Hanna Lena Krüger: Ein Jahr auf die Philippinen

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Die Halveranerin Hanna Lena Krüger verbringt ein Jahr auf der philippinischen Insel Mindanao.

Halver -   Für ein Jahr kehrt Hanna Lena Krüger ihrer Heimat den Rücken. Die 23-jährige Halveranerin wird auf den Philippinen leben, genauer gesagt auf der Insel Mindanao. Dort ist sie für die Menschenrechts-Organisation IPON (International Peace Observers Network) tätig. Der Allgemeine Anzeiger wird regelmäßig über ihre Arbeit vor Ort berichten.

Von Friederike Domke

In einer Woche, genauer gesagt in der Nacht des 3. Juli, wird Hanna Lena Krüger in Manila landen. Dann beginnt das Abenteuer „Philippinen“ für die junge Halveranerin. Nachdem sie ihr Studium der Sozialen Arbeit im März dieses Jahres mit dem Bachelor abgeschlossen hat, heißt es nun Erfahrungen sammeln, bevor es im kommenden Jahr mit dem Master-Studium weiter gehen soll.

„Ich wollte etwas Praktisches machen, weniger Theorie und erstmal raus“, berichtet Hanna Lena Krüger im Gespräch mit dem AA über ihre Motivation. Menschenrechte, vor allem in Dritt- und Schwellenländern, liegen ihr am Herzen. Auch ihre Abschlussarbeit an der Universität Bochum behandelte diese Thematik.

Über die Amnesty-Hochschulgruppe kam sie zu Beginn des Jahres mit der Organisation IPON in Kontakt. Ihr Interesse war schnell geweckt und bereits wenige Wochen später steckte sie mitten in den Vorbereitungen auf ihre große Reise. Sie besuchte Seminare und ließ sich von der in Hamburg ansässigen Organisation ihre „Fähigkeit zur Mitarbeit“ bescheinigen. Impfungen für ihren Aufenthalt auf der zweitgrößten Insel der Philippinen benötigte Hanna Lena Krüger, die ihr Abitur am AFG machte, nicht mehr. Denn die reiseerfahrene Halveranerin verbrachte bereits im Rahmen ihres Studiums einige Zeit in Indien und Südafrika.

Mittlerweile sind die Koffer gepackt und die letzten Tage in der Heimat, bei Freunden und der Familie, sind gezählt. „So langsam kommt die Aufregung“, sagt die Halveranerin. Wenn Hanna Lena Krüger in der kommenden Woche auf den Philippinen ankommt, wird sie sich direkt mit ihrem ersten Fall vertraut machen: Temogen „Cocoy“ Tulawie ist ein Menschenrechtsverteidiger aus dem Sulu-Gebiet. Er ist Begründer der lokalen Menschenrechtsgruppe „Bawgbub“ und ein Mitglied verschiendener philippinischer Zivilgesellschaftsorganisationen, im Rahmen derer er für diverse Kampagnen zur Demokratisierung lokaler Politik verantwortlich war. Diese Kampagnen, so die Organisation, enthüllen zahlreiche Menschenrechtsverletzungen seitens der lokalen Regierung, unter anderem Massenvergewaltigungen, begangen von Söhnen bekannter Politiker. Nach einem Bombenanschlag auf den damaligen Gouverneur Tan im Mai 2009 wurde Tulawie bezichtigt, Drahtzieher der Tat gewesen zu sein. Beweise aber gab es keine. Derzeit sitzt er in Manila im Gefängnis, das laut IPON bekannt sei für günstige Auftragsmorde.

Der Justizapparat und die Strafverfolgungsbehörden seien, gerade in den ländlichen Gebieten, oftmals extrem abhängig von den lokalen Machthabern und würden daher nicht selten für die persönlichen Interessen missbraucht. Das laufende Verfahren gegen Temogen „Cocoy“ Tulawie veranschauliche die fehlende Unabhängigkeit des Justizsystems.

Es wird also sofort zur Sache gehen, wenn Hanna Lena Krüger auf den Philippinen ankommt. Angst hat sie nicht, sagt sie. Aber es sei ein tolles Gefühlt, etwas bewirken und helfen zu können.

Über IPON:

Auf Anfrage von gefährdeten Gruppen sendet IPON internationale Beobachter in Konfliktregionen. Sie setzen sich gewaltfrei für Menschenrechte ein, ohne in regionalen Konflikten Partei zu ergreifen, heißt es auf der Homepage. Die Arbeit basiere auf den Prinzipien Begleiten, Handeln und Informieren.

- Begleiten: Von Menschenrechtsverletzungen betroffene Gruppen begleiten, ihre politische Arbeit ermöglichen, Übergriffe von Gewaltakteuren verhindern

-  Handeln: Schutz und Verwirklichung der Menschenrechte einfordern, staatliche Akteure in di Verantwortung nehmen

-  Informieren: Menschenrechtsverletzungen an die internationale Öffentlichkeit bringen

IPON trete in den politischen Dialog mit den Autoritäten, um sie auf die Verantwortung für die Einhaltung der Menschenrechte und ihre Schutzpflicht aufmerksam zu machen.

Mehr Informationen:

www.ipon-philippines.org

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