1. Zukunftsenergietage

Hambach und Thumberg im Kulturbahnhof

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Auch Oliver Krischer, stellvertretender Fraktionschef der Grünen im Bundestag, war vor Ort.

Halver - Es war eine Premiere: Das Wochenende stand im Kulturbahnhof ganz im Zeichen der Energiewende – und wie sie gelingen kann. Veranstalter der ersten Zukunftsenergietage in Halver waren der Ortsverband Halver und der Kreisverband Mark von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Landesverband NRW der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie.

Sie boten den Besuchern die Möglichkeit, sich im Rahmen von Vorträgen über Erneuerbare Energien zu informieren und mit Energieerzeugern sowie Herstellern und Anbietern von Fotovoltaik-Anlagen, Elektroautos, Stromspeicher-Systemen und Brennstoffzellen ins Gespräch zu kommen. 

Der Auftakt am Freitag war dabei geprägt von Vorträgen, wobei die Ausführungen des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Oliver Krischer, im Mittelpunkt standen. Flankiert wurde er durch Beiträge von Martin Halbrügge, dem maßgeblichen Initiator der Zukunftsenergietage, Klaus Brunsmeier vom BUND sowie Wissenschaftsautorin Sina Löschke. 

Lob für Friday-for-future-Bewegung

Auslöser für die Idee zu den Zukunftsenergietagen seien für ihn die Diskussionen über die Windkraftanlagen in Halver gewesen, erklärte Martin Halbrügge. „Vor allem durch die sinnvolle Kombination aus Sonnen- und Windenergie können wir unseren CO2-Rucksack extrem erleichtern.“ Denn wenn im Winter die Sonne nicht scheine, könne die Windkraft einspringen und umgekehrt. Der Anteil an regenerativen Energien liege derzeit bereits bei 40 Prozent, erklärte Halbrügge. Wie auch alle anderen Redner des Abends lobte er die Protestaktionen für den Hambacher Wald ebenso wie die Friday-for-Future-Bewegung.

Die Vorträge stießen auf große Resonanz.

Auch Klaus Brunsmeier sieht in den Protesten um den Hambacher Wald eine Zäsur, ein großflächiges Umdenken der Menschen mit Blick auf den Klimaschutz. „Jahrelang haben wir verzweifelt gegen die Braunkohle gekämpft und nur wenig bis gar kein Gehör gefunden“, erklärte Brunsmeier. „Jetzt passierte es mir erstmals auf dem Weg zu einer Demo am Hambacher Wald, dass ich für meine BUND-Jacke bejubelt wurde.“ Schon lange gebe es praktikable Pläne, wie Atom- und Kohlekraftwerke ohne Einschränkung der Versorgung zügig abgeschaltet werden könnten, doch vor allem die Politiker unternähmen derzeit rein gar nichts.

"Ich dachte: Endlich tut mal jemand was"

„Heute vor 37 Wochen hat Greta Thunberg mit ihren Schulstreiks begonnen, und ich dachte ,Endlich tut mal jemand was’“, erklärte im Anschluss Sina Löschke. Nachfolgend zeichnete die Wissenschaftsautorin ein düsteres Bild der Klimaerwärmung, die sich durch alle Jahreszeiten ziehe. „Von der Dürre 2018 waren 80 Prozent der Fläche Deutschlands betroffen und die Bodenwasserspeicher sind längst noch nicht wieder aufgefüllt, ganz zu schweigen von der in diesem Jahr bevorstehenden, weiteren Dürre.“ 

Löschke gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass Friday for Future bald nicht nur Schüler, sondern die gesamte Gesellschaft auf die Straße treibt. 

Grünen-Politiker Oliver Krischer wuchs indes nur drei Kilometer vom Hambacher Wald entfernt auf, lebt dort noch heute und ist deshalb direkt von der Braunkohle-Problematik betroffen. „Ich hätte niemals gedacht, dass auch nur ein kleiner Teil des Waldes noch zu retten gewesen wäre“, sagte der Grünen-Politiker. Das, was derzeit geschehe, sei kein Klimawandel mehr, sondern eine Klimakrise, vielleicht sogar längst schon eine Klimakatastrophe. „Wir müssen sofort weg von Kohle und Öl, denn das ist das Hauptübel“, betonte Krischer. 

"Stimmung im Land nutzen"

„Vor nicht allzu langer Zeit hat RWE behauptet, dass wir maximal vier Prozent unseres Energiebedarfs an erneuerbaren Energien bestreiten könnten“, erklärte Krischer. „Jetzt liegen wir bereits bei 40 Prozent und sehen: RWE lag komplett falsch.“ Die Entwicklung im Straßenverkehr müsse in Richtung Elektromobilität gehen und dahin, dass die Menschen auf den eigenen Dächern ihren Strom dafür produzieren. „Zudem ist es geradezu kurios, dass in Deutschland noch Ölheizungen gefördert werden, während diese in vielen anderen Ländern bereits verboten sind.“

Friday for Future artikuliere nur das, was die Gesellschaft längst schon weiß und beschlossen, aber niemals auch nur ansatzweise umgesetzt habe. „Wir müssen die Stimmung im Land nutzen, um die Dinge für unsere Umwelt zu verändern“, schloss Krischer.

Vortrag am Donnerstag, 9. Mai

Die Zukunftsenergietage enden am Donnerstag, 19 Uhr, mit einem Vortrag, der im Kulturbahnhof alle bereits am Wochenende vorgestellte Themen noch einmal beleuchten soll. „Wir hoffen, dass wir dann auch diejenigen noch ansprechen können, die wir am letzten Wochenende nicht erreicht haben“, sagt Martin Halbrügge. Zum Einstieg wird Dr. Johannes Spruth von der Verbraucherzentrale die sogenannten Steckersolarmodule vorstellen, die ihre Vorzüge darin hätten, ohne bürokratische Regulierung nutzbar zu sein. Vor Ort sind außerdem Peter Asmuth und Martin Halbrügge.

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