Corona in Halver

Impfen beim Hausarzt? Die Mediziner finden klare Worte

Die Bereitschaft der Allgemeinmediziner: Dr. Hartmut Rohlfing führte eine Umfrage unter den Hausärzten durch. Ein Großteil möchte sich bei der Impfung gegen das Coronavirus beteiligen.
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Die Bereitschaft der Allgemeinmediziner: Dr. Hartmut Rohlfing führte eine Umfrage unter den Hausärzten durch. Ein Großteil möchte sich bei der Impfung gegen das Coronavirus beteiligen.

Ein Ende der Pandemie wird erst erreicht sein, wenn ausrechend Menschen geimpft sind. Aber wir soll das schnell gelingen? Die Hausärzte melden sich zu Wort.

Halver - Wann werden die Menschen alle gegen das Coronavirus geimpft sein? Und wie wird man das Ziel erreichen? Ist ein weiteres Impfzentrum in Iserlohn die Lösung? Dr. Martin Junker ist der Meinung, dass der Beschluss des NRW-Gesundheitsministeriums, ein zweites Impfzentrum in den Landkreisen zuzulassen, „eine absolute Schnapsidee“ ist. Wichtiger sind dem Bezirksstellenleiter Lüdenscheid der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) die Hausärzte. Und die melden sich jetzt zu Wort.

Hartmut Rohlfing findet als Vorstandsmitglied vom Ärztenetz MK-Süd und Lennetz (» Infokasten) klare Worte und unterstützt die Aussagen von Junker. „Impfzentren sind gut und richtig, aber nicht die Lösung. Die Lösung war schon immer da“, sagt Hartmut Rohlfing. Gemeint sind die Hausärzte. Sie sind es, die die Expertise haben, die Patienten kennen und auch die Möglichkeiten in ihren Praxen haben, sagt der Mediziner. Alle Impfungen erfolgen in der Primärversorgung. Auch gegen Corona können Hausärzte impfen. Dass sie es noch nicht tun, liegt nicht an ihnen.

90 Prozent wollen beim Impfen unterstützen

Der Halveraner Hausarzt hat unter seinen Kollegen von Halver über Lüdenscheid bis nach Werdohl eine Umfrage durchgeführt. Rund 90 Prozent der Hausärzte geben darin an, dass sie sofort loslegen können, wenn der Impfstoff bereitsteht. Die Voraussetzungen erfüllen dabei die meisten – Kühlmöglichkeiten, Personal und Zeitfenster. Bis zu 100 Patienten pro Woche zu impfen, trauen sich die Praxen zu. Loslegen könnten die Hausärzte sofort, aber soweit ist die Politik noch nicht – auch der Impfstoff ist noch nicht ausreichend vorhanden. Die Frage „Wie erleben Sie die aktuelle politische und organisatorische Debatte?“ beantwortet die Mehrheit mit: „Ich bin verwirrt und verärgert.“

Hartmut Rohlfing hofft, dass Landrat Marco Voge „alles dafür tut, dass in der Fläche geimpft werden kann“. Anvisiert wird Mitte/Ende April, sagt Rohlfing. Er rechnet jedoch damit, dass es Mai wird – oder sogar noch später. Auch wegen der Vorbereitung, die Zeit in Anspruch nehmen wird. Zu Schnelltests haben die Ärzte daher auch eine Meinung. „Impfungen haben Priorität“, sagt Rohlfing. Interesse daran, Teil einer Teststrategie zu werden, haben die Hausärzte aber aus mehreren Gründen nicht. Es sei personell und logistisch nicht zu stemmen.

Schnell und pragmatisch muss es sein

„Wir müssen schnell möglichst viele Menschen impfen“, sagt Rohlfing. Daran bestehe kein Zweifel, darum sollte es jetzt gehen. Möglichst pragmatisch und unkompliziert soll es sein. Dazu zählen auch Hausbesuche. „Das ist unsere Stärke“, sagt Rohlfing. Nicht jeder Patient kommt ins Impfzentrum oder in die Praxis. Aber der Arzt zu ihnen.

Auch für Patienten, die momentan nur mit einem Attest ihres Arztes einen Impftermin bekommen, weil sie chronisch krank, aber nicht älter als 80 Jahre sind, soll es leichter werden. Nicht selten, sagt Rohlfing, werden die von den Ärzten ausgestellten Formulare nicht anerkannt und Impflinge deshalb zurückgeschickt. „Wirrwarr“ nennt es der Mediziner. Diese strenge Priorisierung ist nicht angemessen und unpragmatisch, sagt rohlfing. „Es stößt den Patienten vor den Kopf.“ Es kann nicht alles bis ins kleinste Detail geregelt sein und es muss offen für Flexibilität sein. „Ich habe nicht den Eindruck, das Menschen sich vorsätzlich vordrängeln wollen oder wir Ärzte dies bedienen würden.“

Hausärzte haben die Expertise

Wenn die Praxen impfen können, werden sie mit ihren eigenen Patienten beginnen und sich auf sie konzentrieren. Auch, weil sie wissen, wer Priorität hat. Nur wenn es die Kapazitäten zulassen und es notwendig ist, werden Praxen weitere Impfungen durchführen. So handhabt man das auch bei saisonalen Grippeimpfungen.

Bereits jetzt gibt es „unheimlich viele Anfragen“ von Patienten. Rohlfing kann das verstehen: „Die Patienten vertrauen uns.“ Derzeit aber steht in den Praxen das Telefon nicht mehr still. Die Patienten haben Fragen, müssen getestet werden und wollen am liebsten direkt einen Impftermin vereinbaren. Problematisch. Denn die Telefonleitungen sind dadurch so stark belegt, dass der normale Patient kaum eine Chance hat, die Praxis zu erreichen. Die Hausärzte bitten daher, davon abzusehen. Hartmut Rohlfing wird es so lösen, dass er, sobald er impfen kann und darf, auf seine Patienten zukommen wird. Auch hier kann man den Hausärzten vertrauen, sagt er. Bis dahin heißt es: Geduld.

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