„Ham & Egg“ präsentieren sich schräg und schrill

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„Ham & Egg“ begeisterte das Publikum in der Aula der Realschule. ▪

HALVER ▪ „Um 5 war ich noch ein richtiger Mann...“ – und um 20 Uhr legte er im eng anliegenden Glitzergewand auf halsbrecherischen „High-Heels“ einen durch und durch weiblichen Hüftschwung auf die Bühne, um mit klimperndem Wimpernschlag die „Show-Time mit ganz viel Herz“ zu eröffnen.

Frech und frivol, mit einem Humor, der „ein klein wenig würziger ist als sonst“, und Selbstironie präsentierte das Travestie-Duo „Ham & Egg“ Highlights aus 16 Jahren Revue und Comedy. „Ich freue mich“ lautete der Titel – und der war in der Aula der Realschule Programm. Der Funke sprang sofort über. Das Kölner Kleinkunst-Duo landete mit seiner bunten Revue der Pop- und Schlagerhits aus vier Jahrzehnten beim Halveraner Publikum einen Volltreffer. Es wurde rhythmisch mitgeklatscht und mitgesungen. Es waren die Hits von Katarina Valente, Edith Piaf, Gitte, Bill Ramsey, Bata Ilic oder der Andrews Sisters, die Ohrwürmer „Bei mir biste scheen“, „Die süße Puppe aus der Bauchtanzgruppe“ oder ,,Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling“. Besonderen Applaus gab es für die Persiflage „Das ist alles Silikone“. Verkörpert mit einer überdimensionalen Oberweite sowie einem ausladenden strammen Popo. Und „Egg“ gesteht: „Ich würde mir doch nicht meinen Busen vergrößern, sondern seine Hände verkleinern lassen“. Aber „Ham & Egg“ können auch Ernst. Mit einer Hommage an „die unvergessene Trude Herr“, „Das ist mein Weg“, frei nach Frank Sinatra, oder „...warum hab ich kein Recht zu sein so, wie ich bin...“ gab es, überaus stimmgewaltig, auch Nachdenkliches.

Grandios und extrem verrückt die Perücken und Hut-Kreationen, gewagt und phantasievoll die Kostüme. Komponiert als knallrote große Handtasche, rosafarbener Cadillac (Kennzeichen K 0815) nebst blauer Ente (K 4711) aus Plüsch oder „Evita“-Robe mit XXL-Reifrock, gerafften Puff-Ärmeln für überdimensionale Ziehharmonika-Arme. In schrillen Farben, mit Glitzer und Glamour, umhüllen sie die nicht gerade zarten Leiber. Für jede Szene eine neue, überraschende Kreation.

Aber auch mit Wampe und kräftigen Waden versprühen die „tuntigen“ Vollweiber einen Hauch von Anmut nebst herbem (S)charme. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, reden wie ihnen das sexy Kussmündchen gewachsen ist. Derart, dass selbst Obszönes die Ohren nicht beleidigt.

Grandios auch der Abgang. Angekündigt als Astralkörper, sehr voluminös, Modell „Zauberflöte“, erscheint „Ham“, schminkt sich ab, schlüpft aus seiner Rolle und wird wieder ein richtiger Mann. „Egg“, dem der Einzug oblag, vollzieht seinen Wandel hinter dem Vorhang.

Im wahren Leben gestandene Mannsbilder und brave Bonner Verwaltungs-Beamte, haben „Ham“, alias Jörg Dilthey, und „Egg“, Andreas Schmitz, beim Publikum den Traum von ach so lockeren und farbenfrohen Halveraner Bediensteten wachgeküsst – es war eine Travestie-Show auf hohem Niveau.

Und dem Motto gemäß haben sich Duo und Publikum gleichermaßen sichtlich sehr gefreut. Gerührt von der großen Gegenliebe hoffen „Ham & Egg“ nun auf ein Wiedersehen in der „Weltmetropole Halwer“.

Von Yvonne Pfannschmidt

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