. Was für viele nach einem angenehmen Leben klingt, lässt Comedian Ingolf Lück fast durchdrehen. Viel Mitleid hatte am Samstagabend aber keiner der mehr als 350 Besucher in der Aula des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG).

Statt dessen gab es für das Programm „Lück im Glück“ des Ostwestfalen lautstarken Beifall und unzählige Lacher.

Aber nicht nur die Geschichten um die Leiden und Entbehrungen eines Familienvaters sorgten für gute Stimmung, auch die unbändige und teilweise überhastete Mimik, Gestik und die teilweise schrillen und lautstarken Verdeutlichung seiner Erzählungen zogen die Besucher in seinen Bann.

Dass der Entertainer überhaupt in Halver auftrat, wäre nach dem Willen seiner Frau fast schiefgegangen. Denn eigentlich hatte Lück an diesem Abend „Kinderdienst“ bei seiner Tochter Lilli und seinem Sohn Gustav. Dank eines einseitigen Kompromisses durfte der Kabarettist aber – zum Glück für die Zuschauer – doch auf die Bühne. Weitaus geringer waren da die Probleme bei der Suche nach dem richtigen Babysitter oder dem Auftritt beim Geburtstag der eigenen Tochter, die er liebevoll als „perfekt ausgebildete Vollzeit-Terroristin“ bezeichnet. Kniffliger wurde es dabei schon beim Umzug von der Kölner Innenstadt in einen Vorort, der scheinbar jenseits der Zivilisation liegt. „Da wird man im Edeka nur bedient, wenn man in der dritten Generation im Dorf wohnt“, schilderte Lück eines seiner Probleme. Viel schwieriger als der Einkauf wogen für den Komiker die zahlreichen anderen Probleme eines Familienvaters. Von ständig gestylten Supermamas über andere Väter aus der Nachbarschaft, die scheinbar einer Daily-Soap entsprungen sein müssen, und dem unfreiwilligen Nebenjob als „Taxifahrer für meine Kinder und all deren Freunde“ bis hin zu unerträglichen Elternabenden im Kindergarten, bei denen die Mütter und Väter stundenlang auf viel zu kleinen Stühlen sitzen müssen. Nach einem kleinem Abstecher zu guten und schlechten Namen für Kinder, der FDP mit ihrem „Pandabären der guten Laune“ Philipp Rösler und der Frage nach der eigenen Fitness, kam die Ablenkung durch seine besten Freunde Manne, Benne und Alfie eigentlich gerade recht. Immerhin entführten die Drei Ingolf Lück zu seinem 50. Geburtstag zu einem Tandem-Fallschirmsprung, was der gebürtige Bielefelder ausgiebig auf der Bühne darstellte.

Doch die Freude über eine kurzfristige Einladung von Manne und den Mannen ins Halveraner „Fäßchen“ zum Komasaufen währte nur kurz. Beim Gedanken an seine Freunde, die alle noch „berufsjugendliche Freiberufler“ sind und mit 50 Jahren regelmäßig in der Disco zu Lady Gaga tanzen, trauert er seiner jugendlichen, wilden Zeit mit Sex, Drugs und Rock‘n‘Roll hinterher.

Nach intensiver Lektüre zahlreicher Ratgeber kommt er am Ende aber dennoch zum Schluss: „Ich bin doch Lück im Glück.“ Einen Grund für diese Aussage hat er auch schnell gefunden: „Ob ich nun nach einem Konzert Kotze wegwische oder die von meinem Sohn. Familienleben ist viel mehr Rock´n´Roll als eine Welttournee mit AC/DC. Alles ist unberechenbar, laut, nervig und vor allem Stress für die Nachbarn.“ Daran kann selbst ein wenig erholsamer Urlaub mit zwei Familien in der Zugabe an diesem Abend nichts mehr ändern. ▪ Wesley Baankreis

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