Hausmeister in leeren Schulen

Den guten Seelen fehlen die Schüler: Hausmeister im Lockdown

Hausmeister Birgit Ecks Halver Lindenhofschule
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Birgit Ecks unterwegs mit Eimer und Zange: Die Hausmeisterin sammelt Müll rund um die Lindenhofschule auf.

Schulhausmeister kümmern sich um die Schulen. Sie kümmern sich aber auch um die Schüler. Sie sind die guten Seelen. Die, die immer da sind. Auch wenn die Schulen leer sind.

Halver – Sie schreien auch mal über den Flur: „Nicht rennen.“ Aber was machen die Hausmeister derzeit in den fast leeren Schulen? Ein Blick in die Lindenhofschule und Humboldtschule.

Nach ihrem 60. Geburtstag wurde es still an der Lindenhofschule

Es war der 10. März 2020, als Birgit Ecks 60 Jahre alt wurde. Die Hausmeisterin der Lindenhofschule erinnert sich besonders gut an diesen Tag. Denn es war der letzte, an dem an der Grundschule gesungen wurde – ihr zu Ehren. Dann wurde es still. Während die Schüler heute, bis auf rund 40, alle zu Hause sind, ist Birgit Ecks jeden Tag ab 7 Uhr an der Schule die erste.

Sie macht das Licht an, macht ihren Rundgang wie immer und sucht sich dann Arbeit. „Wenn man arbeiten will, findet man immer etwas“, sagt die Halveranerin. Handwerker sind im Haus, weil es einen Rohrbruch in der Mädchentoilette gab. Kleinigkeiten, für die sie sonst weniger Zeit hat, geht sie jetzt an. Als Schnee lag, räumte sie den Weg zur Schule und streute die Treppenstufen für die wenigen Lehrer und Schüler. Es ist ruhiger, keine Frage.

Nach einer Krankheit im vergangenen Sommer hatte die Hausmeisterin eine Zeit lang keine Stimme. Geduld sollte sie haben, sagte ihr Arzt. Das fiel ihr schwer. Auch jetzt fehlt ihr die Normalität in der Schule. „Einfach das Selbstverständliche“, sagt sie. Sie ist nicht der Typ für diese Ruhe.

Rund um die Schule verändert sich nichts

Unverändert hingegen bleibt der Bereich rund um die Schule. Jetzt, wo der Schnee getaut ist, kommt vieles ans Licht, sagt sie. Zeit also, sich einen Eimer zu schnappen, Handschuhe anzuziehen und mit der Zange den Müll einzusammeln. Wodka-Flaschen, Orangensaftverpackungen, Zigaretten. „Die Jugend macht keine Pause“, sagt sie. Das war schon vor Corona so, und es verwundert sie nicht, dass sich die Jugendlichen auch jetzt noch rund ums Schulgebäude treffen. „Wenn sie den Müll wenigstens in den Mülleimer schmeißen würden.“ Aber die Scherben liegen überall verteilt.

Bestimmte Ecken gibt es auch. Die zwischen den großen Papiermüll-Containern wird gerne als Toilette benutzt. „Die lassen mir hier ihr großes Geschäft zurück.“ Das Ordnungsamt weiß Bescheid, es ist nichts Neues. Größere Gruppen wurden an der Mittelstraße schon häufiger aufgelesen und Corona-bedingt ohnehin getrennt. Manchmal treffen sie sich schon um 16 Uhr, sagt Ecks. Und manchmal geht sie extra abends noch mal zur Schule, um sie eventuell zu erwischen. „Aber das ist meine Freizeit“, sagt sie. Nein, sie will lieber wieder die schönen Dinge des Alltags haben. Flure voller Kinder, Schulranzen, wo sie nicht hingehören, und im März vielleicht ein Lied zum 61. Geburtstag.

Er würde gerne wieder zur Nomalität übergehen

Ähnlich ist es an der Humboldtschule. Michael De Vuyst würde jetzt gerne auch wieder zur Normalität übergehen, sagt er. Auch an der Sekundarschule sind noch einige Kinder in den Klassen verteilt. Sie ermahnt er nicht, weil sie rennen, sondern weil sie vielleicht mal ihre Maske nicht richtig tragen. „Das ist ein Dauerthema hier“, sagt der Hausmeister. Lieber würde er ihnen andere Dinge hinterherrufen, aber auch für diese Sicherheit ist er mitverantwortlich.

Michael De Vuyst, Hausmeister der Humboldtschule.

Auch an der Humboldtstraße sind die Handwerker in der Schule. Ganz praktisch, dass die Klassenräume leer sind. Es stehen Restarbeiten nach dem Einbau der neuen Fenster an. Es muss verputzt und gestrichen werden. Wenn die Schüler wiederkommen, ist alles fertig. „Es gibt vieles zu tun.“

Wie an der Lindenhofschule auch, sitzen Jugendliche oft auf dem Schulhof unter der Überdachung. Das Tor zum Hof ist geöffnet, damit der Winterdienst reinfahren kann. Neben Schnee müssen daher auch schon mal Pizzakartons und Getränkeflaschen weggeräumt werden.

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