Hunde des Hegerings im Einsatz

Hund holt Ente aus Teich - das hat einen besonderen Grund

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Apport aus dem Teich: Die Hunde müssen Witterung aufnehmen und die Ente dann aus dem Wasser holen.

Halver - Ein Hunde holt eine Ente aus einem Teich. Der Grund dahinter ist besonders: Training ist das Ziel. 

Ein Stammtisch im herkömmlichen Sinne ist der Hundestammtisch des Hegerings Halver nur im Winter. Dann trifft man sich, tauscht sich zu jagdlichen Themen aus, hat ab und zu auch Gäste zu Vorträgen eingeladen, etwa zur Ersten Hilfe bei Jagdhunden. Im Frühjahr und im Sommer dagegen treffen sich die Mitglieder des Stammtischs in den Jagdrevieren, damit ihre Hunde im Training bleiben.

Um eine Hundeschule handle es sich dabei nicht, sondern um ein privates Treffen, betont Kai Schönnenberg, Obmann fürs Hundewesen beim Hegering Halver. Den Stammtisch gibt es inzwischen im sechsten Jahr. „Er ist entstanden, weil wir gesagt haben: Wir müssen mit den Hunden im Sommer irgendwas tun.“ 

Fähigkeiten nicht verlernen

Denn bis die Stöber- und Treibjagden im Herbst wieder beginnen, sollen die Hunde ihre Fähigkeiten nicht verlernen. „Wir treffen uns einmal in der Woche, damit die Hunde in der jagdfreien Zeit beschäftigt bleiben und ihre Sozialkontakte mit den anderen Hunden pflegen und nicht nur daheim mit Herrchen und Frauchen beschäftigt sind.“

Das Apportieren einer Ente wird erst noch im Trockenen geübt.

Witterungsabhängig starten die Treffen Ende April oder Anfang Mai. „Die aktive Phase endet im Oktober mit einer kleinen Prüfung, dem Günther-Born-Preis.“ Benannt ist er nach dem Hundeführer, der den Hegering jahrzehntelang mitgeprägt hat. Bei der Prüfung zeigen die Hunde noch einmal all das, was sie schon für die jagdliche Brauchbarkeitsprüfung gelernt haben. Diese jagdlichen Fähigkeiten stehen auch im Zentrum der regelmäßigen Stammtisch-Treffen im Wald. „Wir machen das immer abwechselnd in den Revieren, damit die Belastung und Störung für ein Revier nicht so groß sind“, erklärt Schönnenberg. Ein weiterer Grund: Bei den Hunden soll sich kein Lern- und Gewöhnungseffekt einstellen. „Nicht dass die Hunde denken: Hier ist Trainingsgelände, hier muss ich gehorchen und sonst nicht.“ 

Stöber- und Allzweckhunde

An diesem Abend trifft man sich im Revier Halver-Mark. In der WhatsApp-Gruppe, über die man sich organisiert, sind insgesamt 15 Personen, den Kern bilden etwa zehn Hegeringsmitglieder. Heute ist die Gruppe ferienbedingt nur zu fünft, mit dabei sechs Hunde. Vier davon sind Wachtelhunde, Georg Brüser-Pieper gehört einer davon: „Das sind Stöberhunde, aber auch Allzweckhunde.“ 

Thomas Bette hat zwei Bretonen dabei, Vorsteherhunde. „Das sind kleine praktische Hunde, die relativ leicht abzurichten sind, wenn man sich nicht verarschen lässt.“ So steht auch eine Gehorsamsübung als erstes auf dem Programm. 

„Das sieht für Außenstehende etwas albern aus“, gibt Schönnenberg zu. „Erwachsene Männer gehen mit Hunden im Kreis.“ Tatsächlich gehen die Männer vom Hegering mit ihren Jagdhunden mal mit, mal gegen den Uhrzeigersinn, dann bleiben drei von ihnen stehen, während einer sich mit seinem Hund im Slalom hindurchschlängelt. Für einen Laien ist nicht erkennbar, was die Hunde dabei lernen sollen. Sie sollen die Richtungswechsel mitmachen, nicht an der Leine ziehen und vor allem auf den Hundeführer achten, damit der sich bei der Jagd nicht auf den Hund konzentrieren muss.

