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Inflation und A45-Sperrung: Weniger Kunden im Bioladen

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Von: Sarah Lorencic

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Bianca und Christof Hedfeld stehen für Lebensmittel aus artgerechter und umweltschonender Landwirtschaft.
Bianca und Christof Hedfeld stehen für Lebensmittel aus artgerechter und umweltschonender Landwirtschaft. © Salzmann, Jakob

Konnten sich die Bioläden in Zeiten von Corona kaum vor Kunden retten, ist es jetzt genau andersherum. Der Boom ist vorbei.

Jetzt, wo im Zuge des Ukraine-Krieges alles teurer geworden ist, ist der Gang zum Laden mit Produkten in Bioqualität seltener geworden und für manche Kunden komplett vorbei. Das merkt auch Bianca Hedfeld, die im landwirtschaftlichen Familienbetrieb im Verkauf tätig ist. „Die Leute sparen beim Essen als Erstes, vor allem beim Fleisch“, sagt die Halveranerin. Dabei ist es in dem Hofladen gar nicht so teuer, wie manch einer vielleicht denken mag. „Wir passen uns den Metzgerpreisen an“, erklärt Bianca Hedfeld, die weiß, dass die Kunden ohnehin schon einen weiten Weg bis zum Laden Auf dem Wiebusch haben. Zu hoch, weiß die Familie, kann sie die Preise ohnehin nicht gestalten, wenn sie nicht noch mehr Kunden verlieren wollen. Erhöht haben die Hedfelds ihre Preise bisher noch nicht.

Dabei sind die neuen Tierfuttermittelpreise in dieser Woche bei den Landwirten angekommen. Sowohl das Schweine- als auch das Hühnerfutter ist um einiges teurer geworden. Aber die Steigerung an den Endkunden weitergeben, ist derzeit undenkbar. „Was kann man Verbrauchern noch zumuten?“, fragt Bianca Hedfeld. „Weniger Kunden dürfen es nicht werden.“ Damit nicht jeder zum Hof kommen muss, gibt es auch die Kaufmöglichkeit in der Genossenschaft Raiffeisen. In Halver läuft das Geschäft gerade mit Grillwürstchen zwar noch gut, der Markt in Lüdenscheid aber wird aufgrund der A45-Umleitung weniger angefahren.

Was kann man Verbrauchern noch zumuten?

Bio-Expertin Bianca Hedfeld

Die A45-Sperrung ist auch der Grund dafür, dass bei Biobauer Henning Wolf weniger Kunden vorbeischauen. Sogar mehr als die Inflation, wie er sagt. Jahrelange Stammkunden fahren nicht mehr nach Oberbrügge, wie Henning Wolff sagt. Einige teilten das mit, andere rief er an, weil er sich fragte, warum die Stammkunden fehlen. „Wir haben definitiv weniger Kunden und auch weniger Umsatz“, sagt der Halveraner.

Gemüse im Bioladen Hedfeld findet momentan weniger Kunden.
Gemüse im Bioladen Hedfeld findet momentan weniger Kunden. © Salzmann, Jakob

Aus Lüdenscheid kommt kaum noch jemand. Halveraner und auch so manche aus Ennepetal und Hagen nehmen den Weg noch auf sich. Und als letzter Versorger in Oberbrügge profitiert er auch davon, wenn nur ein Stück Butter oder ein Liter Milch zuhause fehlt. Dann kommen Oberbrügger, die für ein Teil nicht bis nach Halver oder Lüdenscheid fahren wollen. Weil die Autobahnsperrung noch einige Jahre in Anspruch nehmen wird, überlegt sich der Bio-Bauer Alternativen, die aber derzeit noch nicht spruchreif sind, wie er sagt.

A45-Sperrung auch ein Grund für weniger Bio-Kunden

Dass die Futtermittel teurer sind trifft den Oberbrügger nicht direkt. Sein Vieh steht auf der Weide – im besten Fall bis November. Weil die Wiesen aber aufgrund der Trockenheit nicht mehr wachsen, füttert er jetzt schon das Winterfutter zu – drei Monate früher. Weil der erste Schnitt im Frühjahr sehr gut war, will er nicht klagen, er wird es schaffen, sagt er. Aber es hätte mehr sein können: Der zweite Schnitt war bereits schlechter und der dritte gleicht Rasenmähen, wie Wolf sagt. Wäre der erste Schnitt nicht gut gewesen, hätte er ein Problem.

Bianca Hedfeld hofft, dass vor allem Familien weiterhin den Weg zum Hof Hedfeld auf sich nehmen. Immerhin sei es immer ein Erlebnis. Derzeit laufen zwei Wochen alte Ferkel über den Hof. Das war in Corona ein Anlaufpunkt und das soll er auch bleiben. Kindergartengruppen und Schulklassen können zudem Kartoffeln auf dem Hof ernten. „Manche Kinder denken ja, Kartoffeln wachsen am Baum.“ Auf dem Hof Hedfeld findet praktischer Biologieunterricht statt. Allerdings vor allem mit Kindern aus Nachbarstädten, nicht aus Halver.

Manche Kinder denken ja, Kartoffeln wachsen am Baum.

Bianca Hedfeld vom Hof Hedfeld

Beide Hofläden hoffen, dass wieder mehr Kunden zu ihnen kommen. Im Sommer wird das vielleicht nicht mehr passieren, aber „das Weihnachtsgeschäft kommt“, sagt Bianca Hedfeld optimistisch. Spätestes dann investieren die Kunden wieder gerne mehr Geld für gute Qualität.

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