Halveranerin qualifiziert sich für Brettspiel-DM

Beim Spiel „Thurn und Taxis“ belegte Andrea Reich bei der regionalen Vorausscheidung zur Deutschen Meisterschaft an ihrem Tisch den zweiten Platz – und hatte damit maßgeblichen Anteil an der Qualifikation ihres Teams zur DM. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Vier verschiedene Spielerfarben mit jeweils vier Spielkegeln, dazu einfach zu erlernende Regeln: Das Spiel „Mensch ärgere Dich nicht“ hat mit genau diesen Zutaten Kultstatus erreicht.

Und es hat seit 1907 den Weg bereitet für den Aufstieg des Brettspiels in deutschen Wohnzimmern. Dass es irgendwann sogar nationale und internationale Meisterschaften für Gesellschaftsspiele geben würde, damit hätte Josef Friedrich Schmidt, der Entwickler des modernen „Mensch ärgere Dich nicht“, aber wohl kaum gerechnet. Bundesweit ganz weit vorne spielt dabei eine Halveranerin mit: Andrea Reich qualifizierte sich jetzt mit ihrem Team „Guns N’ Roses“ für die Deutsche Meisterschaft in Herne.

Um den Spaß in Gesellschaft geht es immer noch. Gemeinsam am Tisch zu sitzen und mit etwas Glück und Können die Mitspieler auszustechen, das ist weiterhin der Ansporn der Brettspielfans. Doch die Klassiker des Genres haben bei den aktuellen Wettbewerben der Szene keine Chance. So heißt das „Mensch ärgere Dich nicht“ der Neuzeit „Dog“ – und es muss nicht immer der Wohn- oder Esszimmertisch sein, der als Spielunterlage dient. Denn um sich für die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft zu qualifizieren, muss man nicht zwingend vor die Haustür treten. Über die Internetseite „brettspielwelt.de“ kann man seine letzte Chance zur Qualifikation nutzen. Eine Möglichkeit, die Andrea Reich und ihre Mitstreiter nicht nutzen wollten. „Ich muss den Mitspielern in die Augen schauen können. Das macht mehr Spaß“, sagt Reich.

Und Spaß hatten die „Guns N’ Roses“ jetzt auch im Spielzentrum Herne. Dort und in 15 weiteren Städten fanden nämlich die „RegVor“ statt, wie die Kenner der Szene sagen: die regionalen Vorausscheidungen zur Deutschen Meisterschaft. Wie in den Vorjahren, so galt es auch diesmal, ein Würfel- („Im Wandel der Zeiten“), ein Karten- („Race for the galaxy“), ein Strategie- („Funkenschlag“) sowie ein Familienspiel („Thurn und Taxis“) zu bestreiten. Spiele, auf die sich insgesamt knapp 230 Mannschaften in ganz Deutschland vorbereitet hatten. Sie alle schickten vier Akteure ins Rennen, die durch gute Platzierungen möglichst viele Punkte für ihr jeweiliges Team erzielen sollten. Und in Herne hatten am Ende die „Guns N’ Roses“ die Nase vorn – nicht zuletzt dank Andrea Reich, die ihre Kontrahenten beim Würfel- und Familienspiel allesamt hinter sich ließ und bei den übrigen beiden Partien die zweiten Plätze belegte. Den Erfolg komplettierten ihre Mitstreiter Bastian Winkelhaus, Birgit Beuscher (beide aus Mainz) und Francis Gröning (Düsseldorf), die seit vielen Jahren zusammen spielen.

Vor sieben Jahren hatten sich die „Guns N’ Roses“ erstmals für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Seitdem steckt sich die Mannschaft immer höhere Ziele, ohne das Wichtigste aus den Augen zu verlieren. „Natürlich würde ich mich über den Titel oder vordere Platzierungen sehr freuen“, sagt Andrea Reich, „aber die ersten vier qualifizieren sich direkt für die nächste DM. Und dann dürfen wir keine Qualifikation spielen.“ Dabei sei doch jedes Treffen mit sehr viel Spaß und Geselligkeit verbunden – darum geht es Reich in erster Linie.

Wenn mit dem Spaß aber auch Erfolg verknüpft werden kann – umso besser. Daher plant Reichs Brettspielrunde schon jetzt die nächsten „Trainingslager“, um sich auf die nationalen Meisterschaften vorzubereiten. Schließlich haben die Vier bis zum 21. Mai viel zu tun. Seit Sonntag ist bekannt, welche vier Spiele dann auf die Tische kommen: Allesamt Titel, die erst im Januar auf der Spielemesse in Nürnberg vorgestellt wurden. Dabei gehen die „Guns N’ Roses“ mit einer Grundphilosophie in die nächsten Monate: „Du musst die Regeln können.“ Ein Erfolgsrezept, das selbstverständlich klingt. Doch die Erfahrung aus den vergangenen Jahren lehrte Reich & Co., es mit dem Regelwerk besonders genau zu nehmen. „Viele andere Teams haben verloren, weil sie die Regeln eines Spiels nicht bis ins Detail kannten.“ Und je komplexer das Spiel, umso länger dauert das Studium. „Wir werden uns wieder von Freitag bis Sonntag an allen drei Wohnorten treffen und die Regeln studieren“, richtet sich Andrea Reich denn auch auf einige Übungseinheiten ein.

Im Kulturzentrum Herne geht es dann ums Ganze: Bei den Neuerscheinungen „Blockers“, „Airlines Europe“, „Firenze“ und „Pergamon“ will Andrea Reichs Mannschaft zeigen, was in ihr steckt. Vielleicht steht am Ende dann eine ähnlich gute Platzierung wie 2007, als die „Guns N’ Roses“ Sechste wurden und bei der Europameisterschaft im selben Jahr in Essen den siebten Platz belegten.

Für den Fall, dass man sich tatsächlich für die EM qualifiziert, wäre jedoch ein weiteres Training anzuraten: Im Erfolgsfall ist es Tradition, dass die „Guns N’ Roses“ ein Gewinnerlied zum Besten geben. Nach der DM-Qualifikation schmetterte die Gruppe „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ – weil damit eine Stadt besungen wurde, die auch beim absolvierten Spiel „Thurn und Taxis“ eine Rolle spielt. Doch auch das für den 21. Mai angesetzte Spiel „Airlines Europe“ beinhaltet europäische Metropolen: Entsprechend darf man hoffen, dass dann die „Weißen Rosen aus Athen“ in Herne erklingen. ▪ Frank Zacharias

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare