Puppenstuben sind Uta Gronaus Leidenschaft

Schultüten, Stundenpläne, Hefte, Kreide mit Umkarton, Wandtafeln, Schulranzen mit Schwamm und Tuch sowie sogar ein Kalender mit Tagesblättern – aus dem Internet heruntergeladen, ausgedruckt und zusammengebastelt – wurden von Ute Gronau angefertigt.

Halver - Sie haben es ihr angetan, die alten Puppenstuben aus den 50er, 60er und 70er Jahren. Vor rund fünf Jahren begann Uta Gronaus Sammelleidenschaft für die niedlichen, aber überaus naturgetreuen Nachbildungen echter Wohnhäuser und Wohnungen.

Über das Basteln von Miniaturen wurde die Faszination für die bis heute gefertigten Spielhäuser geweckt. Kontakte zu anderen Sammlern entstanden durch das Internet.

Inzwischen umfasst Uta Gronaus in Sammlerkreisen „noch kleine“ Sammlung 49 Stuben, 28 Häuser und zwei Kaufläden. Mit Zubehör und Ersatzstücken füllen sie zwei Räume und etliche Regale. In Körben warten Möbel, Küchengeschirr, elektrisches Zubehör und natürlich die Figuren von Mama, Papa und Kindern auf das Einsortieren. Etliche Kataloge alter und neuer Anbieter liegen säuberlich gestapelt bereit.

Ständig kontrolliert die Halveranerin die Angebote im Internet auf neues, passendes Inventar oder ganze Konvolute. Nur noch selten bastelt Uta Gronau Miniaturen für die Vervollständigung der kleinen Haushalte selbst. Früher hat die gelernte Innenarchitektin sogar das Gebäck für den Küchentisch mit winzigen Metallformen aus Fimo-Masse hergestellt, mit Farbe als Zuckerguss bestrichen, mit winzigen Perlen als Süßigkeiten bunt ergänzt und im Ofen gebrannt. Mit Lupe und feinsten Werkzeugen ist sie in ihrem Bastelzimmer zugange. Kleine Koffer sind aus Lederresten hergestellt, bezogen und sogar mit zu schließenden Schnallen bis in kleinste Detail originalgetreu gefertigt.

Aus der ganzen Welt – Taiwan, Australien, Kanada beispielsweise – kommen Anfragen von anderen Sammlern. Schachteln von Familienspielen, feinste Tischdecken, Schallplattensammler – es fehlt nichts, was es im Großen nicht auch gibt. Sogar die Bratengabel steckt im Hühnchen. Winzigste Körbchen, nur so groß wie ein Ein-Cent-Stück, hat Uta Gronau früher selbst geflochten. Schulkreide, der passende Umkarton, Stundenpläne, Wandtafeln für die Schule – es gibt nichts, was es in der realen Welt nicht auch gibt oder gab.

Besonders fasziniert ist die leidenschaftliche Sammlerin dabei von den Mode- und Stilrichtungen, die in den einzelnen Puppenstuben die Epoche erkennen lässt: so etwa Fledermaus-Sessel, Tulpenstühle, Tütenlampen. Aus den 50er und 60er Jahren hat die Halveranerin das meiste Material, denn damit hat sie als Kind selbst gespielt. Ihr ältestes Stück ist von 1920 und immer wieder findet sie ein Einzelstück, um diese Rarität zu vervollständigen. Mit Schaukelpferd und Weihnachtsbaum, weinroten Plüschsesseln oder gar einem filigranen Nähtisch mit gedrechselten Beinen ist die Wohnstube schon bestens bestückt. Einige Puppenhäuser hat Uta Gronau erstanden, nach und nach muss sie jedoch noch anhand von Herstellerlisten mit Hilfe des Internets den Fabrikanten bestimmen.

Auch das Restaurieren ist, besonders in den Wintermonaten, ihre liebste Freizeitbeschäftigung. Es werden nur originale Puppenstubentapeten aus den entsprechenden Jahren verwendet, die man im Internet oder auf Antikmärkten finden kann. Für die Gardinen und Teppiche werden Stoffe aus alten Tischdecken, Handtüchern, Sitzkissen, Schürzen und Polsterstoffen verwendet. Farben werden mit viel Geduld gemischt, den original Farbtönen angeglichen.

Keine Klebereste verunzieren die winzigen Gegenstände. Feinarbeit ohne Fehler macht Uta Gronau Freude. Viele Techniken hat sie im Studium kennengelernt. Gerne trifft sie sich mit anderen Sammlern aus Essen, Duisburg, Reinberg und Krefeld, regelmäßig rund alle sechs Wochen. Stundenlang werden die Neuheiten in den einzelnen Sammlungen angeschaut sowie Erfahrungen und Infos über Hersteller – meistens aus den neuen Bundesländern – ausgetauscht.

Und die winzigen Spielstuben haben eine lange Tradition: Eine ganze Puppenstadt hat Fürstin Augusta Dorothea von Schwarzburg 1716 bis 1721 von ihren Handwerkern des Hofes bauen lassen. 26 Häuser mit 84 Zimmern und 411 Püppchen gaben ein Bild einer kleinen Residenzstadt des deutschen Barock. Erst zur Erziehung, später zum Spielen ließ man die Häuser, Läden und Einrichtungen bauen. In den 20er Jahren baute der englische Architekt Sir Edwin Luyens ein Puppenhaus als Geschenk an Queen Mary, in dem von den Kronjuwelen bis zum Rolls Roice alles vorhanden war. Seither steht es in Windsor Castle.

Der Tag fängt gut an, wenn der Briefträger ein lange gesuchtes Möbelstück bringt, das genau in die Sammlung passt. Für ihren Urlaub plant Uta Gronau gerne Abstecher zu Museen oder den Fachmessen, die sie mit ihrer Freundin besucht und die ihr neue Anregungen geben. Ihr Hobby des Sammelns, Bastelns und vor allem des Findens bringen Spannung, Spaß und viele Kontakte mit Gleichgesinnten. - Rita Jonuleit

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