Holocaust-Überlebende besuchen Halver

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Die israelische Reisegruppe aus Holocaust-Überlebenden trifft unter anderem auch Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums.

Halver - Holocaust-Überlebende aus Israel werden im November Halver besuchen. Sie sprechen vor Schülern des Anne-Frank-Gymnasiums, werden im Rathaus empfangen, nehmen an einem Gottesdienst in der Nicolai-Kirche teil und berichten vor interessierten Halveranern.

Der Besuch in Halver ist Bestandteil eines von Israel aus organisierten Besuchprogramms in Deutschland. Ziel ist es, den Überlebenden die Aussöhnung möglich zu machen. Und der Besuch in diesem Jahr wird aus Altersgründen wohl der letzte sein. 

Der Kontakt nach Halver entstand über die Verbindung einer Lüdenscheider Familie zu Andrea Reich, die den Israel-Austausch der Stadt Halver betreut. Schon zwei Mal war die Gastfamilie im Rahmen des Austauschs aktiv. Und hierüber entstand auch die Verbindung zu Erika Teller, die die Reisen organisiert. 

Konkret geplant ist Folgendes: Für Sonntag, 5. November, ist ein besonderer Gottesdienst mit Zeitzeugen in der evangelischen Nicolai-Kirche vorgesehen. Er beginnt um 10 Uhr. Am Dienstag, 7. November, halten sich die voraussichtlich zwölf Gäste nahezu den gesamten Tag über in Halver auf. Um 9.30 Uhr berichten sie vor Schülern des Anne-Frank-Gymnasiums über ihr Schicksal. 

Für 14 Uhr ist ein Empfang durch die Stadt Halver im Rathaus vorgesehen. Und um 19 Uhr ist auch die Öffentlichkeit willkommen im Kulturbahnhof, wenn es um „Begegnung, Berichte, Austausch und Musik“ geht. 

Zwischendurch soll den Besuchern auch eine Stadtführung beziehungsweise ein Besuch des Heimatmuseums angeboten werden, sagt Andrea Reich nach Absprache mit Peter Bell vom Heimatverein Halver. 

Gäste sind „die letzten Zeugen“ 

Im Wesentlichen wird sich die Gruppe allerdings in Lüdenscheid aufhalten nach einem Besuch über fünf Tage zunächst in Berlin. Die Gäste seien „die letzten Zeugen“ im Prozess „von der Begegnung zur Versöhnung“, wie es heißt. 

Zum Hintergrund: „Ich veranstalte Gruppenreisen für Holocaust-Überlebende nach Deutschland“, sagt Erika Teller, „weil ich möchte, dass diese Menschen ohne Zorn auf Deutschland sterben können. Dafür tue ich alles.“ Das ist das Credo der engagierten Seniorin aus Israel, die selbst als Kind im Konzentrationslager Theresienstadt war. Teller hat bereits acht Gruppen mit bis zu 30 Personen nach Deutschland gebracht. 

Ihr Herzensanliegen sei es, dass die Überlebenden eine Chance bekommen, ein Stück mit ihrer dramatischen Geschichte und mit Deutschland versöhnt zu werden. „Die Holocaust-Überlebenden aus Israel durchlaufen während ihres Aufenthalts ein Programm. Schulbesuche, Empfänge in Rathäusern, Events in Kirchen und Gemeinden, und ein Empfang im Bundestag sind geplant.

„Ich hatte Angst vor Deutschland“ 

Für die Teilnehmer aus Israel ist dies etwas sehr Besonderes. „Ehrlich gesagt hatte ich Angst vor Deutschland“, erklärt Inna Kurgan. Sie nahm an der bislang letzten Reise teil. „Aber jetzt habe ich hier so viele Freunde, wir werden so nett und herzlich empfangen, das ist alles sehr gut“, sagt sie. 

Es ist der letzte Gruppenbesuch dieser Art in Deutschland, der von einer engagierten Gruppe ehrenamtlicher Mitarbeiter in Lüdenscheid organisiert, und von der ICEJ-Deutschland als Träger in Zusammenarbeit mit Erika Teller umgesetzt wird. Denn immer weniger Holocaust-Überlebende seien physisch noch in der Lage, die Reise auf sich zu nehmen. „Wenn die Gruppen zurück nach Israel kommen, sind sie absolut verändert“, berichtet Teller. „Ohne Zorn. Die Menschen sind sehr glücklich, und alle haben mir gesagt: Danke für diese schöne Zeit!“

Anfragen zum Projekt sind per E-Mail an eteller.gruppe@icej.de möglich.

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