Hundebesitzer müssen vorsichtig sein

Mahnung an Hundehalter: Leine rettet Leben

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Zahmes Raubtier: Findet ein Hund beim Herumstöbern ein Kitz, folgt er meist seinen Instinkten und beißt zu.

Halver - In der momentanen Setzzeit sind viele Rehkitze im hohen Gras oder im Dickicht verborgen. Deswegen sollten Hundebesitzer besonders vorsichtig sein, wenn sie mit ihren Tieren in der Natur unterwegs sind, rät der Hegering Halver. Mit Anleinen allein ist es aber nicht getan.

Während der Setzzeit, die etwa von Mitte April bis Ende Juni dauert, bringen Wildtiere in Wald und Feld ihren Nachwuchs zur Welt. „Wie alle frisch geborenen Lebewesen sind auch die wilden Tierkinder auf Schutz und Fürsorge angewiesen“, sagt Thomas Bette, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering. Dafür sorgt das Muttertier, das meist nicht weit vom Nachwuchs entfernt ist. „Deshalb sollten Menschen stets die Finger von vermeintlich verlassenen Junghasen oder Rehkitzen lassen.“ 

Die heimischen Wildtiere sorgen auf unterschiedliche Weise für den Schutz ihres Nachwuchses. Junge Wildschweine können bereits jetzt im Mai über längere Strecken den Bachen folgen, die zudem wehrhaft und gut in der Lage sind, den Frischlingen Schutz gegen alle möglichen Gefahren zu bieten. Anders ist es bei Hase und Reh, die sich möglichst wenig bewegen und möglichst wenig Witterung abgeben, um nicht aufzufallen. 

Hinzu kommt die tarnende Fellzeichnung. „Kitze sind hervorragend getarnt, sie verschmelzen quasi mit ihrer Umwelt“, sagt Bette. Ein Hundehalter könne sie beim Spaziergang kaum entdecken, ihr Hund aber schon, wenn man ihn abseits des Weges herumstöbern lässt. 

Aktionsradius des Hundes einschränken

„Eine Leine rettet Leben und verhindert Probleme“, sagt Bette deshalb. Den Hund während der Setzzeit an die Leine zu nehmen, wenn man in Wald und Feld unterwegs ist, reiche allerdings nicht aus. „Man muss den Aktionsradius des Hundes einschränken.“ Sonst sei in einem Streifen von doppelter Leinenlänge jedes Kitz verloren, wenn der Hundebesitzer durchs Feld läuft. 

Gebe man dem Hund an der Feldleine beispielsweise 15 Meter Spielraum, sei das 30 Meter breiter Streifen, in dem der Besitzer nicht alles überblicken kann, was der Hund etwa im hohen Gras macht. „Wenn der Hund zehn Meter neben Ihnen ein Kitz findet, hat der Hund zuviel Spielraum, da können Sie nichts mehr machen“, sagt Bette. 

Anleinen allein reicht nicht: Auch der Aktionsradius des Hundes muss eingeschränkt werden, sagt Thomas Bette vom Hegering Halver.

Auch ein zahmes Raubtier folge dann seinem Instinkt und versuche das Kitz zu reißen. Das habe keine Chance, sich zu wehren. Ob die Mutter noch zur Hilfe eilen kann, hält Bette für fraglich: „Auch wenn die Ricke manchmal todesmutig gegen einen Fuchs ankämpft, der das Kitz zu reißen versucht, und ihn mit Schlägen der scharfkantigen Schalen an den Vorderläufen verletzen und vertreiben kann – gegen einen großen Hund wird sie sich nicht stellen.“ 

Die meisten Hundehalter, die ihren Hund an einer zu langen oder gar ganz ohne Leine in der Natur laufen ließen, handelten aus Unbedacht, machten sich die Konsequenzen nicht bewusst. „Die Meisten können sich nicht vorstellen, dass ihr liebes Tierchen ein Rehkitz reißt.“ 

Wo werden Kitze abgesetzt?

Wer mit Hund in der Natur unterwegs ist, sollte insbesondere an den Orten besonders vorsichtig sein, an denen Ricken bevorzugt ihre Kitze absetzen. Dies sei insbesondere in einer Entfernung von 30 bis 50 Metern vom Waldrand der Fall. Dort finde man die Kitze am häufigsten, weil sie da gut erreichbar seien für die Ricken. Aber auch andere Stellen sind zum Absetzen des Nachwuchses beliebt.

 „Überall dort, wo besondere Strukturen da sind, zum Beispiel Verjüngungsinseln im Wald oder Feldholzinseln im Feld“, erklärt Bette. „Dort wo es Blickschutz gibt und die Tiere schnell das Gelände wechseln können, haben sie mehr Fluchtoptionen.“ Auch für andere Tierarten – etwa bodenbrütende Vogelarten wie Waldschnepfe, Feldlärche order Zaunkönig – ist ein gutes Versteck der einzige Schutz vor Raubtieren, denen sie sonst hilflos ausgeliefert sind, wenn diese sie aufstöbern. 

Es sei allerdings ein Unterschied, ob Fuchs, Marder oder Wildschwein sich über ein Gelege hermachen, oder Hund und Katze, sagt Bette. „Im ersten Fall greifen die Gesetze der Natur und der Tod des Jungtiers dient einem anderen Jungtier als Starthilfe ins Leben. 

Unachtsamkeit des Tierbesitzers

Im zweiten Fall ist es Unachtsamkeit des Tierbesitzers, denn das Kitz oder der Jungvogel stirbt allein zur Instinktbefriedigung des Haustiers.“ Um unbeabsichtigte Opfer unter Jungtieren zu verhindern, versuchen Landwirte, ihren Terminkalender mit den Jägern abzustimmen, um diesen das Absuchen der Felder vor der Mahd zu ermöglichen. „Die Jäger stellen am Vorabend der Mahd nervende Geräte in die Wiesen, um mit Pfeiftönen und Blinklampen die Ricken zu veranlassen, ihre Kitze in den sicheren Wald zu bringen“, erläutert Bette. „Tausende Jungtiere sind im Lauf der Jahre so gerettet worden.“ 

Diese Maßnahmen seien aber Makulatur, wenn sich Besucher in der Natur rücksichtslos verhielten, seien es nun querfeldein rasende Mountainbiker, Wanderer, die abseits der Wege unterwegs sind, oder Hundebesitzer, die ihren Hund ohne oder an der zu langen Leine laufen ließen. „Wir Menschen sind beim Spaziergang in der Natur nur zu Gast und sollten uns den Tieren gegenüber, die dort leben, auch wie Gäste verhalten“, sagt Bette.

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