Immer in Bewegung: Ivan Vogel ist seit 17 Jahren Zusteller bei der Deutschen Post

+
50 bis 70 Pakete liefert Ivan Vogel im Durchschnitt in seinem Zustellbezirk aus, manchmal sind es auch deutlich mehr. Mit jedem Jahr werden es mehr Pakete, sagt der Zusteller.

Halver/Schalksmühle - Dutzende Pakete in allen Größen und Gewichtsklassen herumwuchten, kistenweise Briefe und manchmal noch mehrere Stapel an Wurfsendungen einwerfen, und das alles in einem zügigen Tempo – klingt nach einem sportlichen Programm. „Der Job hält fit“, bestätigt Zusteller Ivan Vogel. Der 54-Jährige ist seit 25 Jahren bei der Post, seit 17 ist er Zusteller. Seinen Bezirk in Schalksmühle kennt er in- und auswendig. Los geht es morgens allerdings in Halver – im Zustellstützpunkt.

„Heute ist perfektes Wetter zum Arbeiten“, sagt Vogel zu dem sonnigen Spätsommertag. Bei Regen ist das etwas anderes. „Die Post wird nass, man selbst und der Sitz auch, weil man immer wieder ein- und aussteigt.“ Doch die heutige Tour hat einen Haken: Weil Vogel heute auch eine Postwurfsendung verteilt, muss er – anders als sonst – zu wirklich jedem einzelnen Haus. Dadurch dauert das Ganze länger.

„Nur Werbung heute“, sagt er fast entschuldigend zu denen, die ihn schon vorm Haus begrüßen. Die Menschen in Dahlerbrück und Linscheid – dem Zustellbezirk 9 – und Vogel kennen einander seit vielen Jahren. „Die Leute fühlen sich bei ihrem Stammzusteller geborgen. Sie wissen: Er kennt alle, da gibt’s keine Fehler.“ Die Kunden fragen, wie es ihm geht, wie der Urlaub war. „Bei manchen bleibt man kurz stehen, aber viel Zeit hat man nicht, denn die anderen warten auch auf ihre Post.“

Drei Lastwagen bringen die Post

Eine zügige Zustellung hängt auch von einer guten Vorbereitung ab. Die ersten Stunden seines Arbeitstags verbringen Vogel und seine Kollegen mit dem Sortieren der Post. Morgens kommt dreimal ein Lkw aus dem Verteilzentrum in Hagen zum Zustellstützpunkt nach Halver: Um kurz nach sechs bringt er Briefe, um etwa 7.15 Uhr Pakete, die Restpost – ein Mix aus beidem – wird mit dem letzten Laster um etwa 8.15 Uhr geliefert.

In den Stunden vor der eigentlichen Zustellung sortiert Vogel die Post nach Straßen und Hausnummern in ein Regal ein.

"Der Job ist sehr bewegungsintensiv, du bist bis 15 Uhr im Dauerlauf." - Ivan Vogel, Postzusteller

Die Standardbriefe kommen nach Lieferadressen vorsortiert in Kästen. Die übrigen Sendungen – darunter größere Briefe, Einschreiben, Zeitschriften und Kataloge – werden von Hand nachsortiert. Vogels Regal ist – wie auch die seiner Kollegen – nach den Straßen und Hausnummern seines Zustellbezirks aufgeteilt. Es findet sich immer mal wieder eine Karteikarte zwischen den unsortierten Briefen, die auf Besonderheiten hinweisen: Ob Einschreiben oder Sendungen per Nachnahme dabei sind, ob es Nachsendeaufträge gibt oder die Post eines Kunden während dessen Urlaubs gelagert wird. Sind alle Sendungen ins Regal einsortiert, räumt Vogel sie dann um in gelbe Plastikkisten. Fehlen noch die Pakete.

Jedes Jahr werden es mehr Pakete

Wie viele Pakete Vogel ausliefern muss, weiß er schon morgens nach einem Blick auf seinen Scanner. Der zeigt ihm morgens an, wie viele Pakete er voraussichtlich bekommt, auch wenn die tatsächlich angelieferte Zahl noch abweichen kann. Jedes Jahr werden es mehr Pakete, der Zuwachs liegt zwischen 11 und 13 Prozent, schätzt Vogel. „Und die Pakete werden größer, denn die Leute bestellen ja alles, auch Möbel.“ Da ist Vorsicht geboten, es soll schließlich nichts beschädigt werden. 50 bis 70 Pakete pro Tag sind in seinem Bezirk normal, heute sind es deutlich mehr.

