Auswirkungen des Hitzesommers: Manche Tiere profitieren

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Es gibt Tierarten, die vom trockenen Sommer durchaus profitierten: So etwa der Eisvogel, für den es ein Leichtes war, Fische in flachen Gewässern zu fangen.

Halver - Der Hitzesommer hat zu hohen Ernteausfällen in der Landwirtschaft geführt, auch in den Wäldern gab es Trockenschäden. Doch welche Auswirkungen hatte die Dürre auf Wildtiere in und um Halver? Thomas

Bette und Mark Holthaus vom Hegering Halver glauben nicht, dass Wildtiere zu wenig Nahrung finden. „Man muss da schon zwischen den einzelnen Tieren, Habitaten und der Vegetation unterscheiden“, sagt Bette, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering Halver. „Die Tiere haben alle eigene Konzepte und Strategien für verschiedene Situationen wie Trockenheit oder Frost.“

Eichhörnchen finden ausreichend Futter

Die Befürchtung, dass beispielsweise Eichhörnchen zu wenig Futter für ihre Wintervorräte finden könnten, teilt er nicht. Die Menge an Eicheln sei in diesem Jahr schon beachtlich, sagt Bette. Diese Einschätzung teilt auch Holthaus, beim Hegering zuständig für Naturschutz und Biotoppflege: „Die Eicheln fallen dieses Jahr aber etwas früher und sie sind auch etwas kleiner.“ Die Menge an Futter sei allerdings ausreichend für die Tiere. „Die meisten Eicheln, die die Eichhörnchen verbuddeln, vergessen sie eh.“ Er glaubt nicht, dass die Tiere als Spätfolge des langen, trockenen Sommers im Winter Hunger leiden.

Da der Wald Wasser besser halte als landwirtschaftliche Böden, gebe es auch keinen richtigen Wassermangel, sodass die Tiere Gefahr liefen zu verdursten, erklären die Obmänner. „Rehe nehmen Flüssigkeit vor allem aus dem Frühtau und aus der Nahrung auf und trinken fast gar nicht“, sagt Holthaus. Nur wenn es lange trocken sei, könne man sie an Wasserstellen beim Trinken beobachten. Dies könne aber auch mit der Brunftzeit zusammenhängen, die bei Rehen ebenfalls in den Sommer fällt.

Wildschweine richten weniger Schäden an

Bei Wildschweinen sei auffällig, dass es in diesem Jahr weniger Wiesen- und Maisschäden gegeben habe, sagt Bette. „Vielleicht weil sie sich hauptsächlich ins Waldinnere zurückgezogen haben.“ Möglicherweise hätten sie sich dorthin verlagert, wo sie trinken und sich suhlen können, etwa in die Nähe von Talsperren.

Mark Holthaus ist Obmann für Naturschutz und Biotoppflege beim Hegering Halver.

Doch Bette hat noch eine weitere Vermutung zum Rückgang der Wiesen- und Maisschäden durch Wildschweine: Wegen der Trockenheit seien die Engerlinge, nach denen die Schweine gerne wühlen, in tiefere Bodenschichten gegangen, wo die Schweine sie nicht mehr riechen oder erreichen können. Und wenn es auf einer Wiese oder einem Feld nicht gut nach Engerlingen rieche, dann gingen die Wildschweine auch nicht hinein.

Hunger habe das Wild aufgrund der Trockenheit nicht gelitten. „Das Gewicht des geschossenen Wilds ist wie in anderen Jahren“, sagt Holthaus.

Trockenheit zog auch Vorteile nach sich

Im Gegenteil, für Wildschweine war das Wetter in diesem Jahr sogar von Vorteil. „Bei schlechtem Wetter, insbesondere im Frühjahr, sterben Frischlinge an Unterkühlung“, sagt Bette. Auch viele Hasenjunge würden bei der Kälte im Frühjahr erfrieren, aber das sei in diesem Jahr nicht der Fall gewesen. In diesem Jahr gebe es daher viele Hasen, sagt auch Holthaus.

„Es gibt sicherlich auch Profiteure dieses Sommers“, sagt Bette. Zu diesen zählen die Eisvögel. „Die kleinen Fische, von denen sie sich ernähren, schwammen wegen der Hitze in kleinen Pfützen – die Eisvögel hatten es also leicht.“

Anders sei es bei den Tieren, die sich von Amphibien und wassergebundenen Insekten ernähren. Störche beispielsweise, die sich unter anderem von Fröschen ernähren, könnten es infolge der Hitzewelle schwerer gehabt haben, sagt Bette. Im Halveraner Gebiet seien allerdings keine Nistplätze von Störchen bekannt, sodass sich das nicht nachprüfen lasse.

Da Vögel viel Flüssigkeit aus gefangenen Insekten aufnehmen, hätten sie vor allem dann ein Nahrungsproblem, wenn es zu wenige Insekten gibt, sagt Holthaus. Durch das Anlegen der Blühstreifen habe sich das Nahrungsangebot für Insekten, und dadurch wiederum das für Vögel verbessert. „Da haben wir schon einen positiven Effekt bemerkt“, sagt Holthaus.

So kann Tieren geholfen werden

Wer Vögeln etwas Gutes tun will, kann ihnen – gerade auch in der Stadt – Töpfchen oder Schalen mit Wasser hinstellen, erklärt Hegering-Sprecher Thomas Bette. Diese sollten aber flachrandig sein, sodass die Tiere wieder herauskommen. Das Beste sei aber, ihnen ihre Rückzugsräume zu lassen: „Um die Stellen, von denen man weiß, dass sie sich dort aufhalten, sollte man einen Bogen machen und allgemein auf den Wegen bleiben.“ Wenn die Tiere selbst in den Wintermonaten noch flüchten müssen, kostet sie das sehr viel Energie. Um die Lebensraumbedingungen für Wildtiere zu verbessern und ihnen Rückzugsräume zu schaffen, plant der Hegering in diesem Herbst wieder Biotopmaßnahmen. Während in den vergangenen Jahren Hecken und Obstbäume gepflanzt wurden, sollen diesmal zwei Teiche renaturiert werden. „Sie sollen entschlammt werden, damit dort wieder etwas wächst und sich dann auch Enten dort ansiedeln können“, erklärt Hegering-Mitglied Holthaus. Die Teiche befinden sich in der Nähe von Buschhausen und in Stöcken.

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