Literarische Zeitreise ins Halver des 19. Jahrhunderts

Drei historische Bücher hat Harald Rediger bereits neu aufgelegt, mit „Zur Geschichte Halvers“ folgt nun das vierte. Zugleich Festschrift zum 60-jährigen Bestehen des Landwehrvereins, beleuchtet es auch die Amtszeit von Wilhelm Schmidt. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Alles fing mit dem Geigenbau an. Besser gesagt: mit Julius Vahlefelds Beschreibung dessen. „Der Bau erstklassiger Meistergeigen“ von 1944 war vor elf Jahren das erste historische Buch eines Halveraner Autors, das der gelernte Schriftsetzer Harald Rediger neu aufgelegt hat. Es sollte nicht das einzige bleiben: Jetzt bringt der Halveraner zum vierten Mal eine Neuauflage heraus.

Dabei nimmt sich Rediger nach der Wiederauflage von „Aus der Vorzeit Halvers“ erneut einen Titel Justus Schellewalds vor: „Zur Geschichte Halvers“ erschien erstmals 1902 als Festschrift zum 60-jährigen Bestehen des Landwehrvereins. Darin versucht Schellewald „darzulegen, wie vaterländischer und kommunaler Sinn sich in dieser Zeit bethätigen und Halver zu schönster Blüte brachten“, wie der Autor im Vorwort erklärt. Breiten Raum nimmt dabei auch das Wirken des einstigen Amtmanns Wilhelm Schmidt, der 1815 zum Bürgermeister Halvers ernannt wurde. In den darauf folgenden Jahren, so wird in Justus Schellewalds Rückblick deutlich, hat er sich dann auf vielen Gebieten einen Namen gemacht – und als Vordenker erwiesen, wie Harald und seine Frau Heidrun Rediger bei der Lektüre festgestellt haben. Unter anderem zeichnete Schmidt laut Schellewald für den Bau der Straßen nach Lüdenscheid und Radevormwald verantwortlich. Auch im sozialen Bereich habe er viel geleistet. „Da ist es schon erstaunlich, dass wir etwa eine Von-Vincke- oder Thomasstraße haben, aber keine, die nach Amtmann Schmidt benannt ist“, wundert sich Harald Rediger.

Die detaillierte Beschreibung des Schmidtschen Wirkens war eine von vielen wertvollen Informationen, die die Redigers bei der Arbeit an der Neuauflage erhielten. Zu verdanken ist das der engagierten Recherche Schellewalds, der seinerzeit die Archive in Halver, Altena, Münster und Düsseldorf durchforstete. Der einstige Leiter der Rektoratsschule sammelte Urkunden, Protokolle, Akten und Dokumente. Nun hofft das Ehepaar Rediger, mit dem 118-seitigen Werk allen geschichtsinteressierten Halveranern erneut Lesestoff zu liefern, der sich auch als Weihnachtspräsent eignet. Der Ansturm auf die zuletzt herausgebrachten Bücher zeige aber, dass die Geschichte der Stadt im Grünen nicht nur von Älteren gerne gelesen wird. „Das Interesse zieht sich durch alle Altersgruppen“, sagt Harald Rediger, der sich noch gut an die Resonanz auf das Buch „Das alte Halver“ von Dietrich Pälmer erinnert, das im Original 1957 erschienen ist und von Rediger vor zwei Jahren neu aufgelegt wurde: „In einer Stunde waren die 25 Bücher der Erstauflage weg.“

Dabei macht Harald Rediger (70), der vor seinem Ruhestand als Schriftsetzer in der Druckerei Bell arbeitete, keinen Hehl aus einer großen Portion Idealismus, die ihn antreibt. „Ich streiche mit dem Verkauf keine großen Gewinne ein“, sagt der Halveraner, der aber seit den „Meistergeigen“ von Julius Vahlefeld Gefallen an alten „Schätzen“ gefunden hat. Bei Rediger entstehen die Bücher noch in Handarbeit: Lektorat, Bindung und Layout liegen in Redigers Händen. Letzteres orientiert sich natürlich eng an den Originalen, im aktuellen Fall hat sich Harald Rediger jedoch für eine Aufwertung durch historische Aufnahmen entschieden, um „Bleiwüsten“ – also durchweg lange Textpassagen – zu vermeiden.

Die Neuauflage „Zur Geschichte Halvers“ kostet 19,90 Euro und kann unter Telefon 02353/10345 oder per E-Mail an h.rediger@t-online.de bestellt werden. ▪ Frank Zacharias

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