Harald und Heidrun Rediger retten Bücher Halveraner Heimat-Autoren

Die Buchmanufaktur in Halver: Wichtige Bücher neu belebt

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Halver - Es gibt Bücher, die wichtig sind und die in keiner Bestsellerliste auftauchen. Der Halveraner Pfarrer Ewald Dresbach, Ehrendoktor der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster, hat einige davon geschrieben. Um ihre Rettung – und auch die anderer Heimat-Autoren – kümmern sich Harald und Heidrun Rediger aus Halver.

„Die Geschichte der Grafschaft Mark im Abriß“ ist eines von den Büchern, die Harald und Heidrun Rediger retten. Ein Original der Arbeit, erschienen im Jahr 1920, ist nicht mehr zu bekommen. Pfarrer Ewald Dresbach skizziert darin auf gut 100 kleinformatigen Seiten die Geschichte von Politik, Wirtschaft und Kultur seiner Heimat, in der er am 3. Januar 1854 in Waldbröl zur Welt kam, in der er in Halver von 1888 bis 1925 als evangelischer Pfarrer wirkte und wo er am 1. Juni 1946 verstarb. 

Dass es das Buch, immerhin Referenzwerk für viele spätere Heimatforscher, wieder in gedruckter Form gibt, hat etwas zu tun mit den Halveraner Eheleuten Harald und Heidrun Rediger. Im Format 17 mal 25 Zentimeter, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen, bebildert und in moderner Schrift, haben sie die Neuauflage als Nachdruck hergestellt. Jedes Exemplar ein Unikat. 

„Ich mache Ihnen eines“,verspricht Harald Rediger auf die Frage des Reporters, ob er bereits ein Exemplar kaufen könne. Denn die Auflage ist klein. Sie geht an Stammkunden und Interessierte, die sich bei ihnen melden, eines auch immer gratis ans Stadtarchiv Halver, das den beiden bei ihren Projekten hilft. 

Das Einzigartige aber ist am vielleicht kleinsten Verlag Deutschlands: Alles entsteht in den eigenen vier Wänden. Die Erfassung der Texte geschieht im Idealfall am Scanner, doch wenn es um Frakturschrift oder handschriftliche Manuskripte geht, versagt die Elektronik. „Antiqua kann er lesen, Fraktur nicht.“ Dann wird teilweise mühsam entziffert, Begriffe werden recherchiert und es wird abgetippt. 

Danach passiert das, was die Redigers so richtig können. Beide sind gelernte Schriftsetzer, ausgebildet im Bell-Verlag „im schönsten Beruf der Welt“, wie beide nach mehr als 50 Berufsjahren sagen. Sie können layouten und wissen, wie Schrift wirkt. Was aus dem Laserdrucker kommt, ist Profiarbeit. Den Seitenschnitt übernimmt für sie Peter Bell, der sie auch mit seinem mächtigen Bildarchiv unterstützt. Und wenn die fertigen Seiten vorliegen, korrekturgelesen von Heidrun Rediger, macht ihr Mann daraus die Bücher. 

Das Buchbinden hat er sich selbst angeeignet in Kursen und durch Üben. „Man arbeitet handwerklich, künstlerisch und gestalterisch“, sagt Harald Rediger über seinen Beruf, den er mit Eintritt ins Rentenalter zu mehr als einem Hobby gemacht hat. Spricht man mit den beiden, geht es schnell um Fachbegriffe wie ein „Altarfalz“ in der Buchmitte, um Schriftgrößen und die Entwicklung eines Berufs, der Mitte des 15. Jahrhunderts entstand und der 1998 offiziell von der Bildfläche verschwand. Die neuen Rechner vom Typ Macintosh erledigten das ehrwürdige Handwerk quasi im Handumdrehen. 

Werkstätten wie die, in der Heidrun Rediger gearbeitet hatte, blieben vielleicht gerade noch dem Namen nach. Die „Alte Druckerei“ in Lüdenscheid gibt es zwar noch, aber sie gehört zum „Wirtshaus Im Stock“ an der Knapper Straße und ist Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene, die dort Kleinkunst genießen, sich auf ein Bier treffen. 

Als es mit der Druckerei dort zu Ende ging, fand Heidrun Rediger in einer Ecke einer Kurmelkammer dabei zwischen anderen Schriften und etlichen skurrilen Dingen etwas Interessantes. Das Büchlein, mehr eine Broschüre, mit dem Titel „Die Geschichte der Grafschaft Mark im Abriß“. Es ist nicht das erste Buch, das die Redigers hergestellt haben. 

Auf den Markt bringen, das wäre der falsche Begriff. Der Vertrieb über den Buchhandel würde sich nicht rechnen. Ohnehin rechnet sich dabei nichts. Die Bücher geben sie ab zum Selbstkostenpreis. Das sind mal 25, mal 30 Euro, je nach Druck- und Materialaufwand. „Die Arbeit“, sagen sie, „die darf man nicht rechnen“. Die Freude über jedes wiederaufgelegte alte Buch sei sowieso unbezahlbar.

Bei HR-Typo – Die Buchmanufaktur bisher erschienen sind:

  • Aus der Vorzeit Halvers / 1898 / Justus Schellewald
  • Zur Geschichte Halvers / 1902 / Justus Schellewald
  • Inschriften im Amte Halver / 1940 / Dr. Ewald Dresbach
  • Das alte Halver / 1957 / Dietrich Pälmer
  • Chronik und Urkundenbuch der Kirchengemeinde Halver / 1898 / Dr. Ewald Dresbach
  • Kriegs-Chronik der Gemeinde Halver / 1932 / Dr. Ewald Dresbach
  • Die kleine Kastanie, die ein Baum werden wollte / 2005 / Sabine Widal
  • Der Bau erstklassiger Meistergeigen / 2001 / Julius Vahlefeld
  • Die Geschichte der Grafschaft Mark im Abriss / 1920 / Dr. Ewald Dresbach

In Arbeit: zwei weitere Bücher von Dietrich Pälmer 

Info und Kontakt: Harald und Heidrun Rediger, Hermann-Köhler-Straße 9, 58553 Halver, Tel. 02353/10345

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