So gelingt das Zusammenleben auf dem Bauernhof

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Halver - Der klassische Konflikt zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter war gestern. Heute beschäftigt vor allem der Zwist zwischen Vater und Sohn das Landwirtschaftliche Sorgentelefon und die Ländliche Familienberatung.

„Mit manchmal total verhärteten Fronten“, wie Ludger Rolfes, Geschäftsführer der Ländlichen Familienberatung Oesede in Niedersachsen, am Donnerstagabend im Kulturbahnhof bei der traditionellen Sparkassenveranstaltung für Landwirte ausführte.

„Wir haben etwa 700 Familien beraten. Bei der Hälfte davon ging es um Vater-Sohn-Konflikte“, berichtete Rolfes. Auf Sorgen und Nöte, mit denen Landwirte in die Beratung kommen, ging der studierte Theologe und Agraringenieur in seinem Vortrag zum Thema „Wie gelingt das Zusammenleben auf dem Hof?“ ein.

Sparkassen-Marketingleiter Thomas Meermann hieß die zahlreich erschienenen Landwirte willkommen. Nach Vorträgen über Reisen nach Südafrika, Indien und in die Ukraine sei diesmal ein Thema, das im täglichen Leben hilfreich sein könne, angedacht. „Heute bleiben wir vor Ihrer Haustür stehen.“ Bereits im Januar vergangenen Jahres habe Thomas Wiethege, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsverbandes Halver, den Termin mit Ludger Rolfes festgemacht.

Er sei selbst auf einem Hof groß geworden, schilderte der aus Friesoythe in Niedersachsen stammende Referent seinen Werdegang. Vor 23 Jahren habe er begonnen, gemeinsam mit seiner Ehefrau Helga das Landwirtschaftliche Sorgentelefon aufzubauen. Die Familienberatung sei drei Jahre später dazugekommen. Hauptthema in der Beratung sei die Hofübergabe mit den damit verbundenen Konflikten zwischen den Generationen, vor allem zwischen Vater und Sohn. Um Macht und Ohnmacht, Vertrauen und Misstrauen sowie fehlende Absprachen und Kommunikationsstörungen gehe es in der Beratung.

„Wir geben keine Ratschläge. Die Lösungen liegen in der Familie. Sie müssen nur aufgedeckt werden“, erklärte der Landwirt und Theologe. „In der Beratung geht es darum, den Blick zu weiten.“ Wenn jemand wieder handlungsfähig sei, sei von einem Erfolg der Beratung zu sprechen. Manchmal reiche schon ein Blickwechsel zu Dingen, die Freude machen. Wichtig sei, sich mit Situationen zu versöhnen, die man nicht ändern könne. „Es geht hier immer um das ganze System Familie.“

Rolfes spielte einige Fallbeispiele durch. Immer häufiger hätten es die Berater in letzter Zeit mit Burn-out, Depressionen und Zukunftsängsten zu tun. Anhand der „Fünf Säulen der Identität“ nach H.G. Petzold erklärte er, wie das Leben in Schieflage geraten kann. „Wir erleben in der Beratung Männer, bei denen alle fünf Säulen zusammenbrechen.“ Die beste Burn-out-Prophylaxe bestehe darin, alle fünf Säulen – Leib/Geist/Seele, das soziale Leben, Arbeit und Leistung, materielle Sicherheit und Werte/Normen – im Blick zu behalten. Als Ansprechpartnerin für landwirtschaftliche Investitionsfinanzierungen bei der Sparkasse nahm Astrid Fahlenbock an der Veranstaltung teil.

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