Im Lidl-Markt zugeschlagen - und erwischt worden

Zigaretten für 826 Euro geklaut: Deshalb muss der Langfinger nicht in Haft

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Der Mann aus Herne hatte in Halver mehr als 100 Zigarettenschachteln gestohlen.

Halver – Nur mit seinem Anwalt wollte ein 42-jähriger Angeklagter aus Herne im Amtsgericht Lüdenscheid verhandeln. Der allerdings hatte sein Mandat längst niedergelegt.

Und die Regeln waren eindeutig: „Nur bei schweren Straftaten gibt es einen Pflichtverteidiger“, erklärte ihm Richterin Kristina Thies und verwies auf vorhandene Vorerfahrungen des Angeklagten: „Das ist doch nicht das erste Mal, dass Sie vor Gericht stehen!“

Mag sein, dass seine fünfköpfige Familie mit rund 1700 Euro Familieneinkommen plus Kindergeld eher knapp bei Kasse war. Da seine Frau das Geld verdiente, hatte der 42-Jährige möglicherweise zuviel Zeit, um nicht auf dumme Gedanken zu kommen. Am 19. Juni 2018 tauchte er jedenfalls in Halver auf, wo ihn eine Verkäuferin des Lidl-Marktes beim Plündern des Zigarettenregals erwischte.

Die Zeugin vermutete, dass noch weitere Personen an dem Trickdiebstahl beteiligt waren: „Eine Person sprach mich an, um mich von anderen Personen abzulenken“, erinnerte sie sich. Der Angeklagte sei schließlich geflüchtet, wobei seine mit Zigarettenschachteln gefüllten Sporthosen ständig runtergerutscht seien.

Die weitere Verfolgungsjagd übernahm ein zufällig anwesender Polizeibeamter, der allerdings nicht im Dienst und deshalb unbewaffnet war. „Ich hatte eigentlich Urlaub“, erklärte er. Weil er sich diesen Urlaub „nicht versauen“ wollte, hielt er ein paar Meter Abstand von dem Flüchtenden, der auf dem Weg in Richtung Stadtmitte erst die Zigarettenschachteln wegwarf und dann in der Nähe der Nicolai-Kirche aufgab.

Gewerbsmäßiger Diebstahl

Nun kamen diensthabende Polizisten zum Zuge. Passanten sammelten derweil die Zigarettenschachteln auf und brachten mehr als 100 Schachteln Lucky Strike, Marlboro, Pall Mall und L&M zurück. Ihr Gesamtwert lag bei 826 Euro.

Der Verfolger nährte den Verdacht, dass mehrere Personen zusammengearbeitet hatten bei dem Diebstahl: An der Elberfelder Straße habe er ein Fahrzeug beobachtet, dessen Insassen Signale mit dem Flüchtenden ausgetauscht hätten, erinnerte sich der Zeuge. Das Kennzeichen dieses Fahrzeugs führte allerdings nur zu einem Halter, der für die Zeit des Diebstahls ein Alibi an seinem Arbeitsplatz hatte.

Der Angeklagte, der zunächst hartnäckig geschwiegen hatte, gab nach Anhörung der Zeugen zu, dass er an jenem Tag in Halver gewesen sei. Ein Geständnis legte er allerdings nicht ab. Seine Bitte um eine Geldstrafe deutete allerdings darauf hin, dass er ziemlich genau wusste, worum es ging.

Nach seinem als „gewerbsmäßig“ eingeordneten Diebstahl und diversen Vorstrafen kam aus Sicht der Richterin nur eine Haftstrafe in Betracht: Sechs Monate wurden es letztlich, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Die letzte Verurteilung stamme aus dem Jahr 2015, und laufende Bewährungen habe der Angeklagte immer durchgestanden, begründete die Richterin das Urteil.

Um ihm einen sinnvolleren Tagesablauf zu verschaffen, verordnete die Richterin dem Angeklagten zudem 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

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