Staubige Arbeiten für klares Wasser

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Rohrnetzmeister Thorsten Kurth und Geschäftsführer Michael Schmidt (rechts) in der Vorkammer des Wasserreservoirs am Versberg. Aufgrund der Staubentwicklung sind dort die Geländer abgehängt.

HALVER - Es ist staubig, laut und dunkel. Kaum vorstellbar, dass an diesem unwirtlichen Ort in wenigen Monaten kostbares Trinkwasser zwischengelagert wird. Doch soll der Hochbehälter der Stadtwerke Halver am Versberg nach seiner Sanierung schon im März wieder in Betrieb genommen werden und das frische Nass an die umliegenden Gebäude weiterleiten. Zuvor gewährte Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Schmidt unserer Zeitung ungewöhnliche Einblicke in ein sonst unzugängliches Bauwerk.

Die Lagerstätte für insgesamt 1000 Kubikmeter Wasser liegt mitten im Wald. Fast unauffindbar, denn die Zuwegungen führen entweder über ein Privatgrundstück oder aus Richtung Heesfeld über einen nur schwer passierbaren Weg. „Mit Manipulationen müssen wir uns hier definitiv nicht beschäftigen“, sagt Thorsten Kurth, Rohrnetzmeister der Stadtwerke, der die abgeschiedene Lage denn auch als Vorteil erkennt. Generell sei es aber ohnehin noch zu keinen entsprechenden Vorkommnissen gekommen, wie Michael Schmidt betont: Weder am Versberg bei Halverscheid, noch am zweiten Hochbehälter der Stadtwerke oberhalb der Heerstraße, am Brehenberg, oder in den so genannten Eigenförderbrunnen an der Büchermühle und an der B 229 nahe der Ennepe. Allerdings, sicher ist sicher, werden natürlich Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die Leitstelle bei den Stadtwerken gewährt stets Einblicke in das Innenleben von Brunnen und Hochbehältern, Alarmanlagen sichern die Objekte ab und geben bei Bedarf sofort Meldung an die zuständigen Stellen.

Derzeit sind die beiden jeweils 75 Quadratmeter großen Kammern des Hochbehälters allerdings ohnehin nicht mit Wasser gefüllt. „Die Behälter wurden im Zuge einer Umstrukturierung der Wasserwirtschaft in Halver Mitte der 1970er Jahre gebaut. Das ist jetzt also fast 40 Jahre her, da kommt es dann natürlich zu leichten Verschleißerscheinungen“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Schmidt. Im Laufe der Zeit entstanden Risse, Fugen bildeten sich. Und so ist seit Mitte November eine Handvoll Arbeiter damit beschäftigt, den Hochbehälter von Grund auf zu sanieren. Unter anderem bedeutete das auch, dass das alte „Schwimmbad-Blau“, mit dem die Innenwände beschichtet waren, entfernt werden musste. „Diese Chlor-Kautschuk-Beschichtung war damals erlaubt und ist auch nicht gesundheitsschädlich, entspricht aber nicht mehr dem heutigen Stand der Technik“, erklärt Michael Schmidt. Derzeit wird also eine neue „Innenhaut“ aufgebracht: ein Spritzmörtel, der am Ende 15 Millimeter dick ist und noch einmal per Hand glatt geschliffen werden muss, so dass das Wasser später keine Möglichkeit hat, sich in Nischen festzusetzen. „Außerdem erneuern wir die komplette Verrohrung. Die Guss- werden durch Edelstahlrohre ersetzt“, sagt Michael Schmidt.

Die Funktion der Hochbehälter erklärt sich durch den Wasserbeschaffungsverband (WBV), dem auch Halvers Stadtwerke angehören: Das Wasser des WBV, das unter anderem aus der Jubach-Talsperre kommt, wird eingekauft, in den hoch gelegenen Behältern zwischengelagert und demzufolge mit ausreichend Druck ins Netz eingespeist. Dabei wird laut Michael Schmidt darauf geachtet, dass stets genügend Wasser im Behälter vorhanden ist. „So könnten wir in Ausnahmefällen, wenn es etwa zu Rohrbrüchen in der Hauptzuleitung oder anderen Engpässen kommt, etwa eineinhalb Tage ohne Zulieferung durch den WBV auskommen.“ Das Reservoir dafür ist freilich gigantisch bemessen: Pro Tag geben die Stadtwerke etwa 2000 Kubikmeter Wasser ab.

Die Investitionskosten für den Hochbehälter am Versberg belaufen sich nach Angaben Michael Schmidts auf etwa 140 000 Euro. - Frank Zacharias

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