Die Geschichte hinter dem Ludgerus-Haus

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Halver - Vor 20 Jahren, genau am 26. März 1997, wurde auf dem katholischen Friedhof an der Elberfelder Straße der Grundstein für das Ludgerus-Haus gelegt. Hier gibt es einen Aufenthaltsraum für den Priester, einen Verkaufsraum für den Friedhofsgärtner und Platz für Friedhofsgeräte.

Von Hans-Jürgen Kammenhuber

Im Juni 2001 konnte aus Spendenmitteln noch eine kleine Glocke, die ebenfalls den Namen des Essener Bistumspatrons Ludgerus trägt, am Friedhofshaus angebracht werden. Die Glocke wird bei jeder Beerdigung geläutet. Tote werden im Ludgerus-Haus nicht aufgebahrt. Das geschieht weiterhin in den dafür vorgesehenen Räumen auf dem evangelischen Friedhof.

Halver steht in besonderer Beziehung zu Ludgerus, dem großen Missionar Westfalens. Das Kloster Essen-Werden, dem Halver die erste urkundliche Erwähnung verdankt, war eine Stiftung des heiligen Ludgerus, der im Jahre 804 erster Bischof von Münster wurde. Es gab drei Heberegister des Klosters Werden, in denen der Name Halver festgehalten ist. Das erste geht auf das Ende des 9. Jahrhunderts zurück. Hierin ist die Rede von einem Oberhof Schöpplenberg mit drei Hofbesitzern aus Halver. Aufgabe eines Oberhofes war es, Abgaben einzuziehen und diese an das Kloster abzuführen.

Im zweiten Verzeichnis, geschrieben um das Jahr 1100, findet man Halver selbst schon als selbständigen Oberhof, dem sechs Hofbesitzer zugeordnet werden. Ein drittes Register, vermutlich zwischen 1125 und 1137 angelegt, nennt mit dem Oberhof Halver ranggleich den „Winkhof“. Er trägt im Verzeichnis der klösterlichen Besitztümer die Bezeichnung „Aliter etiam Halvara sive Munikinchove“. Vermutlich hatten sich Werdener Benediktinermönche in der Nähe von Halver niedergelassen und den Hof gegründet, der nach ihnen Mönchshof genannt wurde.

Nicht nur das Kloster Werden an der Ruhr ließ der Münsteraner Bischof Ludgerus errichten. Der Bau noch weiterer Klöster und Kirchen geht auf seine Initiative zurück. Außerdem gründete er 40 Pfarreien, die er jährlich visitierte. Die Abtei Werden war eine relativ bescheidene Stiftung. Neben Münster dürfte Werden eine Basisstation für die Missionsreisen des heiligen Ludger gewesen sein. Von hier aus reiste er unentwegt durch das heutige Westfalen und die Friesengaue und verkündete das christliche Evangelium. Den ihm vom fränkischen König und späteren römischen Kaiser Karl dem Großen angebotenen Bischofsstuhl in Trier lehnte Ludger ab. Aus Biografien weiß man, dass er die reichen und prestigeheischenden Bischöfe des Reiches sogar kritisierte. Er selbst missachtete allen äußerlichen Pomp und gab sein Ideal, die Armut und Einfachheit, auch als späterer Bischof von Münster nicht auf. Auf eine Beschwerde des Adels hin musste sich Ludger deswegen sogar vor dem Kaiser verantworten. Seine Lieblingsstätte blieb Werden, die ihm zunehmen zur Kraftquelle für Leben und Glauben wurde. Es war jene Ruhr-Abtei, in der Halvers Wurzeln zu finden sind.

In der Propsteikirche des ehemaligen Benediktinerklosters in Essen werden noch heute die sterblichen Überreste des 809 verstorbenen Heiligen in einem kunstvollen Reliquienschrein aufbewahrt. Sein Patronatsfest feiert das Bistum Essen jährlich am 26. März. Ein 26. März war es auch, an dem Halvers Katholiken den Grundstein für ihr Friedhofshaus legten.

Noch ein Wort zur Friedhofsglocke: Auf meinem Schreibtisch steht die Miniaturausgabe einer Glocke, die die Inschrift „Für die Friedhofsglocke des St.-Ludgerus-Hauses“ trägt. Diese kleine Glocke erinnert mich vor allem an einen Mann, dem die Katholiken Halvers viel zu verdanken haben, an den zu früh verstorbenen Georg Brand. Er, den die meisten „Otto“ nannten, initiierte und begleitete zahlreiche karitative Projekte. Auch war er Motor für einige Bauvorhaben der Kirchengemeinde, wie des St.-Nikolaus-Kindergartens an der Bachstraße und nicht zuletzt des Ludgerus-Hauses. Er war es auch, der die Spendenaktion für die Friedhofsglocke ins Leben rief. Als Dank überließ er den Spendern eine Mini-Glocke.

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