Hoher Schaden: Betrügerbande veranlasst falsche Überweisungen

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Halver - Gut organisiert und gierig ist eine Bande von Betrügern, die von der Türkei aus in Deutschland falsche Banküberweisungen auf die Konten von so genannten „Finanzagenten“ veranlasst.

Um Rückbuchungen zu verhindern, heben diese das Geld nach entsprechender Anweisung ihrer Hintermänner kurzfristig ab und übergeben es einem Bandenmitglied, das das Geld über den Bargeld-Transfer-Dienst der Western-Union-Bank zu den Auftraggebern in die Türkei schickt.

Nur seinem umfassenden Geständnis hatte es ein 28-Jähriger aus Halver zu verdanken, dass er Ende Januar im Amtsgericht Lüdenscheid mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davonkam – wegen Beihilfe zum schweren Bandenbetrug in 18 Fällen. Er hatte Finanzagenten angeworben, die Konten zur Verfügung stellten, um betrügerische Überweisungen entgegenzunehmen.

Sparkasse Lüdenscheid betroffen

Dass von diesen Aktivitäten auch die Sparkasse Lüdenscheid betroffen war, wurde jetzt in einem weiteren Verfahren vor dem Amtsgericht deutlich. Angeklagt waren ein Mann aus Halver (23) und eine Lüdenscheiderin (26), die vor Ort ihren Kopf und vor allem ihr Konto hinhielten. Während der 23-Jährige vor allem die Aufgabe hatte, dafür zu sorgen, dass die Finanzagenten nicht mit dem abgehobenen Geld verschwanden, stellte sie ihr Konto bei der Sparkasse zur Verfügung.

Auf der Grundlage von Kontodaten, die die Hintermänner in der Türkei über das Internet auskundschafteten, veranlassten sie am 24. und 25. April 2014 drei Überweisungen in Höhe von zweimal 4000 und einmal 4500 Euro auf das Konto der 26-Jährigen. Die hob das Geld in der Sparkassenfiliale in Brügge kurzfristig ab, behielt insgesamt 1500 Euro für sich und gab den Rest von 11 000 Euro an den 23-Jährigen weiter, der es nach Abzug seiner „Provision“ an seinen Auftraggeber weiterreichte.

200 Euro für "Aufpasser-Dienste"

„Ich hatte die Aufgabe, auf die Leute aufzupassen“, behauptete der junge Mann. 200 Euro habe er dafür jeweils erhalten. Gewissensbisse beruhigte der direkte Auftraggeber – der bereits verurteilte 28-Jährige aus Halver, seien nicht angebracht: „Die Banken und Versicherungen werden das schon regeln“, zitierte ihn die Angeklagte. Zum Glück für die Geschädigten, von deren Konto ohne ihr Wissen große Summen abgehoben wurden, müssen tatsächlich die Geldinstitute und ihre Versicherungen die Schäden ausgleichen. Angesichts der großen Dimensionen der Betrügereien entstehen aber letztlich allen Bankkunden auf indirektem Wege erhebliche Kosten.

Staatsanwalt Axel Nölle kritisierte im ersten Verfahren die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen der Geldinstitute gegenüber betrügerischen Überweisungen. Diese Vorkehrungen seien „teilweise katastrophal“ gewesen. Nach einer Phase der Vorsicht kehre in dieser Hinsicht leider immer wieder der Schlendrian ein – die Masche dieser betrügerischen Banden tauche deshalb immer mal wieder mal auf.

Sechs und acht Monate auf Bewährung

Für die Ermittlungsbehörden relativ leicht zu ermitteln sind die Finanzagenten vor Ort, da sie über ihre Kontodaten leicht zu identifizieren sind. Wer sich an den Machenschaften auf dieser Ebene beteiligt, ist also ziemlich dämlich. Sechs Monate auf Bewährung kassierte die 26-Jährige für ihre dreifache Geldwäsche. Wegen Geldwäsche in vier Fällen verurteilte Richter Thomas Kabus den 23-Jährigen zu acht Monaten auf Bewährung. Er muss zudem eine Geldauflage von 600 Euro zahlen. „Ohne Leute wie Sie funktioniert das ganze System nicht“, stellte der Richter fest.

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