Bei der Jagd ist es in der Regel still - auch der Hund 

Die Hunde lernen außerdem auf Zeigesignale statt auf gerufene Befehle zu gehorchen, denn bei der Jagd ist es in der Regel still, erklärt Heiko Hüttebräucker. „Und es geht darum, dass die Hunde in engen Kontakt kommen und nicht übereinander herfallen“, sagt Thomas Bette. Die Hunde sollen dabei nicht nur sich akzeptieren, sondern auch, dass die anderen Jäger ihnen und ihrem Herrchen sehr nahekommen können. Dabei müssen sie entspannt bleiben. Auch Störgeräusche wie aufeinandergeschlagene Hölzer sollen sie möglichst ignorieren. 

Der Hundestammtisch in kleiner Besetzung: Kai Schönnenberg, Georg Brüser-Pieper, Heiko Hüttebräucker und Thomas Bette (von links) mit ihren Hunden.

Bei den sechs Hunden, die heute dabei sind, ist das kein Problem, die meisten sind sehr erfahren und entsprechend gelassen. „Man sieht, dass mit den Hunden viel gearbeitet wird“, sagt Hüttebräucker. Häufig wird zum Trainieren der Nachsuche eine Schweißfährte mit Rinderblut gelegt, der die Hunde dann folgen müssen. Heute ist das nicht Teil des Stundenplans, sondern es geht um den Apport einer Ente, erst einmal als Trockenübung. Abwechselnd platzieren die Jäger die Ente in einigen Metern Entfernung – mal mehr, mal weniger offensichtlich – und lassen die Hunde Witterung aufnehmen. Apportieren dürfen sie aber erst aufs Kommando. 

Aufgetaute Ente in der Schnauze

Am Anfang tun sich die Hunde noch ein bisschen schwer, die Ente – vor acht Stunden aufgetaut – fühlt sich in der Schnauze noch ungewohnt kalt an. Nachdem alle Hunde an der Reihe waren, geht es darum, die Ente aus einem Teich zu apportieren. Kai Schönnenberg wirft sie einige Meter vom Ufer entfernt ins Wasser, sodass der Körper halb verborgen von einem herabhängenden Ast vor sich hindümpelt. Für jeden Hund wird das Ganze wiederholt. 

Bei der Gehorsamsübung werden die Hunde zunächst im Kreis geführt.

Der Hund wird von der Leine gelassen und läuft am Ufer entlang, um die Witterung der Ente aufzunehmen. Der Geruch der Ente trifft manche Hunde so schlagartig, dass es aussieht, als wären sie in ein unsichtbares Hindernis gerannt. Schlagartig reißen sie ihren Körper mitten im Sprint herum und springen ins Wasser. Wenig später schleppen sie dann die nasse Ente an Land und übergeben sie ihrem Herrchen. 

Wichtig dabei ist, dass sich der Hund erst danach das Wasser aus dem Fell schüttelt. „Es kommt nicht selten vor, dass ein Hund auf der Jagd eine Ente aus dem Wasser holt, die noch nicht tot ist“, erklärt Thomas Bette. Wenn der Hund sich schüttelt, könnte die Ente doch noch entkommen und sich, verletzt wie sie ist, noch lange quälen. Den Hunden den Schüttelreflex abzugewöhnen, sei eine Frage der Übung. Dass Jagdhunde für die Brauchbarkeitsprüfung nach der Novellierung des Jagdgesetzes nun wieder eine lebende, flugunfähig gemachte Ente apportieren müssen, müsste aus Schönnenbergs Sicht allerdings nicht sein. „Das macht keinen Spaß, denn das ist auch ein Tier.“ 

Geformt wird der Hund durch die Jagd

Geformt werde der Hund ohnehin durch die Jagd. Und trainiert wird im Sommer – außer bei großer Hitze – eben beim Stammtisch. „Solche Übungen wie hier, diese Mühe mit den Hunden zu trainieren – das hätte man vor 20, 30 Jahren nicht gemacht“, sagt Schönnenberg. „Da ist das nur über die Knüppelschiene gegangen.“ Da habe aber ein Umdenken stattgefunden. Viele belohnen den Hund mit Leckerchen, für Schönnenbergs Hund ist es das Größte, wenn er in Herrchens Arme springen darf. 

Ganz ohne Knüppel geht es aber an diesem Abend trotzdem nicht, denn einer von Schönnenbergs Hunden holt beim ersten Versuch einen großen Ast aus dem Teich anstelle der toten Ente. Der Hunde-Obmann nimmt es mit Humor: „Das kommt davon, wenn die Tochter zu häufig Stöckchen suchen mit ihm spielt.“

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