Hund zerfleischt Rehkitz

HALVER ▪ Es ist das Horrorszenario eines jeden tierlieben Hundebesitzers. Vor den Augen zerfleischt der eigene Vierbeiner ein Rehkitz. Geschehen ist dies jetzt nahe der Herpine, wo Christian Lindenau sein Revier hat. „Die Frau war von ihrem eigenen Hund geschockt.“

Dabei sei der Jagdtrieb nun einmal in den Genen der Vierbeiner, was aber schnell vergessen würde. „Die Besitzerin dachte, ihr Hund würde das nicht tun.“ Da dieser nun im wahrsten Sinne des Wortes Blut geleckt hat, muss sie mit dem einjährigen Labrador-Mischling einen Kurs besuchen, um Gehorsam einzuüben.

Das Problem für den Jäger ist aber nicht nur das vom Hund am vergangenen Wochenende zur Strecke gebrachte Rehkitz, sondern dass durch nicht angeleinte Vierbeiner der Wildbestand insgesamt in Gefahr gerät. „Das Rehwild kann nicht weglaufen“, verweist Lindenau auf die aktuelle Schneelage. Und nicht nur das: Wird das Wild aufgeschreckt, gehen eigentlich für die kalten Wochen benötigte Reserven verloren. „Die Tiere brauchen Ruhe, sonst haben sie im Winter keine Chance. Schließlich findet das Wild nur Rinde und Knospen als Futter. „Es ist echte Notzeit für die Rehe. Füttern dürfen wir aber nicht, erst wenn das Land eine Notzeit ausruft.“ Er hoffe, dass dies bald geschieht.

Zumindest die heimischen Jäger haben bereits ihre Konsequenzen gezogen. So hat auch Lindenau eine eigentlich eingeplante Drückjagd abgesagt. Die letzte revierübergreifende habe am 27. November stattgefunden. „Da war die Not nicht da“, verweist der Jäger auf eine für die Tiere entspanntere Wetterlage. Aktuell sei lediglich eine Jagd vom Hochsitz aus möglich.

Unter dem Motto „Auch dein Hund wildert“ setzen die Jäger nun auf die Vernunft der Hundebesitzer. Natürlich könnten die Spaziergänger die Wintertage auf den ausgewiesenen Wegen im Forst genießen. Auf diesen gebe es zwar keine Anleinpflicht, doch gerade jetzt sei es wichtig, die Hunde in Zaum zu halten – woran sich 90 Prozent der Besitzer aber nicht halten würden, bemängelt Lindenau. „Die Vernunft der Leute ist nicht da.“ Dass ein Hund ein Rehkitz zerfleischt, sei die Folge. „So etwas passiert dann immer wieder.“ ▪ Marco Fraune

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