Sorgen der Halveraner Landwirte

Landwirte ziehen Fazit nach langer Hitze - es sieht nicht gut aus

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Die Maispflanzen müssten Thomas Wiethege eigentlich überragen, sind im oberen Bereich des Feldes aber nur anderthalb Meter hoch.

Halver - Wegen Schäden durch Hitze und Trockenheit sorgen sich die Halveraner Landwirte um niedrigere Ernteerträge und damit auch weniger Futter für ihr Vieh.

„Aktuell geht es bei allen Bauern um die Frage: Hat es geregnet und wie viel?“, sagt Thomas Wiethege, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands. In WhatsApp-Gruppen tauschen sich die Landwirte über die lokalen Regenmengen aus, die selbst innerhalb Halvers stark variieren. 

Ein paar Regenschauer mehr oder weniger in einer Ortslage können da schon ausschlaggebend sein, ob sich das Weideland noch grün präsentiert oder, wie auch auf Wietheges Hof, gelb und braun verfärbt ist: „Über die Kuhwiese hat man eigentlich den schönsten Ausblick vom Hof, aber jetzt ist es eine Steppenlandschaft.“ So sieht es auf vielen Weiden in Halver aus. 

Am Anfang des Jahres sah es nicht schlecht aus

Dabei sah es, was den Grasschnitt angeht, in diesem Jahr zunächst gar nicht so schlecht aus. „Der erste und zweite Grasschnitt waren sehr gut, es gab auch ausreichend Wasser: Da haben wir eine gute Menge geerntet“, sagt Wiethege. Beim dritten Schnitt – meist sind es pro Jahr vier, in guten Jahren auch fünf – habe man dagegen nur verschwindend geringe Ernteerträge erzielt. Wenn es nicht regne, bleibe das auch so, und um sich zu regenerieren, brauchten die ausgedörrten Flächen auch Zeit. 

Natürliche Quellen sind ausgetrocknet

Durch den niedrigen Grundwasserstand sind selbst einige natürliche Quellen, die weidende Jungtiere sonst als Wasserstellen nutzen, in diesem Sommer ausgetrocknet, sagt Wiethege: „Die älteren Landwirte können sich nicht erinnern, dass das jemals der Fall war.“ Nun habe man tatsächlich das zweite trockene Jahr in Folge, sagt Wiethege: „Voriges Jahr hab ich noch gedacht: Ein Jahr kann man kompensieren.“ Das war auch der Fall. Durch gute Erträge aus 2017 – insbesondere beim Grasschnitt – waren im vergangenen Jahr noch Vorräte vorhanden, die allerdings aufgebraucht wurden. 

Verminderte Qualität: Der Weizen ist früher gereift, hat aber viel zu kleine Körner ausgebildet.

„Teilweise wird jetzt schon die neue Grasernte verfüttert, die eigentlich für den Winter vorgesehen ist“, sagt Wiethege. Neben der Grasernte auf dem Grünland sind die Halveraner Landwirte – überwiegend Milchbauern – auf Silomais als Futterpflanze angewiesen. Im vergangenen Jahr habe der Mais die Futterbilanz noch gerettet, 2019 sehe allerdings nach einem schlechten Maisjahr aus. „Je nach Lage der Felder werden die Erträge deutlich geringer ausfallen“, sagt Wiethege. Erst sei es zu kalt, dann zu trocken gewesen. 

Trockenschäden und zu kleine Maispflanzen

Je nachdem, wie gut die Pflanzen an Wasser aus dem Boden ziehen können, hat sich der Mais sehr ungleichmäßig entwickelt. Im höheren Bereich von Wietheges Maisfeld sind die Blätter dagegen sehr hell – Trockenschäden – und die Maispflanzen insgesamt zu klein. „Der Mais müsste zwei Meter hoch sein, ist aber nur anderthalb Meter hoch“, sagt Wiethege. 

Zum Vergleich: Im unteren Bereich des Feldes, wo talwärts noch etwas Feuchtigkeit vorhanden ist, steht der Mais so hoch und dunkelgrün, so wie er sein sollte. Der Mais hat bereits zu blühen begonnen, die tiefer sitzenden Blütenstände, aus denen sich Kolben entwickeln, sind allerdings bei den kleinen Maispflanzen schlecht oder gar nicht ausgebildet. „Es wird Ecken geben, da werden sich keine Maiskolben bilden“, befürchtet Wiethege. 

Die Ernte werde bei Weitem nicht den nötigen Futterwert haben. Auch der Weizen ist früher reif. „Optisch sieht das Getreide ganz gut aus“, sagt Wiethege, aber der Eindruck täuscht. Für den Weizen habe es in diesem Jahr zu wenig geregnet, wegen Trockenheit und Hitze hat eine Notreife stattgefunden. Das Korn ist somit bereits jetzt reif, deutlich vor der sonst üblichen zweiten Augustwoche, aber die Körner oder vielmehr deren Mehlkörper sind viel zu klein ausgebildet. 

„Das hat keine Backqualität, sondern nur eine schlechte Futterqualität“, sagt Wiethege. Die Erträge werden somit deutlich geringer ausfallen, allerdings spiele das Getreide für die Milchbauern eine weniger große Rolle als Gras und Mais. Gegen die Trockenheit und ihre Folgen könnten die Landwirte wenig ausrichten. Technik zur Bewässerung der Flächen sei nicht vorhanden und wegen der topografischen Gegebenheiten ohnehin schwierig, sagt Wiethege. 

Viehbestand reduzieren

Viele unterschiedliche Früchte anzubauen, wie teils empfohlen, sei für die Landwirte in Halver kaum eine Alternative, dass sie auf den Anbau der Futterpflanzen, insbesondere Mais, angewiesen seien. Da die Landwirte weniger Futter aus eigenem Anbau zur Verfügung hätten, blieben ihnen nur zwei Möglichkeiten, sagt Wiethege. „Sie können ihren Viehbestand reduzieren, aber da viele Landwirte das bereits tun, gibt es bei Viehhändlern ein großes Überangebot, die Viehpreise sind entsprechend niedrig.“ Die andere Möglichkeit wäre der Zukauf von Futter. Da es in großen Mengen über weite Strecken transportiert werden müsste, wäre das für die Landwirte sehr kostspielig, so Wiethege.

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