Budenstadt birgt Zündstoff

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Im Kulturbahnhof berieten die Standbetreiber über die Zukunft des Weihnachtsmarktes.

HALVER - Am Ende der fast zweistündigen Debatte um die Zukunft des Weihnachtsmarktes war Martin Rust der Ärger anzusehen: Im Raum hatte sein Vorschlag gestanden, die Veranstaltung künftig am „Alten Markt“ und auf der angrenzenden Frankfurter Straße stattfinden zu lassen. Doch fast keiner der anwesenden Standbetreiber war von diesem Konzept überzeugt.

Bereits im Vorjahr hatte sich bei einer Umfrage des Heimatvereins, der den Markt aktuell noch ausrichtet, und des Naturbühnevereins keine Mehrheit für den neuen Standort gefunden. Seitdem hatten die Initiatoren des Umzugs einige Anpassungen im Konzept vorgenommen: Der Saal des Kulturbahnhofs soll für kunsthandwerkliche und andere Aussteller erhalten bleiben, eine „Lichtroute“ oder Gewinnspiele sollen die Besucher dazu animieren, den Weg vom Alten Markt bis zum Bahnhof auf sich zu nehmen. Auch den einst kritisierten Vorschlag, einheitliche Buden anstelle des derzeitigen Sammelsuriums einzuführen, haben die Akteure des Naturbühnevereins fallen gelassen. Doch es half nichts: Bei der abschließenden Umfrage unter den mehr als 30 Anwesenden – laut Reinhard Neuhaus war damit aber nur die Hälfte der Standbetreiber vertreten – wollte sich eine Mehrheit zwar nicht auf einen Standort festlegen, doch wurde bei vielen der Unentschlossenen doch der Wunsch deutlich, lieber an Ort und Stelle bleiben zu wollen. Sechs Anwesende plädierten ganz klar für das Kulturbahnhof-Umfeld, auf den Umzug in die Innenstadt entfiel nur eine Stimme.

Dabei hatte Martin Rust zuvor mit klaren Worten deutlich gemacht, was er von dem derzeitigen Markt hält: „Für mich ist das kein Weihnachtsmarkt – und es war auch nie einer.“ Der Vorsitzende des Naturbühnevereins kann sich Änderungen im Bühnenprogramm vorstellen, aber auch das Anwerben auswärtiger Händler oder Kunsthandwerker, die im Stadtzentrum für heimelige Atmosphäre sorgen sollen. Unterstützt wurde er dabei von Olaf Panne, Geschäftsführer des Stadtmarketinvereins, der sich von einem Umzug nicht zuletzt eine bessere Einbindung des Einzelhandels verspricht. Das Marktgeschehen selbst würde sich vom Optik-Fachgeschäft Kortmann bis zum Alten Markt erstrecken, die Frankfurter Straße würde vom Alten Markt bis zum Juwelier Nockemann von Donnerstagmittag bis Montagabend gesperrt sein.

So weit die Ideen. Doch die Kritik an diesem Konzept war groß. Insbesondere Hartmut Clever äußerte seine Bedenken, aber auch weitere Standbetreiber konnten sich mit der Verlagerung nicht anfreunden: Logistisch sei diese aufgrund des engen Zeitfensters zum Auf- und Abbau schwierig, die Bestückung der Buden schwerer durchzuführen als am Kulturbahnhof. Ob tatsächlich so viele Einzelhändler wie erwartet von dem Umzug profitieren würden, sei ebenfalls fraglich. Versöhnlichere Töne schlug Hans-Peter Moch an: „Wir müssen ein anderes Erscheinungsbild erreichen und uns öffnen“, sagte der Geschäftsführer der Landsknechte in Hinblick auf die vielen Essens- und Getränkebuden, die den Markt prägten. Besonders kritisch sehen den Umzug jene Akteure, die im Saal des Kulturbahnhofs ihre Waren ausstellen. Bei einer Abbindung vom Weihnachtsmarkt befürchten sie eine Besucherflaute. Eine vormals angedachte Ansiedlung in einem Leerstand an der Frankfurter Straße lasse sich jedoch nicht planen, so Martin Rust: „Das würden wir gerne. Aber leider wissen wir nicht, ob ein Geschäft, das jetzt leer steht, das auch noch im Dezember ist.“ Allgemein wohlwollender wurde der Vorschlag Iris Bergs aufgenommen, eine Ausweitung des Markts vom „Kuba“ über die Bahnhofstraße in Richtung Innenstadt zu verfolgen.

Letztlich soll nun zunächst einmal alles bleiben wie bisher. Wie es dann im kommenden Jahr weitergeht, wenn Reinhard Neuhaus nicht mehr für die Organisation zur Verfügung steht, ist offen. Martin Rust betonte jedoch, lediglich einen Markt veranstalten zu wollen, mit dem er sich auch identifizieren kann – und der würde am „Alten Markt“ stattfinden. - zach

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