Rentner mit 42 Vorstrafen wieder vor Gericht

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Halver - Respekt vor dem Gericht? Bei einem 77 Jahre alten Angeklagten Fehlanzeige. Der Rentner musste sich gestern wegen Urkundenfälschung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor dem Amtsgericht Lüdenscheid verantworten.

Und schon bei seinen Angaben zur Person ließ der Rentner keinen Zweifel daran aufkommen, dass ihm die ganze Angelegenheit nichts ausmachte, sie ihm offenbar nur lästig war. In flapsigem Tonfall antwortete er nur lückenhaft auf die Fragen des Richters, der zu Beginn des Prozesses Daten wie Name, Anschrift und Familienstand abfragte. Was es denn für eine Rolle spiele, ob er Kinder habe, wollte der Angeklagte wissen. Bezüglich der ihm monatlich zur Verfügung stehenden Mittel wollte er ebenfalls keine klaren Angaben machen. Zu den Vorwürfen äußerte er sich gar nicht. 

Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, am 30. März vergangenen Jahres ohne Fahrerlaubnis mit einem nicht mehr angemeldetem Fahrzeug in Halver umhergefahren zu sein. Dabei soll der Rentner an den EN-Kennzeichen Zulassungssiegel aus dem Märkischen Kreis angebracht haben. 

Während der Angeklagte schwieg, berichteten Polizisten vom Tattag. Ein Beamter gab an, auf der Landstraße von Breckerfeld nach Halver auf einer Strecke mit Überholverbot eine Verkehrsüberwachung vorgenommen zu haben. Der Angeklagte sei bei durchgezogener Linie an einem Lkw vorbeigefahren. Sofort habe der Polizist den Rentner herausgewunken. 

Zunächst sei der Angeklagte stehen geblieben. Als sich der Beamte genähert habe, sei der Mann einfach weggefahren. Umgehend habe der Polizist mit seinem Motorrad die Verfolgung aufgenommen. Auf der Straße Krause Buche habe er ihn stellen können. Dort habe der 77-Jährige vorgegeben, keine Papiere bei sich zu haben. Die waren zur Identifizierung letztlich auch nicht mehr nötig. Denn: Die vom Beamten hinzugerufene Verstärkung erkannte den Mann sofort, als alten Bekannten. 

Kein Wunder in Anbetracht von 42 Vorstrafen. Die hatte der Angeklagte seit 1958 gesammelt. Darunter Verkehrsdelikte, Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Waffengesetz. Fast 20 Jahre verbrachte der Rentner bislang im Gefängnis. Zudem hatte er eine dauerhafte Sperre zur Wiedererlangung seiner Fahrerlaubnis kassiert. 

Bezüglich der Flucht nach dem Überholvorgang entschuldigte sich der Angeklagte beim Polizisten. Das sei ihm vorher noch nie passiert. Zum Rest schwieg er bis zum Schluss. Doch auch ohne die Aussage des Mannes stand für den Richter nach der Beweisaufnahme fest, dass der 77-Jährige die Taten begangen hatte. Bei der Urteilsverkündung zeigte der Angeklagte dann noch einmal seine Respektlosigkeit. Nachdem der Richter das Urteil von sechs Monaten Haft verkündet hatte, setzten sich sämtliche Beteiligte wieder hin, um die Begründung zu hören. 

Nicht so der Angeklagte. Er winkte ab und verließ den Saal mit den Worten: „Das weiß ich doch alles schon.“

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