Ein Drittel der Pakete wird bei Nachbarn abgegeben.

„93 Pakete – das wird heute ein langer Tag“, sagt Vogel. Neben den 91 aus seinem nimmt er heute noch zwei Pakete aus dem Bezirk einer Kollegin an – in ihrem kleineren Wagen ist kein Platz mehr für die sperrigen und schweren Pakete. Die frisch angelieferten Pakete scannt Vogel einzeln ein. In der Sendungsverfolgung im Internet würde man für dieses Paket die Info erhalten, dass sie verladen und zugestellt werden. Bei der Zustellung werden sie dann erneut gescannt.

Scanner als Gedächtnisstütze

Die Pakete räumt Vogel zusammen mit den Briefkisten in sein Fahrzeug, und zwar alles in Lauffolge, das heißt so, wie der Bezirk abgefahren wird, damit nicht lange gesucht werden muss. Zwischen 9 und 9.30 Uhr beginnt Vogel mit der Zustellung. Der erste Kasten mit Briefen steht neben ihm auf dem Sitz, darauf liegt der Scanner, der ihm anzeigt, zu welchen Adressen er außer Briefen auch Pakete bringen muss. Beides zusammen hilft als Gedächtnisstütze bei der Auslieferung, aber dank jahrelanger Routine und guter Vorbereitung am Morgen hat er sich das Meiste bereits so gemerkt.

Zuerst wird das Seniorenheim in Reeswinkel angefahren, Vogel liefert einen ganzen Stapel Briefe aus und nimmt von dort auch wieder Post mit. Firmen liegen auf der Zustellroute, die Feuerwache und jede Menge Privathaushalte. Vogel eilt von Briefkasten zu Briefkasten. „Der Job ist sehr bewegungsintensiv, du bist bis 15 Uhr im Dauerlauf.“ An manchen Tagen, so auch heute, dauert es auch deutlich länger.

Ein Drittel der Pakete an Ausweichempfänger

Beim Friseur hält Vogel direkt neben dem Fenster und überreicht die Post, ohne auszusteigen, das habe man so verabredet. Die Drive-In-Zustellung ist aber ein Einzelfall. Um Pakete nicht so weit vom Wagen schleppen zu müssen, fährt Vogel viele steile Einfahrten rauf und runter, mal vorwärts, mal rückwärts.

„Man schaut erst einmal nach, ob jemand da ist, bevor man die schweren Pakete rausholt“, sagt Vogel. Bei den beiden, die er von seiner Kollegin übernommen hat, ist der Empfänger nicht da. Das komme oft vor, sagt Vogel. „Die meisten Leute sind um die Uhrzeit auf der Arbeit.“ Mit manchen Kunden gibt es einen schriftlichen Vertrag, dass Vogel die Pakete in der Garage oder im Keller ablegen kann, wenn niemand da ist.

Häufig sind aber Nachbarn zuhause und können Pakete annehmen, so auch in diesem Fall. Es ist nicht der einzige an diesem Morgen. Etwa ein Drittel der Pakete werde an Ausweichempfänger ausgeliefert, sagt Vogel. Der Zusteller wirft dann eine Benachrichtigung in den Briefkasten, dass das Paket beim Nachbarn abgegeben wurde, oder einen Abholschein. Damit können die Pakete am nächsten Tag in Paketshops – in Schalksmühle an der Bahnhofstraße, in Halver an der Frankfurter Straße – abgeholt werden.

Zustellung

Vom Halveraner Zustellstützpunkt aus werden die 21 Zustellbezirke in Halver und Schalksmühle angefahren. Jeder Bezirk hat – Urlaubs- und Krankheitsvertretungen ausgenommen – einen festen Zusteller. Mit Springern arbeiten 24 Zusteller. Briefe und Pakete werden in einer sogenannten Verbandszustellung ausgeliefert. Ausnahme ist das Zentrum von Schalksmühle. Dorthin bringen die Postzusteller lediglich die Briefe, Pakete werden von der DHL-Niederlassung in Lüdenscheid ausgeliefert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare