Mathias Grasediek: „Wir warnen seit Jahren“

Mathias Grasediek, Trainer der Oberliga-Mannschaft der SGSH, appelliert an die Stadt und die Politik.

HALVER ▪ Die SG Schalksmühle-Halver legt in der Debatte um den Boden der Sporthalle an der Mühlenstraße nach: Mathias Grasediek, Trainer der ersten Mannschaft des Vereins und als Geschäftsführer des Stadtsportbundes Dortmund durchaus mit der Materie vertraut, reagierte jetzt auf die Stellungnahme Bürgermeister Dr. Bernd Eickers.

Mit seiner Aussage, es gebe zweierlei Arten von Projekten, nämlich notwendige und wünschenswerte, habe das Stadtoberhaupt klar zum Ausdruck gebracht, dass ein Schwingboden nicht nötig ist, so Grasediek. „Ist es wirklich nicht nötig, für die Vermeidung auch nur einer einzigen schwerwiegenden Kopfverletzung bei Vereinssportlern oder Schülern zu sorgen?“, fragt nun Grasediek.

Denn der SGSH-Coach sieht in dem Betonboden kein handballspezifisches Problem: „Ein aufgrund äußerer Umstände unkontrollierter Sturz ist bei sportlichen Betätigungen häufiger anzutreffen“, sagt Grasediek. Zwar habe das nicht immer solch schwerwiegende Folgen wie im Fall Stuhldreher, „es geht aber auch noch schlimmer. Genau davor und vor Spätschäden warnen wir seit Jahren.“ Gesundheitliche Spätschäden aufgrund von ungefederten Sportböden würden erst nach Jahren an Fuß-, Knie- und Hüftgelenken oder am Rücken auftreten. Daher plädiert der Coach für einen „flächenelastischen“ Sportboden: Dieser würde die Aufprallenergie um mindestens 50 Prozent absorbieren, „ein unverzichtbarer Nutzen bei jedem Auf- und Absprung“. Bei dem in Halver vorhandenen Boden hingegen müsse dieser Prozess jedoch komplett von den Gelenken und insbesondere von Knorpeln übernommen werden. Der Verweis Eickers auf den mutmaßlichen Wunsch der Halveraner Handballer nach einem Betonboden vor 36 Jahren kann Grasediek ebenfalls nicht nachvollziehen – zumal sich erst später der schwere Unfall Joachim Deckarms ereignet habe.

„Die Verantwortlichen bei der Stadt Halver stellen auf stur, tun nichts. Aber Sportler sind Kämpfer und zumindest im Teamsport existiert ein besonderes Verantwortungsverständnis. Verantwortung muss man nicht nur für das übernehmen, was man tut, sondern auch für das, was man unterlässt.“ Und so wolle es die SGSH nicht unterlassen, erneut auf „die definitiv große Gefahr“ hinzuweisen, die vom Hallenboden an der Mühlenstraße ausgeht.

Beim gewünschten Schwingboden handele sich keineswegs um einen „Luxusartikel“ für den Verein, sondern um ein Element für die Gesundheit und Sicherheit aller Sportler. Grasediek: „Uns ist bewusst, dass eine Investition von circa 170 000 Euro für einen Schwingboden und die Entsorgung des alten Bodens sehr viel Geld ist“ – doch würde damit die Gefahr schwerwiegender Verletzungen minimiert werden.

Den meisten Eltern sei die für Vereins- und Schulsport gleichermaßen existierende Gefahr gar nicht bewusst. „Sicher ist jedoch, dass es eine Menge weniger sportlicher Schüler gibt, die bei einem Sturz im Sportunterricht koordinativ nicht in der Lage sind, sich ausreichend abzurollen“, sagt der Trainer, der an die Eltern sporttreibender Kinder appelliert, einen klaren Auftrag an die Kommunalpolitik zu formulieren, den Betonboden auszutauschen. ▪ zach

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