Haus Waldfrieden im Wandel

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Halver - Das Haus Waldfrieden setzt auf neue Konzepte und Angebote bei der Betreuung und Versorgung alter Menschen. Dazu soll die Senioreneinrichtung am Hälversprung baulich und funktional deutlich erweitert werden.

Man wolle die Möglichkeiten der Pflegestärkungsgesetze nutzen, um noch weiter als bisher Abstand zu nehmen von der klassischen Unterbringung im Heim, sagen Leiter Bernd Lauermann und sein Sohn Matthias im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger.

Bereits in der Vergangenheit hatte sich das Haus mit der konsequenten Einrichtung von autarken Hausgemeinschaften vom typischen Heimbetrieb mit Großküche und Wäscherei verabschiedet. Das will man fortführen und braucht dazu die Zustimmung der Politik.

Der erste Schritt soll dazu am kommenden Mittwoch getan werden. Am 15. Februar tagt der Ausschuss für Planung und Umwelt. Auf der Tagesordnung: die Änderungen des Bebauungs- und des Flächennutzungsplanes für den Bereich Hälversprung. Das Ziel: die Ausweisung eines dann insgesamt 1,9 Hektar großen Bereichs als „Sondergebiet mit der Zweckbestimmung Alten- und Pflegewohnen“, auf dem zusätzliche Gebäude die bestehenden Wohn- und Hausgemeinschaften ergänzen.

Zurzeit bewohnen 84 Menschen die Bungalows und das Ursprungsgebäude der Einrichtung am Waldrand der Hälverquelle. Von insgesamt neun Gruppen, den Hausgemeinschaften, sind inzwischen drei als Wohngemeinschaften strukturiert. Der Unterschied: In der Wohngemeinschaft lebt man als selbstständiger Mieter. Hilfeleistungen werden in ambulanter Form erbracht. Das passiert auf Wunsch durch den eigenen ambulanten Pflegedienst „Waldfrieden mobil“, doch auch dies ist nicht zwingend. In der ambulanten Form des Wohnens ist der Bewohner Kunde und die Wohngemeinschaft bestimmt den Anbieter selbst.

Tagespflege als offenes Angebot

Diese ambulante Unterbringung eröffnet allerdings eine neue Perspektive: die Wahrnehmung des zusätzlichen Angebots der Tagespflege, abgesichert durch die Pflegestärkungsgesetze. Zwei zusätzliche Gebäude mit jeweils zwei Gruppen will das Haus Waldfrieden dafür neu bauen. Neun Menschen in jeder der Gruppen könnten hier tagsüber miteinander therapeutische Angebote wahrnehmen. Lauermann schwebt dabei nicht unbedingt der klassische Stuhlkreis mit Sitztanz vor. Nichts spreche dagegen, die Räume als Werkstatt, Gaststätte oder anders einzurichten. Ein „zweites therapeutisches Milieu“ nennt Lauermann diese Option.

Diese Tagespflege, unter Umständen auch ergänzt durch eine Nachtpflege zur Entlastung Angehöriger, wäre zugleich offene Einrichtung. Nicht allein die Mieter und Kunden des Hauses sollten dort eine Anlaufstelle finden, sondern alle Halveraner oder Besucher aus der Umgebung, die bisher auf auswärtige Angebote ausweichen müssen. Diese Neubauten würden sich oberhalb des Bestandes im Kreuzungsbereich Howarde beziehungsweise im Tal nahe den Fischteichen finden.

Ein weiteres Element der Planung für das Sondergebiet ist ein Neubau auf dem früheren Jung&Boucke-Parkplatz für ein „Service-Wohnen“ mit 15 rollstuhlgerechten Wohneinheiten und Räumen für die gemeinsame Tagesgestaltung. Der Zuschnitt dieser Wohnungen werde bewusst kleiner ausfallen, um die Kosten niedrig zu halten. Damit blieben den Mietern finanzielle Ressourcen, um externe Betreuungs- und Pflegeleistungen in Anspruch nehmen zu können. Auch damit unterstütze man das Ziel, möglichst lange, im Idealfall bis zum Lebensende, in der vertrauten Umgebung leben zu können.

Für das „Service-Wohnen“ wie für die vorhandenen Bereiche und die Tagespflege gelte, dass die Wege in dem hängigen Gelände als barrierefreier Raum gestaltet seien. Insgesamt 750 Meter umfasse das Wegenetz zurzeit, was dem Bewegungswunsch demenziell erkrankter Menschen entgegenkomme.

Kiosk und Großtagespflege

Während das Bauleitverfahren läuft – Lauermann rechnet mit etwa einem Jahr – werden die Planungen detaillierter. Erste grundlegende Ingenieursleistungen sind erbracht beziehungsweise beauftragt.

Sollte aus der Politik grünes Licht kommen, könnte ein Baustart Anfang bis Frühjahr 2018 in Betracht kommen, ein Bezug dann Anfang 2019. Auch personell müsste eine Aufstockung erfolgen. Rund 120 Mitarbeiter beschäftigt das Haus Waldfrieden im Moment. Lauermann geht von 15 bis 20 neuen Arbeitsplätzen aus, die im Erfolgsfall entstehen würden.

Als weitere Option umfasst der Plan Details, die sich ebenfalls auf dem Gelände realisieren ließen. Im unteren Teil des Geländes könnte ein Kiosk errichtet werden, betrieben durch Ehrenamtliche. Und weil auch die Verwaltung mehr Platz benötigt, könnte ein Anbau an das jetzige Verwaltungsgebäude für Entlastung sorgen. Und nicht zuletzt: Raum wäre auch noch für eine Großtagespflege für bis zu neun Kinder, um die Mitarbeiterinnen, die im Schichtdienst im Haus Waldfrieden arbeiten, bei der Betreuung ihrer Kinder zu entlasten.

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